Die Pille

Die Pille gilt nach wie vor als sehr sicher und ist die am häufigsten verwendete Methode zur Verhütung einer Schwangerschaft. Aber sie ist auch ein Medikament und kann deshalb nicht ganz bedenkenlos eingenommen werden.

Bild zeigt eine Hand, die ein Pillenblister hält © BZgA/HauptwegNebenwege

Es gibt viele verschiedene Pillensorten. Sie enthalten fast alle die beiden weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen. Die neueren Pillen enthalten teils niedrigere Hormonmengen und andere Kombinationen als früher. Die so genannten Mikropillen zeichnen sich durch besonders niedrige Östrogenmengen aus. So sollen Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen reduziert werden.

Wirkung und Anwendung

Die Hormone in der Pille haben eine dreifache Wirkung. Zum einen hemmen sie die Eizellenreifung und damit den Eisprung. Der gesamte Zyklus der Frau besteht infolgedessen aus unfruchtbaren Tagen. Dadurch kann es nicht zu einer Befruchtung kommen. Außerdem verändern die Hormone den Schleim im Gebärmutterhalskanal, so dass die Samen nicht in die Gebärmutter eindringen können. Auch wird die Gebärmutterschleimhaut nur ungenügend aufgebaut, so dass sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten kann. Die Pillenpräparate unterscheiden sich nach der Menge der Hormone und der Art des Einnahmeschemas.

Einphasenpillen

In den Einphasenpillen ist in jedem Dragee die gleiche Menge Östrogen und Gestagen in der gleichen Zusammensetzung enthalten. Dabei wird 21 oder 22 Tage lang täglich eine Pille eingenommen. Dann wird die Einnahme für sieben, beziehungsweise sechs Tage unterbrochen. Während dieser Unterbrechung setzt eine Blutung ein, weil dem Körper keine Hormone mehr zugeführt werden. Die Blutung infolge des Einnahmestopps wird deshalb auch als Abbruchblutung oder Hormonentzugsblutung bezeichnet. Bei manchen Einphasenpillen befinden sich 28 Dragees in einer Packung, wobei die Pillen der letzten sechs oder sieben Tage keine Wirkstoffe mehr enthalten. Sie dienen nur dazu, Einnahmefehler zu vermeiden. Hier wird die Pille also ohne Pause eingenommen. Die Blutung tritt während der Einnahme der wirkungsfreien Dragees ein.

Außerdem gibt es ein Präparat mit einem „24 und 4“ Einnahmerhythmus. Nach der Einnahme von 24 hormonhaltigen Pillen erfolgt die Einnahme von vier hormonfreien Pillen. Sodann wird die Einnahme mit einer neuen Packung fortgesetzt.

 

 

Zwei- und Dreiphasenpillen

Diese Pillenpräparate haben meist für die erste und zweite Zyklushälfte unterschiedlich dosierte Hormondragees in einer Packung. Durch die unterschiedliche Zusammensetzung von Gestagen und Östrogen in einer Pillenpackung soll eine ungefähre Anpassung an den weiblichen Zyklus erreicht werden. Werden die Pillen nicht in der richtigen Reihenfolge eingenommen, ist die Sicherheit beeinträchtigt.

Sicherheit

Es ist üblich, die Pille bei Neubeginn schon vom ersten Zyklustag an zu nehmen. Sie verhütet dann vom ersten Tag der Einnahme an nahezu hundertprozentig. Auch während der einwöchigen Pause, in der es zur Blutung kommt, schützt sie sicher. Selbst wenn einmal eine Tablette vergessen wurde, besteht keine Gefahr – wenn die Einnahme innerhalb von zwölf Stunden nachgeholt wird. Die Pilleneinnahme sollte dann wie gewohnt fortgesetzt werden. Allerdings darf das nicht öfter hintereinander passieren; sonst ist der Empfängnisschutz nicht mehr gewährleistet. In solchen Fällen sollte unbedingt sieben Tage lang – bis die Hormonkonzentration im Körper wieder eine empfängnisverhütende Wirkung aufweist - ein zusätzlicher Schutz verwendet werden. Hier eignen sich am besten Barrieremethoden wie ein Kondom oder das Diaphragma.

Probleme mit der Sicherheit können auch dann auftreten, wenn eine Frau bestimmte Medikamente einnimmt. Dies gilt für Abführmittel, Antibiotika, Schmerz- oder Beruhigungsmittel (auch Johanniskraut!), entzündungshemmende Mittel etc. Es empfiehlt sich, während der Einnahme derartiger Präparate und sieben Tage darüber hinaus ein zusätzliches Verhütungsmittel (zum Beispiel Kondome) zu benutzen. Auch Magen- und Darmprobleme wie Durchfall und Erbrechen können den Empfängnisschutz gefährden und eine zusätzliche Verhütung erforderlich machen.

Pillenpause: Nicht empfehlenswert

Eine Pillenpause, in der man sich versichert, dass der natürliche Zyklus funktioniert, wird heute nicht mehr empfohlen. Das bringt den Hormonhaushalt unnötig durcheinander. Auch nach längerer Einnahme kann sich nach Absetzen der Pille problemlos eine Schwangerschaft einstellen. Manchmal kann es jedoch bis zu einem halben Jahr dauern, bis sich der natürliche Rhythmus wieder normalisiert hat und ein Eisprung stattfindet.

