Der Ablauf einer In-vitro-Fertilisation

Eine In-vitro-Fertilisation (IVF), umgangssprachlich „künstliche Befruchtung“ genannt, umfasst viele verschiedene Einzelschritte. Dazu gehören neben einer hormonellen Stimulation auch kleine operative Eingriffe.

Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) findet die Befruchtung nicht im Körper der Frau statt, sondern "künstlich" im Labor. Die Behandlung erstreckt sich häufig über mehrere Wochen.

Bei der IFV ist fast immer eine Hormonbehandlung der Frau notwendig. Anschließend entnimmt die Ärztin oder der Arzt Eizellen aus dem Eierstock und führt sie in einem Laborglas mit Samenzellen des Partners zusammen. Gelingt die Befruchtung und entwickeln sich die befruchteten Eizellen weiter, werden ein bis höchstens drei Embryonen in die Gebärmutter übertragen.

  • In-vitro-Fertilisation
    Der Ablauf eines Behandlungszyklus*
    * Je nach Behandlungsprotokoll gelten andere Abläufe für die Hormontherapie. In diesem Beispiel erfolgt sie nach dem sog. langen Protokoll.
  • Vorbehandlung

    Downregulation

    Mit Hormonen wird die körpereigene Hormonproduktion der Frau unterdrückt und ein natürlicher Eisprung verhindert. Bis zu 14 Tage später beginnt dann kontrolliert die Stimulation der Eizellreifung.

  • 1. bis 11. Tag

    Stimulation der Eizellreifung

    Damit möglichst mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen, bekommt die Frau ab jetzt etwa 11 Tage lang täglich Hormonpräparate.

  • 1. bis 11. Tag

    Kontrolluntersuchungen

    Die Ärztin oder der Arzt kontrolliert regelmäßig die Blutwerte sowie per Ultraschall die Größe und Reife der Eibläschen.

  • 12. Tag

    Einleitung des Eisprungs

    Sind genügend Eizellen herangereift, die groß genug sind, wird mit einer Hormonspritze der Eisprung ausgelöst.

  • 14. Tag

    Entnahme der Eizellen

    Mit einer feinen Nadel werden die Eizellen – normalerweise durch die Scheide – aus den Eibläschen entnommen.

  • 14. Tag

    Bereitstellung des Spermas

    Der Partner gewinnt am Tag der Eizell-Entnahme durch Masturbation Sperma oder es wird eine tiefgefrorene Samenprobe aufbereitet.

  • 14. Tag

    Befruchtung im Labor

    Die Eizellen werden in einer Nährflüssigkeit mit Samenzellen zusammengebracht. 16 bis 20 Stunden später kann man erkennen, ob es zu einer Befruchtung gekommen ist.

  • 16. bis 20. Tag

    Übertragung der Embryonen

    War die Befruchtung erfolgreich, werden zwei
    bis fünf Tage nach der Eizell-Entnahme bis zu drei Embryonen durch die Scheide in die Gebärmutter übertragen.

  • 5. Woche

    Bluttest

    Mit einem Bluttest kann festgestellt werden, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist.

  • 7. Woche

    Ultraschall-Untersuchung

    Hat sich der Embryo eingenistet, kann die Ärztin oder der Arzt die Schwangerschaft nun auch im Ultraschall erkennen. Oft ist bereits der Herzschlag des Embryos zu sehen.

  • Wenn es nicht geklappt hat

    Eine IVF-Behandlung ist sehr komplex und garantiert keinen Erfolg. Jeder einzelne Schritt kann misslingen. Dann tut eine Pause gut, um seelisch und körperlich wieder zu Kräften zu kommen und in Ruhe zu überlegen, wie es weitergeht.

Hormonbehandlung

Bei einer In-vitro-Fertilisation oder ICSI steht am Anfang der Behandlung meistens die sogenannte Downregulation. Hormonpräparate (GnRH-Agonisten oder GnRH-Antagonisten) sollen die körpereigene Hormonausschüttung der Frau unterdrücken und so einen vorzeitigen Eisprung verhindern.

Je nach Behandlungsschema beginnt bis zu 14 Tage später die hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Sie soll die Eierstöcke dazu anregen, mehrere Eibläschen gleichzeitig reifen zu lassen. Dadurch erhöhen sich die Chancen, mehrere befruchtungsfähige Eizellen zu gewinnen.

