Zwischen Hoffen und Bangen

Während einer Kinderwunsch-Behandlung erleben die Paare oft ein Wechselbad der Gefühle: Ängste, Zuversicht und Hoffnung, Enttäuschung und Trauer lösen sich ab. Wie lässt sich die psychische Belastung leichter bewältigen?

Ein Paar sitzt im Wartezimmer © BZgA/HN/Eichhöfer

Zu Beginn einer Kinderwunsch-Behandlung ist für die Paare vieles neu. Sie wissen nicht, was sie erwartet und wie sie damit umgehen werden. Das kann Angst machen.

Manchen Paaren bereitet es Unbehagen, dass der Mann vor einer künstlichen Befruchtung den Samen durch Selbstbefriedigung gewinnen muss und die Eizelle der Frau außerhalb des Körpers befruchtet wird. Hinzu kommt manchmal die Angst, die Samen- oder Eizellen könnten im Labor verwechselt werden. Andere Paare vermissen vor allem die Intimität der Zeugung. Sie können sich nicht so leicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ihr zukünftiges Kind im Labor entstehen wird.

Solche Vorbehalte oder Ängste sollten mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden. Unter Umständen kann der Partner bei der Behandlung dabei sein. Zu zweit fühlt man sich möglicherweise sicherer und kann sich später auch gemeinsam an das Erlebte erinnern.

Zermürbendes Warten

Nach jedem Behandlungsschritt beginnt das große Warten und Bangen: „Wird es dieses Mal klappen? Werde ich dieses Mal schwanger?“ Die seelische und körperliche Anspannung können sehr groß sein.

Schwer zu ertragen ist für viele Paare vor allem die Tatsache, dass sie die Behandlung nicht beeinflussen und stets nur abwarten können. Nicht wenige neigen außerdem dazu, die Erfolgsaussichten der Behandlungen zu überschätzen. Aber auch die moderne Medizin kann keine Wunder vollbringen. Eine Behandlung ist immer nur ein Versuch und garantiert keinen Erfolg.

Wenn ein Versuch misslingt

Tritt entgegen aller Hoffnungen keine Schwangerschaft ein, bricht oft eine Welt zusammen. Manche Paare resignieren, andere empfinden Wut, Trauer und Schmerz. Vor allem Frauen fühlen sich nach einem misslungenen Versuch häufig körperlich und seelisch sehr matt und ausgelaugt.

Es ist wichtig zu erkennen, dass der Misserfolg der Behandlung nichts mit persönlichem Versagen zu tun hat, und sich Zeit zu nehmen, die Enttäuschung zu verarbeiten. Es dauert, bis das seelische Tief bewältigt ist und man sich in Ruhe Gedanken über die nächsten Schritte machen kann: Wollen wir die Behandlung weiterführen? Könnte eine Behandlungspause für uns entlastend sein? Oder möchten wir lieber gleich den nächsten Versuch unternehmen? Wenn man unterschiedlicher Ansicht ist, wie es weitergehen soll, kann ein Gespräch mit der Ärztin, dem Arzt oder in einer Beratungsstelle helfen.

Auf alle Fälle ist es empfehlenswert, sich vor einem weiteren Behandlungszyklus genügend Zeit zur Erholung zu lassen. Der zeitliche Abstand hilft, seelisch und körperlich wieder zu Kräften zu kommen und sich zu stabilisieren.

Gelassenheit zurückgewinnen

Um den Druck zu mindern, unbedingt ein Kind bekommen zu müssen, kann es helfen, sich – so schwer es auch fällt – bereits am Anfang der Therapie Gedanken über ein Leben ohne eigene Kinder zu machen.

Vielleicht hilft die Beantwortung folgender Fragen:

  • Wie können wir unser Leben auch ohne ein eigenes Kind glücklich gestalten?
  • Welche Möglichkeiten bieten sich uns? 
  • Gibt es noch andere Lebensträume? 
  • Kommt für uns eine Adoption infrage?

Diese Fragen miteinander, mit Freunden oder im Rahmen einer Beratung zu besprechen, kann dazu beitragen, eine Kinderwunsch-Behandlung mit mehr Gelassenheit zu bewältigen und möglicherweise auch neue Lebensperspektiven zu entdecken.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 08.08.2013