Schwanger und keiner darf es erfahren?

Jede Frau, die ihre Schwangerschaft geheim halten möchte, kann den Weg der vertraulichen Geburt wählen und so ihr Kind medizinisch sicher zur Welt bringen.

Was ist eine vertrauliche Geburt?

Zimmer in einem Geburtshaus
© Getty Images

Vertrauliche Geburt bedeutet: Sie können Ihr Kind medizinisch sicher und vertraulich zur Welt bringen. Sie werden von einer Beraterin, die an die gesetzliche Schweigepflicht gebunden ist, beraten und begleitet: vor und auch nach der Geburt – wenn Sie es wünschen. Sie geben Ihre Identität nur einmalig gegenüber der Beraterin preis, die Ihre persönlichen Daten aufnimmt und dafür sorgt, dass diese sicher hinterlegt werden. Mit 16 Jahren kann Ihr Kind Ihre Identität und damit seine Herkunft erfahren.

Nach dem Gesetz ist die vertrauliche Geburt eine Entbindung, bei der die Schwangere ihre Identität nicht offenlegt und stattdessen Angaben zur Erstellung eines Herkunftsnachweises (Vor- und Zuname, Geburtsdatum und Anschrift der Schwangeren) macht.

Beratung und Hilfe für Schwangere in Not

Egal, wie ausweglos Ihre Situation scheint, am Hilfetelefon „Schwangere in Not“ unter Telefon 0800 40 40 020, im Chat auf www.geburt-vertraulich.de und in den Beratungsstellen in Ihrer Nähe erhalten Sie Beratung und Hilfe.

Eine Beraterin hilft Ihnen – Vertrauen Sie sich ihr an.
Sie hört Ihnen zu und hilft Ihnen, einen guten und sicheren Weg zu finden – für Sie und Ihr Kind. Sie drängt Sie in keine Richtung; Sie entscheiden. Die Beraterin steht Ihnen bei.

Niemand erfährt, wer Sie sind. Ihre Identität ist auch nach der Geburt geschützt.
Die Beraterin respektiert Ihren Wunsch, Ihre Schwangerschaft geheim zu halten. Ihr Geheimnis ist bei ihr sicher. Alle Beteiligten unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht. Ihre Identität bleibt auch nach der Geburt geschützt.

Vor der Geburt geben Sie sich ein Pseudonym.
Vor der Geburt geben Sie sich ein Pseudonym und wählen den Jungen- oder Mädchennamen für Ihr Kind aus.

Sie können Ihr Baby geschützt und medizinisch begleitet auf die Welt bringen.
Sie müssen Ihr Baby nicht heimlich bekommen, auch wenn keiner davon erfahren darf. Wenn Sie sich für eine vertrauliche Geburt entscheiden, vermittelt die Beraterin Ihnen Hebammen, gynäkologische Praxen und Krankenhäuser, wo Sie Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen bzw. vertraulich entbinden können. Auch nach der Geburt werden Sie weiter begleitet.

Vor und nach der Geburt ist Ihre Beraterin an Ihrer Seite.
Sie bleiben nicht alleine. Ihre Beraterin hilft Ihnen dabei, einen Weg aus Ihrem Konflikt zu finden und eine Perspektive zu entwickeln. Gemeinsam mit Ihnen sucht sie nach einer guten Lösung für Ihre Situation.

Nach der Geburt trägt der Standesbeamte Ihr Kind mit dem gewählten Namen ins Geburtsregister ein.
Die Klinik bzw. Hebamme informiert nach der Geburt das Standesamt und Ihre Beraterin. Das Standesamt registriert die Geburt des Kindes unter Ihrem Pseudonym. Ihre persönlichen Daten werden auch bei diesem Schritt geschützt.

