Es gibt viele verschiedene Pillensorten. Sie enthalten fast alle die beiden weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen. Die neueren Pillen enthalten teils niedrigere Hormonmengen und andere Kombinationen als früher. Die so genannten Mikropillen zeichnen sich durch besonders niedrige Östrogenmengen aus. So sollen Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen reduziert werden.
Wirkung und Anwendung
Die Hormone in der Pille haben eine dreifache Wirkung. Zum einen hemmen sie die Eizellenreifung und damit den Eisprung. Der gesamte Zyklus der Frau besteht infolgedessen aus unfruchtbaren Tagen. Dadurch kann es nicht zu einer Befruchtung kommen. Außerdem verändern die Hormone den Schleim im Gebärmutterhalskanal, so dass die Samen nicht in die Gebärmutter eindringen können. Auch wird die Gebärmutterschleimhaut nur ungenügend aufgebaut, so dass sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten kann. Die Pillenpräparate unterscheiden sich nach der Menge der Hormone und der Art des Einnahmeschemas.
Einphasenpillen
In den Einphasenpillen ist in jedem Dragee die gleiche Menge Östrogen und Gestagen in der gleichen Zusammensetzung enthalten. Dabei wird 21 oder 22 Tage lang täglich eine Pille eingenommen. Dann wird die Einnahme für sieben, beziehungsweise sechs Tage unterbrochen. Während dieser Unterbrechung setzt eine Blutung ein, weil dem Körper keine Hormone mehr zugeführt werden. Die Blutung infolge des Einnahmestopps wird deshalb auch als Abbruchblutung oder Hormonentzugsblutung bezeichnet. Bei manchen Einphasenpillen befinden sich 28 Dragees in einer Packung, wobei die Pillen der letzten sechs oder sieben Tage keine Wirkstoffe mehr enthalten. Sie dienen nur dazu, Einnahmefehler zu vermeiden. Hier wird die Pille also ohne Pause eingenommen. Die Blutung tritt während der Einnahme der wirkungsfreien Dragees ein.
Seit dem 1. September 2008 gibt es ein Präparat mit einem anderen Einnahmemodus. Als einzige Pille wird die Marke „YAZ“ in einem „24 und vier“-Rhythmus eingenommen. Nach der Einnahme von 24 hormonhaltigen Pillen erfolgt die Einnahme von vier hormonfreien Pillen. Sodann wird die Einnahme mit einer neuen Packung fortgesetzt.
Zwei- und Dreiphasenpillen
Diese Pillenpräparate haben meist für die erste und zweite Zyklushälfte unterschiedlich dosierte Hormondragees in einer Packung. Durch die unterschiedliche Zusammensetzung von Gestagen und Östrogen in einer Pillenpackung soll eine ungefähre Anpassung an den weiblichen Zyklus erreicht werden. Werden die Pillen nicht in der richtigen Reihenfolge eingenommen, ist die Sicherheit beeinträchtigt.
Die Sicherheit
Es ist üblich, die Pille bei Neubeginn schon vom ersten Zyklustag an zu nehmen. Sie verhütet dann vom ersten Tag der Einnahme an nahezu hundertprozentig. Auch während der einwöchigen Pause, in der es zur Blutung kommt, schützt sie sicher. Selbst wenn einmal eine Tablette vergessen wurde, besteht keine Gefahr – wenn die Einnahme innerhalb von zwölf Stunden nachgeholt wird. Die Pilleneinnahme sollte dann wie gewohnt fortgesetzt werden. Allerdings darf das nicht öfter hintereinander passieren; sonst ist der Empfängnisschutz nicht mehr gewährleistet. In solchen Fällen sollte unbedingt sieben Tage lang – bis die Hormonkonzentration im Körper wieder eine empfängnisverhütende Wirkung aufweist - ein zusätzlicher Schutz verwendet werden. Hier eignen sich am besten Barrieremethoden wie ein Kondom oder das Diaphragma.
