Behandlung mit einer Samenspende

Manchmal ist eine Samenspende eine Möglichkeit, den Kinderwunsch doch noch in Erfüllung gehen zu lassen. Vor einer Behandlung mit Spendersamen ist es ratsam, sich zu psychosozialen und rechtlichen Fragen zu informieren.

Eingefrorene Spermaproben © Thinkstock

Eine Kinderwunsch-Behandlung mit Spendersamen ist als Samenübertragung (heterologe oder donogene Insemination) oder im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (IVF/ ICSI) möglich. Das Sperma des Samenspenders wird tiefgefroren von einer Samenbank bezogen.

Gründe für eine Behandlung mit einer Samenspende

Eine Übertragung von Spendersamen kommt für Paare infrage, wenn

  • der Partner unfruchtbar oder nur sehr eingeschränkt zeugungsfähig ist und
  • Verfahren der Künstlichen Befruchtung bisher keinen Erfolg hatten oder zu belastend waren,
  • bei einer humangenetischen Beratung festgestellt wird, dass der Partner eine Erbkrankheit hat, die nicht an das Kind weitergegeben werden soll.

Manche Kinderwunschzentren in Deutschland behandeln auch lesbische Paare, wenn sie in einer eingetragenen Partnerschaft leben. Die Bundesärztekammer empfiehlt allerdings, bei lesbischen und auch bei alleinstehenden Frauen keine Spendersamen-Behandlung durchzuführen. Sie argumentiert unter anderem mit dem Kindeswohl: Es sei in diesen Fällen nicht gesichert, dass das Kind eine stabile Beziehung zum Vater aufbauen könne.

Für eine Samenübertragung (Insemination) müssen die Eileiter der Frau durchgängig sein. Sind beide Eileiter verschlossen oder bleiben mehrere Inseminationen ohne Erfolg, kann der Spendersamen auch bei einer künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation/ICSI) eingesetzt werden.

Auswahl der Samenspender

In Deutschland kommen als Spender nur Männer zwischen 18 und 40 Jahren infrage. Sie müssen in hohem Maße fruchtbar sowie körperlich und geistig gesund sein. Männer, in deren Familien chronische oder bekannt vererbbare Erkrankungen wie Epilepsie, Herzfehler, Asthma, Rheuma oder psychiatrische Erkrankungen auftreten, werden als Spender nicht angenommen. Alle Samenspender werden auf Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis oder eine Chlamydien-Infektion untersucht.

Zunächst geben die Männer einige Samenproben ab, die in flüssigem Stickstoff tiefgefroren werden (Kryokonservierung). Das Sperma wird in einer Samenbank gelagert. Nach sechs Monaten werden die Spender erneut untersucht. Sind sie weiterhin frei von Infektionen, kann ihr Samen für eine Kinderwunsch-Behandlung verwendet werden.

Bei deutschen Samenbanken können Paare oder Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch einen Spender in der Regel nach Haar- und Augenfarbe, Größe, Gewicht, Bildungsstand sowie Blutgruppe aussuchen.

Die Behandlung mit einer Samenspende

Meistens überträgt die Ärztin oder der Arzt den Samen durch einen dünnen Schlauch (Katheter), den sie oder er in die Gebärmutter einführt (intrauterine Insemination). Die Behandlung geht fast immer mit einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke einher. Zum entsprechenden Zeitpunkt lösen Medikamente den Eisprung aus. Spätestens 36 Stunden danach wird die Insemination durchgeführt. Zuvor wird das tiefgefrorene Sperma aufgetaut und speziell aufbereitet. Die Insemination ist normalerweise schmerzfrei.

Wird die Samenspende im Rahmen einer künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation oder ICSI) eingesetzt, befruchten Ärztinnen und Ärzte die Eizelle außerhalb des Körpers. Das Verfahren unterscheidet sich nicht von einer IVF- oder ICSI-Behandlung mit dem Samen des eigenen Partners.

Die Behandlung mit Spendersamen wird nur in spezialisierten Arztpraxen und reproduktionsmedizinischen Zentren angeboten.

Chancen und Risiken

Die Erfolgsaussichten nach einer Behandlung mit einer Samenspende hängen insbesondere vom Alter und möglichen Fruchtbarkeitseinschränkungen der Frau ab.

Nach einer Insemination der Samenspende liegt die durchschnittliche Chance auf eine Schwangerschaft bei etwa 16 bis 19 Prozent pro Versuch. Dies gilt allerdings nur bei Frauen unter 40 Jahren und ohne erkennbare Fruchtbarkeitsstörungen. Bei Frauen, die älter sind als 40, sinkt sie merkbar ab.

