Ohne Partner durch die Schwangerschaft

Ob ungewollt oder bewusst so entschieden – wer ohne Partner ein Kind bekommt, geht oft keinen leichten Weg. Aber es gibt viele Möglichkeiten der Unterstützung.

Vielfältige Gründe

Mutter sitzt mit ihrem Kind am Tisch © Corbis Images
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Die Gründe, warum schwangere Frauen ohne Partner sind, sind ganz unterschiedlich. Vielleicht hat sich die Beziehung im Laufe der Schwangerschaft als nicht tragfähig erwiesen – trotz oder gerade wegen der Schwangerschaft. Vielleicht ist das Kind aus einem nur kurzfristigen Kontakt entstanden. Manchmal hat eine Frau ihren Partner auf tragische Weise in der Schwangerschaft verloren. Oder eine Frau entscheidet sich ganz bewusst für ein Kind ohne Partner.

Bei alledem müssen oft sehr unterschiedliche Gefühle bewältigt werden: Trauer, Wut, (Selbst-)Zweifel, Enttäuschung, Angst – aber auch Freude über die Schwangerschaft und das Kind. Manchen erscheint ihre Situation vielleicht wie eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Andere spüren auch neue Kräfte in sich.

Ohne Partner, aber nicht allein

Gemeinsam ist all diesen Frauen, dass sie ohne Partner durch eine sehr intensive Zeit gehen und sich Herausforderungen stellen, die andere zu zweit meistern. Ohne Partner zu sein, bedeutet aber nicht unbedingt, „allein zu sein“, auch wenn es sich zeitweilig so anfühlen mag.

Frauen, die ohne Partner schwanger waren, berichten oft, dass sie schon während der Schwangerschaft und auch danach sehr viel Unterstützung und Begleitung erfahren haben: durch die eigenen Eltern, die gar nicht so ablehnend reagiert haben wie zunächst befürchtet; durch Freundinnen, die sie zu den Vorsorgeuntersuchungen begleitet und sich über jeden Entwicklungsschritt des Babys mitgefreut haben; durch Frauen in der gleichen Situation, die sie über das Internet kennengelernt haben; durch eine Hebamme oder Ärztin, die sie verständnisvoll durch die Schwangerschaft begleitet hat und für ihre Fragen da war.

Auch Schwangerschaftsberatungsstellen sind wichtige Ansprechpartner für vielerlei Fragen und Nöte. Sie wissen über Unterstützungsangebote und staatliche Leistungen Bescheid und helfen beispielsweise, bei der „Bundesstiftung Mutter und Kind“ einen Antrag auf finanzielle Hilfen oder Sachleistungen zu stellen. Wenn Frauen in der Schwangerschaft eine schwierige Trennung erleben oder psychische Probleme haben, können psychologische Fachleute in den Beratungsstellen weiterhelfen oder an geeignete Therapeutinnen oder Therapeuten vermitteln. Schwangerschaftsberatungsstellen begleiten Mutter und Kind auch über die Geburt hinaus, wenn die Mutter das möchte.

In jedem Fall gilt: Aktiv ein Netzwerk aus privaten und professionellen Unterstützerinnen und Unterstützern aufzubauen, ist der beste Weg, nicht auf sich allein gestellt zu sein.

Planung gibt Sicherheit

In fast jeder Schwangerschaft gibt es Momente, in denen einen Zweifel und Ängste beschleichen. Werde ich das alles schaffen? Wird das Geld reichen? Werde ich das Kind genug lieben können? Vielen Frauen, die allein eine Familie gegründet haben, hat es geholfen, in der Schwangerschaft ihr Leben aktiv in die Hand zu nehmen. Schon früh die Zeit nach der Geburt zu organisieren und zu planen, Hilfen zu beantragen und offene Fragen zu klären, entlastet einen nicht nur in der ersten Zeit mit dem Baby. Es gibt auch Zuversicht: Probleme lassen sich lösen, Hindernisse aus dem Weg räumen. Ich schaffe das mit dem Kind!

Die wichtigsten Fragen, die zu klären sind:

  • Wo werden wir wohnen?
  • Wann möchte/muss ich wieder erwerbstätig sein oder meine Ausbildung fortsetzen, und welche Betreuungsmöglichkeiten gibt es dann für mein Kind? 
  • Hat das Kind/habe ich Anspruch auf Unterhalt? Welche staatliche Unterstützung gibt es für uns? 
  • Welche Rolle wird der (werdende) Vater des Kindes spielen? Was ist in Bezug auf die Anerkennung der Vaterschaft und das Sorgerecht zu beachten?
  • Wer kann uns im Alltag unterstützen – etwa als Babysitter einspringen, wenn ich krank bin, oder später das Kind auch mal von der Kita abholen?

Hilfe bei der Planung

Ein wichtiger Ansprechpartner für Alleinerziehende – auch schon vor der Geburt – ist in all diesen Fragen der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV). Der Bundesverband bietet in seinen Broschüren und auf seinen Internetseiten alle wichtigen Informationen für Alleinerziehende, besonders zu rechtlichen und finanziellen Fragen. Die Geschäftsstellen der Landesverbände des VAMV vermitteln alleinstehenden Schwangeren Adressen und Kontakte zu Beratungsangeboten vor Ort.

