Verhütung nach der Geburt

Um eine erneute Schwangerschaft kurz nach der Geburt auszuschließen, möchten viele Paare möglichst bald wieder verhüten. Während der Stillzeit sollte die Verhütungsmethode besonders sorgfältig gewählt werden.

Ab wann muss wieder verhütet werden?

Paar mit Baby im Bett © plainpicture/Westend61/Mareen Fischinger
© plainpicture/Westend61/Mareen Fischinger

Es ist sehr unterschiedlich, wann Frauen und Paare nach einer Geburt wieder Lust auf Sex haben. Das kann relativ schnell passieren, es kann aber auch viele Monate dauern. Danach richtet sich der Verhütungsbedarf. 

Bei Frauen, die nicht oder nur kurz stillen, kommt es etwa vier bis sechs Wochen nach der Geburt zum ersten Eisprung. Ab diesem Moment können sie wieder schwanger werden.

Wenn Sie Geschlechtsverkehr haben möchten, sollten Sie deshalb drei bis vier Wochen nach der Geburt damit beginnen, aktiv zu verhüten. 

Wenn Sie stillen, haben Sie unter bestimmten Voraussetzungen einen hohen natürlichen Empfängnisschutz. Möchten Sie zusätzlich verhüten, sollten Sie die Methode sorgfältig auswählen.

Anforderungen an die Verhütung in der Stillzeit

Nicht jedes Verhütungsmittel ist für die Zeit nach der Geburt geeignet. Vor allem während der Stillzeit gelten besondere Anforderungen an eine zuverlässige Verhütungsmethode: Sie darf weder die Gesundheit des Babys oder der Mutter noch die Milchbildung und -qualität beeinträchtigen. Ein Beratungsgespräch mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt kann helfen, die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden abzuwägen. Es ist gut möglich, dass Sie sich während der Stillzeit für ein Verhütungsmittel entscheiden, danach aber für ein ganz anderes.

Verhütung durch Stillen?

Bei jedem Stillen wird das Hormon Prolaktin ausgeschüttet. Es regt die Milchproduktion an und hemmt zugleich die Aktivität der Eierstöcke, sodass für eine gewisse Zeit kein Eisprung stattfindet. Das Stillen kann daher einen hohen Empfängnisschutz bieten, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen:

  • Sie müssen voll stillen, das heißt rund um die Uhr mindestens sechsmal innerhalb von 24 Stunden, insgesamt mindestens 80 Minuten täglich.
  • Sie dürfen nicht zufüttern.
  • Sie hatten noch keine Monatsblutung (der Wochenfluss zählt nicht).

Werden diese Regeln eingehalten, schützt Stillen zuverlässig vor einer Schwangerschaft (Versagerrate 0,2 bis 2 Prozent in sechs Monaten).

Wenn die Stillpausen zu lang sind oder zugefüttert wird (wodurch eine Brustmahlzeit weg- oder zu gering ausfällt), sinkt der Prolaktin-Spiegel zu weit ab. Dann reicht er zur Verhütung nicht mehr aus. Das Stillen kann daher nicht als absolut sicherer Empfängnisschutz gelten. Spätestens, wenn die erste Regelblutung einsetzt oder das Baby sechs Monate alt ist, muss wieder verhütet werden. Frauen, die großen Wert auf einen hohen Empfängnisschutz legen, können natürlich auch schon vorher mit der Verhütung beginnen. Gut geeignet sind Barrieremethoden, hormonelle Verhütungsmittel mit Gestagen oder die Spirale

Barrieremethoden

Barrieremethoden wie das Kondom und das Diaphragma eignen sich gut in der Stillzeit, weil sie die Milchproduktion und die Gesundheit des Säuglings nicht beeinflussen.

Sitz und Größe eines Diaphragmas, das bereits vor der Geburt verwendet wurde, sollten nach der Geburt von einer Ärztin, einem Arzt oder von dafür ausgebildeten Beraterinnen überprüft werden. Aufgrund der körperlichen Veränderungen passt es oft nicht mehr. Diese Kontrolle ist aber erst ungefähr drei Monaten nach der Geburt möglich, wenn sich der Beckenboden ausreichend zurückgebildet hat. Auch ein neues Diaphragma kann erst etwa drei Monate nach der Geburt angepasst werden.

Pille und Minipille

Während der Stillzeit können nicht alle Pillenpräparate eingenommen werden. So ist die Kombi-Pille  ungeeignet, weil die darin enthaltenen Östrogene die Milchproduktion verringern können. Bei Frauen, die nicht stillen, spricht hingegen nichts gegen die Verhütung mit kombinierten Hormonen. Sie können damit beginnen, wenn wieder Verhütungsbedarf besteht, aber frühestens drei Wochen nach der Geburt, weil in der ersten Zeit des Wochenbetts das Thromboserisiko erhöht ist.

