Refertilisierung des Mannes

Wenn sich die persönliche Lebenssituation verändert, wünscht sich mancher sterilisierte Mann doch noch ein Kind. Eine Operation kann die Fruchtbarkeit unter Umständen wieder herstellen.

Mann im Beratungsgespräch bei einem Arzt © Thinkstock
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Jedes Jahr lassen sich nach Schätzungen in Deutschland einige Tausend Männer sterilisieren. Meist sind sie bereits Väter und haben ihre Familienplanung abgeschlossen. Oder sie möchten kinderlos bleiben.

Vor einer Sterilisation (Vasektomie) findet in der Regel ein ausführliches Gespräch über die Gründe für die Entscheidung statt. Das schließt nicht aus, dass der Mann den Eingriff später einmal bereut. Schätzungsweise bis zu sechs Prozent der sterilisierten Männer möchten zu einem späteren Zeitpunkt doch noch Kinder bekommen. Manchmal mit derselben Partnerin, meist jedoch, weil sie eine neue Partnerin haben.

Nicht unbedingt endgültig

Es ist prinzipiell möglich, die Zeugungsfähigkeit mit einer Operation wiederherzustellen (Refertilisierung). Dabei werden die durchtrennten Samenleiter wieder miteinander verbunden. Trotzdem bleibt bei nicht wenigen Männern der (erneute) Kinderwunsch unerfüllt, weil sich mit der Zeit die Spermienproduktion und damit die Befruchtungsfähigkeit der Spermien oft verschlechtern.

Operation unter dem Mikroskop

Nach einer Sterilisation werden in den Hoden weiterhin Spermien gebildet. Wegen der durchtrennten Samenleiter können sie aber nicht mehr in die Samenflüssigkeit gelangen, die in der Prostata gebildet wird. Stattdessen werden sie vom Körper abgebaut. Ziel der Refertilisierung ist es daher, die Samenleiter wieder miteinander zu verbinden und den Spermien so wieder den Zugang zur Prostata zu ermöglichen. Keine einfache Aufgabe, denn der Samenleiter ist innen nur etwa einen halben Millimeter breit. Bei dem Eingriff benutzt die Operateurin oder der Operateur deshalb ein spezielles Mikroskop.

Anders als die Sterilisation wird die Refertilisierungs-Operation in der Regel in Vollnarkose durchgeführt. Über kleine Hautschnitte am Hodensack legt die Ärztin oder der Arzt zunächst die Samenleiter frei und schneidet die vernarbten Enden ab, an denen die Samenleiter durchtrennt wurden.

Danach sollte aus dem Ende des Samenleiters, der mit dem Hoden verbunden ist, Flüssigkeit austreten. Diese wird sofort unter dem Mikroskop untersucht. Enthält die Flüssigkeit ausreichend befruchtungsfähige Spermien, können die durchtrennten Samenleiter direkt wieder miteinander verbunden werden (Vasovasostomie). Dabei werden die Enden meist in zwei Gewebsschichten mit hauchfeinen Stichen wieder zusammengenäht.

Direkte Verbindung nicht immer möglich

In etwa einem Viertel der Fälle finden sich jedoch keine oder nicht genügend befruchtungsfähige Spermien. Der Grund sind meist kleine Wucherungen in den Nebenhoden (Nebenhoden-Granulom), die die Nebenhodenkanälchen ganz oder teilweise verschließen. Dann muss das obere Ende des Samenleiters direkt dort an den Nebenhodengang angeschlossen werden, wo sich möglicherweise noch intakte Spermien befinden. Diese sogenannte Tubulovasostomie ist technisch sehr anspruchsvoll und gehört deshalb in die Hände erfahrener Operateure.

In 0,5 bis 1 Prozent der Fälle kommt es nach beiden Operationsverfahren zu Blutergüssen im Hodensack oder zu Wundinfektionen. Je nachdem, welche Technik angewendet wird, dauert die Operation zwischen einer und drei Stunden. Beide Verfahren können ambulant – das heißt, ohne anschließenden Krankenhaus-Aufenthalt – durchgeführt werden. Die Kosten in Höhe von mehreren Tausend Euro werden nicht von den Krankenkassen übernommen.

Die Erfolgsaussichten

Wie groß die Chancen auf eine erfolgreiche Operation sind, ist nicht leicht zu beantworten. Der Erfolg hängt zum einen von der erreichten Durchgängigkeit der Samenleiter ab, die durch den Nachweis von Samenzellen im Ejakulat festgestellt wird. Zum anderen entscheiden weitere Faktoren wie die Befruchtungsfähigkeit der Spermien, das Alter des Mannes und das der Partnerin mit darüber, ob ein Mann nach dem Eingriff auch wirklich Vater wird.

Wenn die Sterilisation bereits mehrere Jahre zurückliegt, verschlechtern sich die Erfolgschancen. Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der sterilisierten Männer noch einmal ein Kind zeugen kann, wenn die Refertilisierung innerhalb von drei Jahren stattfindet. Liegt die Sterilisation mehr als zehn Jahre zurück, verringert sich die Geburtenrate deutlich.

Geduldig abwarten

Grundsätzlich dauert es nach einer erfolgreichen Refertilisierung mindestens drei Monate – unter Umständen sogar zwei Jahre –, bis ein Mann seine volle Zeugungsfähigkeit wieder erlangt. Obwohl eine Sterilisation die Bildung von Spermien selbst nicht beeinträchtigt, braucht das Hoden- und Nebenhodengewebe doch einige Zeit, um sich zu erholen.

Sollte die Refertilisierung nicht zum Erfolg führen, kann der Kinderwunsch möglicherweise noch durch eine Hodenbiopsie (TESE/MESA) und eine anschließende künstliche Befruchtung (ICSI) erfüllt werden. Ein ausführliches ärztliches Beratungsgespräch über die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin kann dann einen weiteren Weg weisen.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.05.2016
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