Probleme mit der Sicherheit können auch dann auftreten, wenn eine Frau bestimmte Medikamente einnimmt. Dies gilt für Abführmittel, Antibiotika, Schmerz- oder Beruhigungsmittel (auch Johanniskraut!), entzündungshemmende Mittel etc. Es empfiehlt sich, während der Einnahme derartiger Präparate und sieben Tage darüber hinaus ein zusätzliches Verhütungsmittel (zum Beispiel Kondome) zu benutzen. Auch Magen- und Darmprobleme wie Durchfall und Erbrechen können den Empfängnisschutz gefährden und eine zusätzliche Verhütung erforderlich machen.
Pillenpause: Nicht empfehlenswert
Eine Pillenpause, in der man sich versichert, dass der natürliche Zyklus funktioniert, wird heute nicht mehr empfohlen. Das bringt den Hormonhaushalt unnötig durcheinander. Auch nach längerer Einnahme kann sich nach Absetzen der Pille problemlos eine Schwangerschaft einstellen. Manchmal kann es jedoch bis zu einem halben Jahr dauern, bis sich der natürliche Rhythmus wieder normalisiert hat und ein Eisprung stattfindet.
Die Vorteile
Mit der Pille kann eine Frau sich weitgehend sicher fühlen. Sie braucht sich um die Verhütung einer Schwangerschaft kaum zu sorgen. Die Pille ist besonders für Mädchen und junge Frauen geeignet, die auf keinen Fall schwanger werden wollen. Die monatliche Blutung ist in der Regel etwas schwächer und kürzer als die natürliche. Bei vielen Mädchen und Frauen verbessert sich unreine Haut. Außerdem soll manchen wissenschaftlichen Studien zufolge die Pille vor bestimmten Krebsarten, wie zum Beispiel Gebärmutter- und Eierstockkrebs schützen.
Frauen über 35 können nach ärztlicher Absprache ebenfalls mit der Pille verhüten, sofern sie gesund sind, sich ausreichend bewegen, nicht rauchen und möglichst niedrig dosierte Pillenpräparate einnehmen.
Die Nachteile
Zwar ist die Pille laufend verbessert worden, doch ist sie nach wie vor nicht frei von Nebenwirkungen und unerwünschten Begleiterscheinungen. Dazu gehören Übelkeit mit Erbrechen, Gewichtszunahme, sexuelle Lustlosigkeit, Zwischenblutungen, Stimmungsschwankungen oder Spannungsgefühl in den Brüsten. Bei der Mikropille kommt es bei erstmaliger Anwendung in den ersten Monaten gelegentlich zu Schmierblutungen.
Auch empfinden es manche Frauen als Nachteil, dass sie jeden Tag an die Einnahme der Pille denken müssen. In der ersten Zeit der Einnahme muss sich der Körper erst an die Hormone gewöhnen. Bei neueren niedrig dosierten Präparaten kann es anfangs zu Zwischenblutungen kommen. Sie beeinträchtigen die Sicherheit jedoch nicht und sind meist nach ein bis zwei Monaten wieder verschwunden.
Gelegentlich klagen Frauen über vermehrte Pilzinfektionen und Gewichtszunahme bei Einnahme der Pille. Darüber wie auch über andere Unregelmäßigkeiten sollte die Ärztin / der Arzt informiert werden. Manchmal hilft es schon, das Präparat zu wechseln. Von einem spontanen Absetzen der Pille ist jedoch abzuraten, da dies ohne zusätzlichen Verhütungsschutz zu einer ungewollten Schwangerschaft führen kann.
Besondere Risiken
In Ausnahmefällen kann die Einnahme der Pille auch mit schwerwiegenden Risiken verbunden sein. Bei früher und/oder langer Pilleneinnahme kann sich zum Beispiel das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöhen. Bei allen Pillen besteht insbesondere im ersten Jahr der Anwendung ein leicht erhöhtes Risiko für Thrombosen und Embolien. Die Höhe des Thromboserisikos hängt ab von der Menge des Östrogens und der Art des Gestagens in der Pille. Die folgenden Zahlen gelten für Mikropillen, die weniger als 50 Mikrogramm Ethinylestradiol pro Tablette enthalten:
- Frauen, die keine Pille nehmen: fünf bis 10 Fälle pro 100.000 Frauen pro Jahr.
- Frauen, die eine Levonorgestrel-haltige Pille nehmen: 20 Fälle pro 100.000 Frauen pro Jahr.