Unsere Checklisten „Organisatorisches in der Schwangerschaft“ und „Behördengänge nach der Geburt“ können ebenfalls helfen, die Zeit bis zur Geburt und danach zu planen. Sie geben Auskunft darüber, was wann zu erledigen ist und wer die Ansprechpartner dafür sind. Über die wichtigsten Schritte rund um Sorgerecht und Unterhalt informiert unsere Checkliste „Sorgerecht und Unterhalt“.

Spezielle Angebote

Wenn man ohne Partner durch die Schwangerschaft geht, ist das „Paarglück“ der anderen vielleicht manchmal schwer zu ertragen. Viele Frauen empfinden es deshalb als entlastend und schön, Kontakte zu anderen Frauen zu haben, die in derselben Situation sind. Das Internet bietet hier viele Möglichkeiten, regional und überregional Kontakte zu knüpfen.

In größeren Städten werden manchmal auch spezielle Geburtsvorbereitungskurse für alleinstehende Schwangere angeboten. Die Landesverbände und Ortsgruppen des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) sowie Schwangerschaftsberatungsstellen informieren über solche Angebote. Mancherorts gibt es auch Treffs oder Elterncafés des VAMV speziell für Schwangere und/oder Alleinerziehende mit Babys.

Der Umgang mit dem Vater – in der Schwangerschaft und danach

Kinder haben ein Recht auf Umgang mit jedem Elternteil – und jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind berechtigt und verpflichtet. So steht es im Gesetz. In der Praxis gibt es für den Umgang mit dem (werdenden) Vater des Kindes kein Patentrezept. Manche werdenden Väter sind von Anfang an bereit, die Verantwortung für das Kind gemeinsam mit der Mutter zu tragen – auch wenn sie nicht mit ihr zusammen sind. Andere brauchen vielleicht Zeit, um sich an den Gedanken zu gewöhnen, und finden erst nach der Geburt Zugang zu ihrem Kind. Wieder andere leugnen oder ignorieren die Vaterschaft und wollen mit Mutter und Kind nichts zu tun haben. Oder die Mutter möchte keinen Kontakt.

Eines ist jedoch sicher: Hat man ein gemeinsames Kind, bleibt man ein Leben lang Eltern dieses Kindes. Deshalb sollte man nach Kräften versuchen, Lösungen zum Wohl des Kindes zu finden. Da bei Trennungen verletzte Gefühle eine große Rolle spielen, ist oft die Vermittlung durch Dritte notwendig. Hilfe und Beratung werden vom Jugendamt und einer Vielzahl weiterer Träger angeboten. Sie können helfen, herauszufinden, wie Eltern, die kein Paar (mehr) sind, die Verantwortung für das Kind gemeinsam übernehmen können. Auch Sorgerechts- und Unterhaltsfragen können dort in einer sachlichen Atmosphäre besprochen und entschieden werden. Informationen zu Beratungsangeboten geben die kommunalen Jugendämter.

Unterhalt für das Kind

Auch wenn der werdende Vater jeden Kontakt zu Mutter und Kind ablehnen sollte oder die Mutter keinen Kontakt möchte, gilt: Das Kind hat Unterhaltsansprüche gegenüber seinem Vater. Dafür muss allerdings die Vaterschaft offiziell anerkannt oder gerichtlich festgestellt werden. Umgekehrt ist eine anerkannte Vaterschaft die Voraussetzung dafür, dass der Vater sein Kind sehen darf. Die sogenannte Beistandschaft beim Jugendamt hilft, zu klären, welche Unterhaltsansprüche bestehen und was der richtige Weg sein könnte, um sie durchzusetzen. Die Beistandschaft versteht sich als eine Art Anwalt für das Kind.

Ist der Vater nicht imstande oder nicht gewillt, Unterhalt zu zahlen, besteht ein Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Er kann bei der Unterhaltsvorschusskasse des Jugendamtes beantragt werden.

Herausforderung Alltag

Beinahe jede fünfte Familie in Deutschland ist eine sogenannte „Einelternfamilie“. Das bedeutet, das Kind wächst in einem Haushalt mit nur einem Elternteil auf. Einelternfamilien leben oft einen Alltag unter erschwerten Bedingungen. Denn die Betreuung und Versorgung des Kindes liegt meist auf den Schultern nur einer Person, die noch dazu für die materielle Versorgung der Familie zuständig ist. Deshalb sind Einelternfamilien häufiger als andere Familienformen in einer finanziell schwierigen Situation.

Nicht alle Fragen und Probleme lassen sich schon in der Schwangerschaft lösen, aber es ist sinnvoll, sich möglichst frühzeitig zu informieren: zum Beispiel über Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder, über Möglichkeiten der Teilzeitarbeit oder der Berufsausbildung in Teilzeit oder über Wohn- und Lebensformen, die helfen können, Familie und Beruf gut zu vereinbaren. Informationen und die richtige Unterstützung helfen dabei, Strategien zu entwickeln, um die Herausforderungen des Alltags als alleinerziehende Mutter zu bewältigen.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.01.2017