Vorteile

Mit der Pille kann eine Frau sich weitgehend sicher fühlen. Sie braucht sich um die Verhütung einer Schwangerschaft kaum zu sorgen. Die Pille ist besonders für Mädchen und junge Frauen geeignet, die auf keinen Fall schwanger werden wollen. Die monatliche Blutung ist in der Regel etwas schwächer und kürzer als die natürliche. Bei vielen Mädchen und Frauen verbessert sich unreine Haut. Außerdem soll manchen wissenschaftlichen Studien zufolge die Pille vor bestimmten Krebsarten, wie zum Beispiel Gebärmutter- und Eierstockkrebs schützen.

Frauen über 35 können nach ärztlicher Absprache ebenfalls mit der Pille verhüten, sofern sie gesund sind, sich ausreichend bewegen, nicht rauchen und möglichst niedrig dosierte Pillenpräparate einnehmen.

Nachteile

Zwar ist die Pille laufend verbessert worden, doch ist sie nach wie vor nicht frei von Nebenwirkungen und unerwünschten Begleiterscheinungen. Dazu gehören Übelkeit mit Erbrechen, Gewichtszunahme, sexuelle Lustlosigkeit, Zwischenblutungen, Stimmungsschwankungen oder Spannungsgefühl in den Brüsten. Bei der Mikropille kommt es bei erstmaliger Anwendung in den ersten Monaten gelegentlich zu minimalen Blutungen (umgangssprachlich auch "Schmierblutungen" genannt).

Auch empfinden es manche Frauen als Nachteil, dass sie jeden Tag an die Einnahme der Pille denken müssen. In der ersten Zeit der Einnahme muss sich der Körper erst an die Hormone gewöhnen. Bei neueren niedrig dosierten Präparaten kann es anfangs zu Zwischenblutungen kommen. Sie beeinträchtigen die Sicherheit jedoch nicht und sind meist nach ein bis zwei Monaten wieder verschwunden.

Gelegentlich klagen Frauen über vermehrte Pilzinfektionen und Gewichtszunahme bei Einnahme der Pille. Darüber wie auch über andere Unregelmäßigkeiten sollte die Ärztin / der Arzt informiert werden. Manchmal hilft es schon, das Präparat zu wechseln. Von einem spontanen Absetzen der Pille ist jedoch abzuraten, da dies ohne zusätzlichen Verhütungsschutz zu einer ungewollten Schwangerschaft führen kann.

Besondere Risiken

In Ausnahmefällen kann die Einnahme der Pille auch mit schwerwiegenden Risiken verbunden sein. Bei früher und/oder langer Pilleneinnahme kann sich zum Beispiel das Brustkrebsrisiko geringfügig erhöhen. Bei allen Pillen besteht insbesondere im ersten Jahr der Anwendung ein leicht erhöhtes Risiko für Thrombosen und Embolien. Die Höhe des Thromboserisikos hängt ab von der Menge des Östrogens und der Art des Gestagens in der Pille. Die folgenden Zahlen gelten für Mikropillen, die weniger als 50 Mikrogramm Ethinylestradiol pro Tablette enthalten:

  • Frauen, die keine Pille nehmen und nicht schwanger sind: 2 Fälle pro 10.000 Frauen pro Anwendungsjahr.
  • Frauen, die eine Levonorgestrel-haltige Pille nehmen: 5 bis 7 Fälle pro 10.000 Frauen pro Anwendungsjahr.
  • Frauen, die eine Pille nehmen, die Norgestimat oder Norethisteron enthält: 5 bis 7 Fälle pro 10.000 Frauen pro Anwendungsjahr.
  • Frauen, die eine Pille nehmen, die Desogestrel, Gestoden oder Drospirenon enthält: 9 bis 12 Fälle pro 10.000 Frauen pro Anwendungsjahr.
  • Frauen, die eine Pille nehmen mit Etonogestrel oder Norelgestromin: 6 bis 12 Fälle pro 10.000 Frauen pro Anwendungsjahr.

        Auch kann die Pille unter Umständen gefährliche Auswirkungen auf Herz und Kreislauf haben. Die Pille darf deshalb nur von gesunden Frauen eingenommen werden und muss immer von der Ärztin/vom Arzt verschrieben werden.

        Bei bestimmten Lebererkrankungen, nach Thrombosen und Embolien kommt die Verhütung mit der Pille nicht infrage. Bei Frauen, die eine Zuckerkrankheit haben, muss die Einnahme der Pille individuell geprüft werden. Das gilt auch für Frauen mit einem erhöhten Thromboserisiko. Außerdem sollten Frauen, die die Pille nehmen, auf keinen Fall rauchen.

        Kosten

        Je nach Präparat kostet eine Monatspackung zwischen 15 und 23 Euro. Packungen für drei oder sechs Monate sind preiswerter.

        Das richtige Präparat finden

        Die Ärztin / der Arzt hilft dabei, das persönliche Risiko besser abschätzen zu können. Es empfiehlt sich ein ausführliches Gespräch, um herauszufinden, welches Präparat das richtige ist. Die Pille darf erst nach einem Gespräch und eventuell einer Voruntersuchung verschrieben werden. Außerdem ist es wichtig, die halbjährlichen Kontrollen bei der Ärztin / dem Arzt einzuhalten. In diesem Fall bestehen in der Regel keine Bedenken.

        Die Gebrauchsinformation eines Pillenpräparats sollte aufmerksam gelesen werden. Dort steht, mit welchen Nebenwirkungen bei dem entsprechenden Präparat zu rechnen ist.

        Letzte Aktualisierung dieser Seite: 15.07.2016