- Frauen, die eine Pille nehmen, die Desogestrel oder Gestoden enthält: 30 bis 40 Fälle pro 100.000 Frauen pro Jahr.
- Frauen, die eine Drospirenon-haltige Pille nehmen: 30 bis 40 Fälle pro 100.000 Frauen pro Jahr.
Auch kann die Pille unter Umständen gefährliche Auswirkungen auf Herz und Kreislauf haben. Die Pille darf deshalb nur von gesunden Frauen eingenommen werden und muss immer von der Ärztin/vom Arzt verschrieben werden.
Bei bestimmten Lebererkrankungen, nach Thrombosen und Embolien kommt die Verhütung mit der Pille nicht infrage. Bei Frauen, die eine Zuckerkrankheit haben, muss die Einnahme der Pille individuell geprüft werden. Das gilt auch für Frauen mit einem erhöhten Thromboserisiko. Außerdem sollten Frauen, die die Pille nehmen, auf keinen Fall rauchen.
Das richtige Präparat finden
Die Ärztin / der Arzt hilft dabei, das persönliche Risiko besser abschätzen zu können. Es empfiehlt sich ein ausführliches Gespräch, um herauszufinden, welches Präparat das richtige ist. Die Pille darf erst nach einem Gespräch und eventuell einer Voruntersuchung verschrieben werden. Außerdem ist es wichtig, die halbjährlichen Kontrollen bei der Ärztin / dem Arzt einzuhalten. In diesem Fall bestehen in der Regel keine Bedenken.
Der Beipackzettel eines Pillenpräparats sollte aufmerksam gelesen werden. Dort steht, mit welchen Nebenwirkungen bei dem entsprechenden Präparat zu rechnen ist.
Die Kosten
Je nach Präparat kostet eine Monatspackung zwischen 5 und 20 Euro. Packungen für drei oder sechs Monate sind preiswerter.
Weiterführende Informationen
- Sichergehn
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt die 76-seitige Broschüre "Sichergehn" vor. Die Broschüre informiert über verschiedene Aspekte von Verhütung bzw. Verhütungsmethoden. Sie kann bestellt oder als PDF-Dokument heruntergeladen werden.
(Recherchedatum: 04.11.2011)
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Häufig gestellte Fragen
Kann ich während der Stillzeit die Pille nehmen?
In der Stillzeit ist die herkömmlichen Kombinationspille nicht zu empfehlen. Sie ist zu hoch dosiert, so dass Hormone, wenn auch in geringen Mengen, in die Muttermilch übergehen und deren Zusammensetzung verändern. Zudem hemmt das in der Kombinationspille enthaltene Östrogen die Milchproduktion. Frauen, die stillen und dennoch mit der Pille verhüten möchten, sollten daher besser die Minipille nehmen. Diese enthält kein Östrogen und ist auch niedriger dosiert als die Kombinationspille.
Spüre ich den Beginn der Wechseljahre, wenn ich die Pille nehme?
Bei Frauen, die keine hormonelle Verhütungsmethode anwenden, sind unregelmäßige Menstruationsblutungen das deutlichste Anzeichen für den Beginn der Wechseljahre. Meist wird der Zyklus zunächst kürzer als gewöhnlich, später treten die Blutungen oft nur noch in längeren Abständen auf.
Die Pille enthält Hormone, die den natürlichen Menstruationszyklus mit Eisprung unterdrücken. Nimmt eine Frau die Pille nach dem verbreiteten Schema – drei Wochen Pilleneinnahme, eine Woche Pause –, hat sie regelmäßig alle vier Wochen eine Abbruchblutung. Insofern ist es möglich, dass sie den Beginn der Wechseljahre nicht bemerkt.
Da das Thromboserisiko für Frauen, die die Pille nehmen, mit zunehmendem Alter steigt, wird Frauen ab 40 empfohlen, auf andere Verhütungsmethoden auszuweichen.
Macht die Pille dick?
Antibabypillen, die die Hormone Östrogen und Gestagen enthalten, stehen im Verdacht, eine Gewichtszunahme zu begünstigen – weil sie angeblich den Appetit steigern, das Körperfett vermehren und Wassereinlagerungen bewirken. Viele Frauen entscheiden sich deshalb gegen Kombinationspräparate als Verhütungsmittel oder setzen die Pille wieder ab.
