Refertilisierung der Frau

Wenn sich die Lebenssituation einer sterilisierten Frau verändert und sie sich doch noch ein Kind wünscht, kann eine Sterilisation rückgängig gemacht werden. Der Eingriff kann jedoch nicht garantieren, dass die Frau wieder schwanger wird.

Paar blickt gemeinsam in die Ferne © Corbis Images

Wenn sich eine Frau für eine Sterilisation entscheidet, hat sie ihre Familienplanung in der Regel abgeschlossen. Die meisten Frauen, die sich sterilisieren lassen, haben bereits zwei oder mehr Kinder. Trotzdem kann später, etwa in einer neuen Partnerschaft, noch einmal ein Kinderwunsch entstehen. Mit einer Operation lässt sich die Fruchtbarkeit im Prinzip wieder herstellen (Refertilisierung). Ob die Frau danach tatsächlich schwanger wird, hängt jedoch unter anderem von ihrem Alter und der Fruchtbarkeit ihres Partners ab.

Ablauf der Operation

Bei einer Sterilisation werden beide Eileiter, durch die die Eizellen vom Eierstock in die Gebärmutter gelangen, durchtrennt oder teilweise elektrisch verödet. Bei der Refertilisierung werden die getrennten Enden der Eileiter wieder miteinander verbunden. Gelingt der Eingriff, sind die Eileiter danach wieder durchgängig.

Die Operation wird etwa zwei Tage nach der letzten Menstruation durchgeführt. Sie dauert ein bis drei Stunden und erfordert eine Vollnarkose. In der Regel ist ein zweitägiger Klinikaufenthalt nötig. Zwei Operationsverfahren sind möglich: ein Schnitt in die Bauchdecke (mikrochirurgisches Verfahren) oder eine Bauchspiegelung (laparoskopisches Verfahren).

Bei beiden Verfahren werden zuerst die vernarbten Enden der Eileiter entfernt. Bei einem Bauchschnitt werden die Enden mithilfe eines speziellen Operationsmikroskops und besonders feinen Instrumenten schichtweise vernäht. Bei einer Bauchspiegelung („Knopfloch-OP“) bleibt die Bauchdecke intakt bis auf ein bis zwei kleine Einschnitte zum Einführen des Endoskops, durch das die Chirurgin oder der Chirurg in den Bauch hineinschaut und auch die Instrumente einführt. 

Eine Refertilisierung ist eine relativ komplizierte Operation. Sie wird nur in speziellen Zentren von Operateuren durchgeführt, die viel Erfahrung mit dem Eingriff haben.

Mögliche Komplikationen

Wie jede Operation ist eine Refertilisierung mit bestimmten Risiken verbunden. Dazu gehören Infektionen, Störungen der Wundheilung, die Verletzung anderer Organe oder Thrombosen. Eine Vollnarkose bedeutet ein Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme. Bei bestimmten Problemen, etwa bei Nachblutungen, kann eine erneute Operation nötig werden. Durch den Eingriff können sich Verwachsungen und Narben im Bauchraum bilden. Im Vergleich zu Frauen ohne Operation am Eileiter haben Frauen nach einer Refertilisierung ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft.

Kosten werden normalerweise nicht übernommen

Früher war die Sterilisation eine recht häufige Verhütungsmethode. Dies hat sich geändert, seitdem die Krankenkassen die Kosten für den Eingriff nur noch in Ausnahmefällen übernehmen. Auch eine Refertilisierung nach einer Sterilisation muss im Allgemeinen privat bezahlt werden. Je nach Methode kostet der Eingriff 2000 bis 4500 Euro. In dem Betrag sind nicht nur die Kosten für die Operation selbst enthalten, sondern auch die für das Beratungsgespräch, die Narkose, den Krankenhausaufenthalt und die medizinische Nachsorge.

Hinzu kommen noch Fahrtkosten, falls es in Wohnortnähe keine Klinik gibt, die sich auf den Eingriff spezialisiert hat. Wo ein geeignetes Krankenhaus zu finden ist, wissen zum Beispiel Schwangerschaftsberatungsstellen.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Refertilisierung nur unter bestimmten Voraussetzungen: zum Beispiel, wenn die Sterilisation damals als medizinisch notwendig eingestuft wurde (etwa wegen einer erblichen Erkrankung), heute aber bessere Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Die Kassen bezahlen den Eingriff auch, wenn die Ursache für den undurchlässigen Eileiter keine Sterilisation, sondern zum Beispiel eine Entzündung oder eine Verwachsung infolge einer Endometriose ist.

Erfolgsaussichten

Die Angaben dazu, wie viele Frauen nach einer rückgängig gemachten Sterilisation schwanger werden, schwanken zwischen 30 und 70 Prozent. Dabei scheint der Bauchschnitt mit Mikrochirurgie ein wenig Erfolg versprechender zu sein als die Bauchspiegelung. Ob und wie schnell eine operierte Frau schwanger wird, hängt aber nicht nur davon ab, ob ihre Eileiter wieder durchlässig sind. Es ist daher sinnvoll, dass sich beide Partner vor der Operation auf ihre Fruchtbarkeit untersuchen lassen.

Alternative: künstliche Befruchtung

Eine sterilisierte Frau kann auch durch eine künstliche Befruchtung schwanger werden. Dabei werden zuvor entnommene Eizellen der Frau außerhalb des Körpers im Labor mit den Samenzellen ihres Partners zusammengebracht. Ein bis zwei befruchtete Eizellen werden danach in die Gebärmutter eingesetzt.

Es gibt keine aussagekräftigen Studien dazu, ob die Refertilisierung erfolgreicher ist als die künstliche Befruchtung. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile. So sind nach einer gelungenen Operation auch mehrere Schwangerschaften auf natürlichem Wege möglich. Ist jedoch die Fruchtbarkeit eines oder beider Partner aus anderen Gründen gestört, verspricht eine künstliche Befruchtung mehr Erfolg als eine Refertilisierung. Andererseits ist eine künstliche Befruchtung sehr aufwendig. Bleibt der Erfolg aus, kann sie zu einer großen körperlichen und seelischen Belastung werden.

Eine Beratung in einer Arztpraxis oder Schwangerschaftsberatungsstelle kann dabei helfen, alle Aspekte zu berücksichtigen und herauszufinden, welche Methode am besten geeignet ist.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 07.07.2010