Die sogenannte Minipille enthält nur das Hormon Gestagen, das zudem niedriger dosiert ist als bei der Kombinationspille. Die Minipille wirkt sich deshalb nicht negativ auf die Milchproduktion aus. Da die Minipille somit auch in der Stillzeit eingenommen werden kann, wird sie umgangssprachlich manchmal auch als „Stillpille“ bezeichnet. Stillende Frauen können frühestens sechs Wochen nach der Geburt mit der Anwendung beginnen, nicht stillende Frauen jederzeit, wenn wieder Verhütungsbedarf besteht.

 

 


Spirale

Spiralen können während der Stillzeit verwendet werden. Sie haben keinen Einfluss auf die Milchproduktion und die Gesundheit des Babys. Eine Spirale sollte jedoch erst nach vollständiger Rückbildung der Gebärmutter, das heißt frühestens sechs Wochen nach der Geburt eingelegt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass sie wieder ausgestoßen wird. 

Auch die Hormonspirale eignet sich während der Stillzeit, da sie wie die Minipille ausschließlich Gestagen enthält.

Natürliche Methoden

Frauen, die noch keine Erfahrungen mit der Natürlichen Familienplanung haben, sollten in der Stillzeit nicht damit beginnen. Zu unklar ist, wann sich der Zyklus normalisiert und die fruchtbaren Tage wieder einstellen. Wenn Sie schon viel Erfahrung mit diesen Methoden gesammelt haben und fühlen sich in der Anwendung sicher fühlen, können Sie auch weiterhin auf diese Art verhüten. Für die Beobachtung und Auswertung der Körperzeichen gelten in der Stillzeit aber besondere Regeln. Lassen Sie sich dazu beraten.

Hormonimplantat

Nach den bisherigen – allerdings verhältnismäßig wenigen – Erfahrungen kann das Hormonimplantat in der Stillzeit verwendet werden. Wie die Minipille und die Hormonspirale enthält es ausschließlich Gestagen. Davon gehen nur geringe Mengen in die Muttermilch über, deren Qualität und Produktion dadurch nicht beeinflusst wird.

Wird gestillt, sollte das Implantat frühestens vier Wochen nach der Geburt eingesetzt werden. Ratsam ist zudem, in den ersten sieben Tagen nach Einlage des Stäbchens zusätzlich mit einer Barrieremethode (z. B. einem Kondom) zu verhüten.

Wenn nicht gestillt wird, kann das Implantat schon zwischen dem 21. und 28. Tag nach der Geburt eingesetzt werden. In diesem Fall ist kein zusätzlicher Empfängnisschutz erforderlich. Wird es später eingesetzt, sollte für sieben Tage nach dem Einlegen zusätzlich mit einer Barriere-Methode verhütet werden.

Dreimonatsspritze

Auch die Dreimonatsspritze enthält nur Gestagen und kommt daher grundsätzlich auch in der Stillzeit infrage. Viele Frauen vertragen die Spritze jedoch wegen einer Reihe von Nebenwirkungen nicht. Die Dreimonatsspritze dürfen stillende Mütter erst frühestens sechs Wochen nach der Geburt erhalten.

Vaginalring und Verhütungspflaster

Der Vaginalring sollte während der Stillzeit nicht angewendet werden. Wie bei den östrogenhaltigen Pillenpräparaten werden Hormone freigesetzt, die die Milchproduktion hemmen und vom Baby über die Muttermilch aufgenommen werden können.

Auch das Verhütungspflaster ist ein Kombinationspräparat aus Östrogen und Gestagen und deshalb in der Stillzeit ungeeignet.

Nur im Notfall: Die Pille danach

Im Fall einer Verhütungspanne kann die „Pille danach“ als Notfallmittel auch in der Stillzeit eingenommen werden. Da die Wirkstoffe Levonorgestrel, beziehungsweise Ulipristal aber in die Muttermilch übertreten, wird empfohlen, Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel nach Möglichkeit unmittelbar nach dem Stillen einzunehmen. Danach sollte eine Stillpause von mindestens acht Stunden eingehalten werden.

Nach der Einnahme des Präparats mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat wird empfohlen, mit dem Stillen mindestens eine Woche auszusetzen. In dieser Zeit ist es sinnvoll, die Muttermilch abzupumpen, um die Milchbildung aufrechtzuerhalten. Die abgepumpte Milch muss weggeschüttet werden.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 28.02.2018