Ihr Kind wächst in guten, liebevollen Händen auf.
Das Jugendamt nimmt Ihr Baby in Obhut und kümmert sich um einen Vormund, der die elterlichen Rechte und Pflichten übernimmt. Ihre elterliche Sorge ruht. Grundsätzlich können Sie sich noch bis zum Adoptionsbeschluss für ein Leben mit dem Kind entscheiden. Wenn Sie sich nicht in der Lage sehen, mit dem Kind zu leben, wächst Ihr Kind bei liebevollen Adoptiveltern auf. Um den Kontakt mit den zuständigen Behörden kümmert sich Ihre Beraterin.

Sie können sich auch für ein Leben mit Ihrem Kind entscheiden.
Erscheint Ihnen Ihre Situation momentan auch ausweglos – die vertrauliche Geburt gibt Ihnen ausreichend Zeit, sich auch später noch für ein Leben mit Ihrem Kind zu entscheiden. Bis das Adoptionsverfahren abgeschlossen ist – erfahrungsgemäß nach ca. einem Jahr – haben Sie Zeit, sich auch für ein Leben mit Ihrem Kind zu entscheiden. Dazu müssen Sie Ihre Anonymität aufgeben. Zudem muss Ihre Mutterschaft zweifelsfrei feststehen. Das Familiengericht entscheidet unter Berücksichtigung des Kindeswohles. Ihre Beraterin unterstützt Sie dabei, das Leben mit dem Kind zu meistern.

Mit 16 Jahren hat das Kind die Möglichkeit, seine Herkunft zu erfahren.
Menschen möchten gerne erfahren, woher sie kommen. Zu wissen, wer die Eltern sind, kann für ein zufriedenes Leben sehr wichtig sein. Eine vertrauliche Geburt wahrt dieses Grundrecht. Ihre hinterlegten persönlichen Daten kann ausschließlich Ihr Kind nach seinem 16. Geburtstag einsehen.

In besonderen Fällen bleiben Sie dauerhaft anonym.
Sie können Ihre Identität auch nach dem 16. Lebensjahr Ihres Kindes schützen, wenn Ihr Leben, Ihre Gesundheit oder persönliche Freiheit bedroht sind. Dann können Sie der Einsicht in Ihre Daten ab dem 15. Lebensjahr des Kindes widersprechen.


Fragen und Antworten rund um die vertrauliche Geburt

Wo finde ich Hilfe? Bleibe ich sicher anonym? Was passiert mit meinem Baby? Durch Ihren Kopf gehen bestimmt viele Fragen. Antworten auf die wichtigsten Fragen haben wir für Sie zusammengestellt.

Rat und Hilfe vor der Geburt

Wer kann eine vertrauliche Geburt in Anspruch nehmen?

Ich stehe kurz vor der Geburt. Wo finde ich Hilfe?

 

Anonymität, Vertraulichkeit und Schutz

Wird wirklich niemand wissen, wer ich bin?

Kann ich sicher sein, dass mein Geheimnis nicht verraten wird?

Ich wohne in einer kleinen Stadt und habe Angst, erkannt zu werden. Was kann ich tun?

Warum darf mein Kind nach 16 Jahren erfahren, wer ich bin?

Kann ich auch nach 16 Jahren anonym bleiben?

 

Rund um die Geburt

Warum soll ich mich für eine vertrauliche Geburt entscheiden?

Wo finde ich eine Klinik, die eine vertrauliche Geburt anbietet?

Muss ich in einer Klinik entbinden?

Ist eine vertrauliche Geburt legal?

Muss ich Beratung, Geburt und Behandlung bezahlen?

Was passiert, wenn ich mich gegen eine vertrauliche Geburt entscheide?

 

Leben mit oder ohne Kind

Was passiert mit meinem Kind?

Und wenn ich mein Baby doch großziehen möchte?

Was passiert nach der Entbindung?

Ich habe bereits ein Kind. Kann es passieren, dass mir das Sorgerecht für dieses Kind entzogen wird, wenn ich mich für eine vertrauliche Geburt entscheide?


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 30.06.2020