Für die Hormonstimulation kommen unterschiedliche Hormonpräparate einzeln oder in verschiedenen Kombinationen infrage. Sie werden gespritzt oder als Tablette eingenommen. In den meisten Fällen wird im Vorfeld einer In-vitro-Fertilisation oder ICSI ein Präparat mit dem Hormon FSH (follikelstimulierendes Hormon) gespritzt. Dies kann die Frau auch selbst übernehmen oder dem Partner überlassen. Da in seltenen Fällen eine Überstimulation der Eierstöcke auftreten kann, muss die Behandlung ärztlich gut überwacht werden.

In manchen Fällen braucht es keine hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Die In-vitro-Fertilisation findet dann im natürlichen Menstruationszyklus der Frau statt (Natural Cycle IVF).

Der Eisprung wird eingeleitet

Etwa eine Woche nach Beginn der Hormonstimulation kontrolliert die Ärztin oder der Arzt mehrmals die Größe und Reife der Eizellen. Dazu führt sie oder er Ultraschall-Untersuchungen durch und bestimmt die Hormonwerte im Blut. Sind die Eizellen herangereift und erscheinen sie befruchtungsfähig, beendet die Frau die Hormoneinnahme. Mit einer Injektion des Hormons HCG (humanes Choriongonadotropin) oder eines GnRH-Agonisten wird nun – etwa zehn bis 14 Tage nach Beginn der Stimulation – der Eisprung eingeleitet.

Entnahme der Eizelle

Etwa 36 Stunden nach Einleitung des Einsprungs entnimmt die Ärztin oder der Arzt mithilfe einer feinen Nadel Eizellen aus den gereiften Eibläschen (Follikelpunktion). Der Eingriff wird gewöhnlich über die Scheide durchgeführt und per Ultraschall am Bildschirm verfolgt. In seltenen Fällen werden die Eizellen per Bauchspiegelung gewonnen. Die Frau erhält bei Bedarf Beruhigungs- oder Schmerzmittel und eine kurze Vollnarkose. Nach der Punktion können leichte Blutungen und ein Wundgefühl auftreten.

Die Befruchtung im Labor

Am Tag der Eizell-Entnahme wird möglichst frisches Sperma des Partners benötigt. Dazu masturbiert der Mann in einem speziellen Raum des reproduktionsmedizinischen Zentrums. Manche Männer haben Schwierigkeiten mit dem Samenerguss „auf Bestellung“. Sie können das Problem mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, um eine andere Lösung zu finden. Zum Beispiel kann der Mann seinen Samen zu Hause gewinnen und in einem Spezialbehältnis zum Zentrum bringen, vorausgesetzt  der Weg ist nicht zu weit.

Bei einer schweren Fruchtbarkeitsstörung des Mannes kann auch durch eine Hodenbiopsie gewonnenes und anschließend tiefgefrorenes (kryokonserviertes) Sperma zeitgerecht aufgetaut werden.

Bevor Samen und Eizelle zusammengebracht werden können, wird die Samenflüssigkeit im Labor aufbereitet. Ziel ist es, die Befruchtungsfähigkeit der Samenzellen zu verbessern und möglichen allergischen Reaktionen der Frau vorzubeugen. Anschließend bringt man Eizellen und Samenzellen in einer Nährflüssigkeit zusammen und gibt sie in einen Brutschrank. Hier soll es zur Befruchtung der Eizellen kommen - zur In-vitro-Fertilisation.

Eine befruchtete Eizelle erkennt man unter dem Mikroskop an den zwei „Vorkernen“, die das genetische Material von Spermium und Eizelle enthalten. In diesem Vorkernstadium werden die Eizellen ausgesucht, die später in die Gebärmutter übertragen werden sollen. Die anderen befruchteten Eizellen werden entweder vernichtet oder tiefgefroren. So sind sie für einen möglichen weiteren Behandlungsversuch einsetzbar, ohne dass nochmals Eizellen entnommen werden müssen.

Sind die beiden Vorkerne miteinander verschmolzen, ist der Befruchtungsvorgang abgeschlossen und ein Embryo entstanden. Ab diesem Entwicklungsstadium dürfen befruchtete Eizellen nicht mehr eingefroren werden.