Die Geburtenrate nach einer Insemination mit Spendersamen wird mit durchschnittlich etwa 14 Prozent pro Versuch angegeben. Nach einer IVF- oder ICSI-Behandlung mit Spendersamen liegt sie bei 15 bis 20 Prozent pro Behandlungszyklus und damit genauso hoch wie bei der künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation oder ICSI-Behandlung mit dem Samen des eigenen Partners.

Die medizinischen Voruntersuchungen des Spenders können nicht alle Krankheiten ausschließen. Beim ungeborenen Kind können zufällige Genmutationen körperliche oder geistige Behinderungen verursachen, oder es kann zu Krankheiten während der Schwangerschaft oder Störungen bei der Geburt kommen. Die allermeisten Kinder kommen aber gesund zur Welt: Die Risiken sind ähnlich niedrig wie bei Paaren, die ohne medizinische Hilfe Eltern werden.

Eine Hormonstimulation im Vorfeld der Behandlung kann körperlich belastend und mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. In seltenen Fällen führt sie zum sogenannten Überstimulationssyndrom, bei dem der Körper der Frau auf die Hormonpräparate „überreagiert“. Es können dann Bauchschmerzen, Übelkeit, Spannungsgefühle im Bauch sowie Kurzatmigkeit auftreten. In seltenen schweren Fällen ist eine Klinikbehandlung notwendig. 

Reifen durch die Stimulation mehrere Eibläschen heran, erhöht sich außerdem die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft. Sie bringt für eine Schwangere eine deutlich höhere körperliche Beanspruchung mit sich. Auch das Risiko von vorzeitigen Wehen und Frühgeburten ist bei Mehrlingen deutlich erhöht.

Psychosoziale und rechtliche Fragen

Die Entscheidung, ein Kind mithilfe einer Samenspende zu zeugen, bringt viele emotionale Unsicherheiten mit sich. Sie betreffen nicht nur die werdenden Eltern, sondern auch das Kind, das nach der Samenspende geboren wird. Jenseits der Beratung und Aufklärung, zu der Ärztinnen und Ärzte verpflichtet sind, raten Fachleute vor einer Spendersamen-Behandlung deshalb zu einer psychologischen Beratung. Von manchen Kinderwunschzentren wird sie ausdrücklich verlangt.

Auch rechtliche Aspekte sind zu bedenken. Zum einen sind nicht alle Fragen zu einer möglichen juristischen Vaterschaft des Samenspenders geklärt, die mit Erbansprüchen, Unterhalts- und Sorgepflichten einhergeht. Zum anderen ist nicht eindeutig geregelt, auf welchem Weg ein Kind, das nach einer Samenspende geboren wurde, sein Recht auf Kenntnis seiner genetischen Abstammung einfordern kann.

Dieses Recht wurde mit einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 6. Februar 2013 bestätigt. Das Gericht entschied, dass ein Kind, das durch eine Samenspende gezeugt worden ist, von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt Auskunft darüber verlangen kann, wer den Samen gespendet hat.

Am 28. Januar 2015 entschied der Bundesgesichtshof (BGH), dass Spenderkinder unabhängig von ihrem Alter das Recht haben, Auskunft über die Identität des Samenspenders zu erhalten. Zugleich fordert der BGH jedoch, dass in jedem Einzelfall das Recht des Kindes auf Auskunft gegen das mögliche Interesse des Samenspenders an Anonymität abgewogen werden muss. Das gilt auch für den Fall, dass der soziale Vater seine juristische Vaterschaft gegenüber dem Samenspender schützen möchte.

In jedem Fall müssen nach deutschem Recht die Behandlungsunterlagen, aus denen die Identität des Samenspenders sowie der behandelten Frau hervorgeht, von Ärztinnen und Ärzten oder den Samenbanken mindestens 30 Jahre lang aufbewahrt werden.

Es ist üblich, dass zwischen der Samenbank, der behandelnden Ärztin oder dem Arzt und dem Paar, das eine Samenspende wünscht, ein Behandlungsvertrag geschlossen wird. Es ist ratsam, vor Vertragsabschluss eine Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen.

Der Vertrag sollte folgende Punkte regeln:

  • Vereinbarungen über die Behandlung und deren Kosten,
  • die Feststellung der Elternschaft,
  • die Aufbewahrung der Personendaten des Samenspenders und
  • die Auskunfts- und Kontaktrechte des Kindes.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.12.2015