Der berufstätige Vater

Beruflichen Ansprüchen gerecht zu werden und trotzdem für die Familie da zu sein, ist eine große Herausforderung. Die Bedingungen sind nicht immer günstig, aber es gibt durchaus Möglichkeiten, sie zu beeinflussen.

Wie teilen wir uns die Arbeit auf?

© BZgA/HN/Eichhöfer

Elternsein auf befriedigende Weise mit beruflichem Erfolg und ausreichendem Einkommen zu vereinbaren, ist nicht einfach. Männern wie Frauen stellt sich zunächst einmal die Frage, wie sie sich ihr Elternsein vorstellen: Wie viel Zeit will ich mit Kind und Familie verbringen? Wie viel Hausarbeit will und kann ich übernehmen? Wie wichtig ist mir der Erfolg im Beruf und wie viel berufliches Engagement ist dazu notwendig?

Die meisten Mütter und Väter wünschen sich eine partnerschaftliche Arbeitsteilung und klären diese Fragen oft schon vor oder während der Schwangerschaft gemeinsam. Denn beide haben ihre Vorstellungen, wie sie Kind, Beruf und Haushalt vereinbaren möchten. Es gibt viele Möglichkeiten, Familien- und Erwerbsarbeit untereinander aufzuteilen. In der Praxis sieht es aber oft so aus: Frauen mit minderjährigen Kindern sind meist deutlich weniger als 40 Stunden in der Woche erwerbstätig. Väter arbeiten dagegen oft mehr als 40 Stunden in der Woche, nicht wenige sogar mehr als 50 Stunden.

„Frag die Mama!“

Ein Vater, der morgens um sieben die Wohnung verlässt und abends nach sieben Uhr zurückkehrt, wird von seinen Kindern vermisst. Vielleicht wird er auch heiß begehrt, weil sie ihn kaum zu Gesicht bekommen. Wenn es aber darum geht, wo das Pflaster für das aufgeschlagene Knie zu finden ist, was das Kind anziehen soll und wo die beste Freundin wohnt, wird er möglicherweise überfragt sein. „Frag die Mama!“, heißt es dann.

Väter, die sich vor allem auf die Erwerbsarbeit konzentrieren, versuchen dann oft, am Wochenende mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Trotzdem bleibt ihr Verhältnis zu den Kindern nicht selten weniger vertraut als das der Mütter, denn die großen und kleinen Freuden und Dramen im Alltag der Kinder kennen sie nur aus zweiter Hand.

Wer auf eine Arbeit setzt, die grundsätzlich 50 oder 60 Wochenstunden außer Haus erfordert, kann seinen Kindern kaum ein erreichbarer Vater sein. Manchmal bedauern diese Väter später, dass sie die ersten Jahre ihrer Kinder im Grunde verpasst haben.

Väter in Elternzeit – für alle ein Gewinn

Die meisten Väter wünschen sich heute, nicht nur ein „Feierabend-Papa“, sondern auch im Alltag für ihr Kind da zu sein. Das zeigt sich auch daran, dass immer mehr Väter in Elternzeit gehen. Obwohl die meisten von ihnen nur die beiden Partnermonate in Anspruch nehmen, ist diese Zeit doch für alle ein Gewinn. Denn sie gibt Vätern die Chance, viel Zeit mit ihrem Kind zu verbringen, es besser kennenzulernen und eine ganz besondere Bindung zu ihm aufzubauen.

Väter in Elternzeit bekommen oft auch einen anderen Bezug zu Hausarbeit und Kinderbetreuung und eignen sich Fähigkeiten an, die für die routinierte Erledigung der häuslichen Aufgaben nötig sind. Das gilt besonders dann, wenn nicht beide Eltern gleichzeitig in Elternzeit gehen, sondern der Vater wirklich für einige Zeit zu Hause die Hauptverantwortung trägt. Solche Väter beteiligen sich auch nach der Elternzeit stärker an der Betreuung und Hausarbeit als andere.

Männer haben oft die höher dotierten Jobs. Schränkt der Vater seine Erwerbsarbeit ein, sind die finanziellen Einbußen für die Familie daher häufig größer, als wenn die Frau ihre Arbeitszeit reduziert. Wenn Männer Elternzeit beantragen oder eine Teilzeitstelle wünschen, reagieren Vorgesetzte außerdem nicht immer begeistert. Ein engagierter Vater zu sein, kann der Karriere schaden. Aber: Das ist keinesfalls immer so.

Zunehmend bieten Betriebe familienfreundliche Arbeitsbedingungen an, denn sie haben verstanden, dass ihnen dies auch wirtschaftliche Vorteile bringen kann. In vielen Fällen kann der Betriebs- oder Personalrat in Sachen Elternzeit und väterfreundliche Arbeitszeiten unterstützen.

Partnerschaftliche Arbeitsteilung: ein zukunftsträchtiges Modell

In Vollzeit arbeitende Väter haben meist eine Partnerin, die ihnen den Alltag mit Kindern und Haushalt weitgehend abnimmt. Dazu sind jedoch immer weniger Frauen bereit. Zudem sind viele Familien auf ein zweites Einkommen angewiesen. Das zukunftsträchtigste Modell lautet daher: gleiche Berufschancen und gleiche Familienkompetenzen.

Besprechen Sie mit Ihrer Partnerin, welche Rahmenbedingungen sich aus ihrer jeweiligen beruflichen Tätigkeit ergeben und welche Vorstellungen und Wünsche Sie beide zur Organisation des Familienlebens nach der Geburt des Kindes haben. Auf dieser Grundlage gilt es dann, gemeinsam Lösungen für die Organisation des Familienalltags zu finden. Und bedenken Sie: Berufliche Anforderungen und persönliche Wünsche können sich ändern – deshalb braucht es möglicherweise immer wieder neue Lösungen.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14.03.2019