Die Übertragung von Embryonen in die Gebärmutter

Wenn die Befruchtung einer oder mehrerer Eizellen gelungen ist, überträgt die Ärztin oder der Arzt die Embryonen am zweiten, dritten oder fünften Tag nach der Eizell-Entnahme mithilfe eines dünnen, biegsamen Schlauchs (Katheter) durch die Scheide in die Gebärmutter. Die meisten Frauen empfinden den Eingriff als wenig oder nicht schmerzhaft.

„Schlüpfhilfe“: Assisted Hatching

Das Assisted Hatching ist ein neues, noch nicht gut erforschtes Verfahren, mit dem bei einer In-vitro-Fertilisation oder ICSI das Einnisten des Embryos in die Gebärmutter unterstützt werden soll.

Bei einem natürlichen Befruchtungs- und Einnistungsvorgang helfen verschiedene Enzyme beim Schlüpfen des Embryos aus der Umhüllung der Eizelle, der sogenannten Glashaut. Beim Assisted Hatching wird dem Embryo das Schlüpfen (Hatching) aus dieser Glashaut (Zona pellucida) mit verschiedenen Verfahren erleichtert.

Fachleute sehen mögliche Vorteile des Assisted Hatching insbesondere bei 

  • älteren Frauen,
  • der Verwendung von eingefrorenen Eizellen,
  • einer besonders dicken Glashaut oder
  • wiederholt erfolglosen IVF- und ICSI-Behandlungen.

Es gibt Hinweise darauf, dass in diesen Fällen mit der „Schlüpfhilfe“ mehr Schwangerschaften erzielt werden. Ungeklärt ist jedoch, ob auch die Geburtenrate steigt. Es besteht außerdem die Gefahr, dass bei dem Verfahren der Embryo verletzt wird. Die Kosten für das Verfahren müssen die Paare in der Regel selbst tragen.

Kontrolluntersuchungen

Etwa 14 Tage nach der Übertragung des Embryos oder der Embryonen in die Gebärmutter lässt sich anhand des Schwangerschaftshormons HCG im Blut feststellen, ob eine Schwangerschaft begonnen hat. Um sicherzugehen, wird die Ärztin oder der Arzt mehrmals Kontrolluntersuchungen vornehmen. Etwa einen Monat nach dem Transfer lässt sich dann bei einer Ultraschall-Untersuchung erkennen, ob der Embryo lebt und ob es sich um einen Einling oder um Mehrlinge handelt.

Chancen und Risiken der In-vitro-Fertilisation

Die Geburtenrate nach einer In-vitro-Fertilisation liegt dem deutschen IVF-Register zufolge bei 15 bis 20 Prozent pro Behandlungszyklus. Die Erfolgsaussichten sind jedoch in hohem Maße von der bestehenden Fruchtbarkeitsstörung und vom Alter der Frau abhängig. Studien weisen außerdem darauf hin, dass Rauchen einen negativen Einfluss auf den Erfolg von IVF haben kann. Bei Paaren, die während der IVF-Behandlung rauchten, wurden geringere Geburtenraten pro Behandlungszyklus beobachtet als bei nichtrauchenden Paaren.

Bei jeder In-vitro-Fertilisation können einzelne Behandlungsschritte misslingen. Es kann sein, dass trotz Hormonstimulation keine befruchtungsfähigen Eizellen gefunden werden. Oder es kommt zu keiner Befruchtung. Häufig nistet sich der Embryo nicht in der Gebärmutter ein.

Eine Hormonstimulation kann seelisch und körperlich belastend und mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. In seltenen Fällen führt sie zum sogenannten Überstimulationssyndrom, bei dem der Körper der Frau auf die Hormonpräparate „überreagiert“. Es können Bauchschmerzen, Übelkeit, Spannungsgefühle im Bauch sowie Kurzatmigkeit auftreten. Die Ärztin oder der Arzt muss dann sofort verständigt werden. In seltenen schweren Fällen ist eine Klinikbehandlung notwendig. 

Bei der Übertragung von zwei oder (selten) drei Embryonen besteht die Gefahr, dass sich eine Mehrlingsschwangerschaft entwickelt. Sie bringt für eine Schwangere eine deutlich höhere körperliche Beanspruchung mit sich. Auch das Risiko von vorzeitigen Wehen und Frühgeburten ist bei Mehrlingen deutlich erhöht.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.08.2015