Eine systematische Auswertung von Studien zur Antibabypille hat jedoch keinen Nachweis gefunden, dass die Pille oder andere hormonelle Verhütungsmittel tatsächlich das Körpergewicht beeinflussen. Es zeigte sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Anwendung hormoneller Verhütungsmittel, ihrer Dosierung und einer Gewichtszunahme. Viele Menschen nehmen aber mit den Jahren ohnehin etwas zu – egal, ob sie hormonelle Verhütungsmittel anwenden oder nicht.
Erhöht die Einnahme der Pille das Brustkrebsrisiko?
Mit dieser Frage haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Studien befasst. Ihre Ergebnisse waren widersprüchlich, deshalb ist noch mehr Forschung nötig, um dies eindeutig beantworten zu können.
Nach bisherigen Erkenntnissen scheint die Pille das Brustkrebsrisiko, wenn überhaupt, nur geringfügig zu erhöhen. Möglicherweise ist dies vor allem dann der Fall, wenn die Pille bereits in sehr jungem Alter oder über einen sehr langen Zeitraum eingenommen wird.
Warum gibt es noch keine Pille für den Mann?
An der Entwicklung einer "Pille für den Mann" wird seit Jahrzehnten gearbeitet, bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Alle Versuche – ob mit Hormonen oder mit nicht-hormonellen Wirkstoffen – zielten bisher darauf ab, die Spermienproduktion oder -reifung zu unterbinden oder die Samenzellen in ihrer Beweglichkeit und Befruchtungsfähigkeit einzuschränken.
Von den unterschiedlichen Forschungsansätzen hatte eine Hormonkombination aus Gestagenen und Testosteron die bisher besten Chancen, zur Marktreife zu gelangen. Erste Studienergebnisse zeigten, dass der Wirkstoff geeignet sein könnte, die Spermienproduktion zu unterdrücken. Er wurde als jährlich zu wechselndes Implantat, ergänzt durch eine „Dreimonatsspritze“, verabreicht.
Doch im Frühjahr 2007 stellten die Pharmakonzerne Organon und Bayer Schering Pharma, die gemeinsame Forschung bis auf weiteres ein. Grund waren nach Angaben der Konzerne Befürchtungen, dass ein hormonelles Verhütungsmittel als Kombination von Implantat und Spritze von Männern zu wenig angenommen würde.
Derzeit testet die Uniklinik Münster im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer kleinen Studie eine Gestagen-Testosteron-Kombination als Verhütungsspritze für Männer. Chinesische Forschungen sind ebenfalls in der Testphase einer Spritze für den Mann.
Auch wenn sich die Präparate in absehbarer Zeit als tauglich erweisen sollten, bleibt ihre Vermarktung durch die Industrie erst einmal ungewiss.
Stimmt es, dass die Pille dem Körper eine Schwangerschaft vortäuscht?
Die meisten Antibabypillen enthalten Östrogen und Gestagen. Beide Hormone werden auch im weiblichen Körper gebildet. Normalerweise regeln sie den Monatszyklus und den Verlauf einer Schwangerschaft: Sobald es zur Befruchtung einer Eizelle gekommen ist, produziert der Körper mehr weibliche Geschlechtshormone. Sie sorgen dafür, dass sich die befruchtete Eizelle ungestört entwickeln kann. Das Östrogen verhindert die Reifung einer neuen Eizelle. Natürliches Gestagen (Progesteron) bewirkt unter anderem eine Verdickung des Schleims, der den Gebärmutterhals verschließt, damit keine Samenzellen mehr in die Gebärmutter eindringen können.
Einen ähnlichen Effekt haben auch die künstlich hergestellten Hormone in der Pille: Das Östrogen unterbindet den Eisprung, während das Gestagen den Zervixschleim verdickt. Es sorgt zudem dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut nicht vollständig aufgebaut wird. Insofern wird dem Körper mit Einnahme der Pille tatsächlich eine Schwangerschaft vorgetäuscht. Für die meisten Minipillen-Präparate gilt das allerdings nicht: Sie enthalten nur Gestagene und verhindern den Eisprung nicht.



