Die Rückbildung schwangerschaftsbedingter Veränderungen sowie die Heilung der Geburtswunden beginnen mit der Ablösung der Nachgeburt und dauern sechs bis acht Wochen. Diese Zeit der hormonellen und körperlichen Umstellungen wird als Wochenbett (Puerperium) bezeichnet.
Man unterscheidet zwischen Früh- und Spätwochenbett. Das Frühwochenbett umfasst die ersten zehn Tage nach der Geburt des Kindes. In dieser Zeit braucht die Frau besondere Pflege und Schonung. Die Rückbildung ihrer Gebärmutter und ihre allgemeine körperliche Verfassung werden in der Regel täglich durch die Hebamme begutachtet. Danach beginnt das Spätwochenbett. Die Gebärmutter hat zu diesem Zeitpunkt ihre Ursprungsgröße fast wieder erreicht. Dennoch benötigt der Körper noch einige Wochen, um sich von den Strapazen der Schwangerschaft und der Geburt zu erholen.
Ruhe und Geduld, angepasste Bewegung sowie eine ausgewogene Ernährung unterstützen die körperliche Rückbildung. Bei Beschwerden kann jederzeit die Hebamme, die Ärztin oder der Arzt verständigt werden.
Rückbildung der Gebärmutter
Die Gebärmutter vergrößert sich während der Schwangerschaft um das 20-Fache und erreicht ein Gewicht von ungefähr 1000 Gramm. Im Verlauf des Wochenbetts bildet sich die Gebärmutter annähernd auf ihre ursprüngliche Größe und ein Gewicht von 50 bis 70 Gramm zurück. Unmittelbar nach der Geburt lässt sich die Gebärmutter noch zwischen Nabel und Schambein ertasten. Sie sinkt täglich um etwa einen Zentimeter ins Becken zurück.
Weil sich am Ende der Geburt die Nachgeburt (Plazenta und Eihäute) von der Gebärmutterwand löst, entsteht an dieser Stelle eine Wundfläche. Die Wundheilung verläuft in mehreren Phasen. Sie wird von Blutungen begleitet, die nach zwei bis drei Tagen in den sogenannten Wochenfluss (Lochien) übergehen. Menge, Aussehen und Zusammensetzung des Wochenflusses verändern sich im Verlauf des Heilungsprozesses.
Vor allem in den ersten zwei Tagen ist die Blutung sehr stark und besteht aus Plazentaresten und Blutstückchen (Blutkoageln). Der Ausfluss ist blutig bis wässrig. In der zweiten Woche ist der Wochenfluss bräunlich und wird zunehmend gelb. Ab der dritten Woche erscheint der Wochenfluss weißlich, bis er nach etwa sechs Wochen versiegt. Die Dauer des Wochenflusses unterscheidet sich von Frau zu Frau. Bei stillenden Frauen versiegt er etwas schneller.
Nachwehen und Wundheilung
Nachwehen unterstützen die Rückbildung der Gebärmutter. Dabei zieht sich das Muskelgewebe insbesondere beim Stillen regelmäßig zusammen. Beim ersten Kind spürt die Frau in der Regel nur einen leicht ziehenden Schmerz im Bauch. Bei weiteren Geburten sind die Nachwehen schmerzhafter, da die Gebärmutter bereits vorgedehnt ist und sich deshalb stärker zusammenziehen muss.
Nach der Geburt wird die Gebärmutter nicht mehr so stark durchblutet wie während der Schwangerschaft, was die Wundheilung beschleunigt. Auch das Stillen unterstützt die Rückbildung und Wundheilung, denn die Ausschüttung des Hormons Oxytocin während des Stillens bewirkt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht. Darüber hinaus können Wochenbettgymnastik und angepasste Bewegung den Prozess der Rückbildung beschleunigen.
Neben der unvermeidlichen Wunde an der Innenfläche der Gebärmutter kann es während des Geburtsverlaufs zu weiteren Verletzungen gekommen sein, wie zum Beispiel einem Dammriss. Kleinere Risse verheilen ohne Naht, größere Verletzungen werden genäht. Die Heilung solcher Wunden dauert im Durchschnitt zehn Tage.
Rückbildung des Beckenbodens
Auch der Beckenboden und die Bauchmuskulatur werden durch Schwangerschaft und Geburt stark beansprucht und gedehnt. Unmittelbare Folgen sind häufig zum Beispiel Rückenschmerzen und Blasenschwäche. Die Rückbildung im Becken- und Bauchbereich ist besonders wichtig, da ein gesunder und kräftiger Beckenboden die Rumpfmuskulatur, die inneren Organe und auch die Atmung unterstützt.
Durch gezielte Übungen kann die Rückbildung und Kräftigung der Beckenboden- und Bauchmuskeln gefördert werden. So lassen sich mögliche Spätfolgen eines überdehnten, untrainierten Beckenbodens vermeiden, wie zum Beispiel Scheiden- und Gebärmuttersenkung sowie Inkontinenz. Nach mehreren Geburten ist eine regelmäßige Beckenbodengymnastik besonders wichtig.
Hormonelle Umstellung
Die körperliche Umstellung geht mit einer hormonellen Umstellung einher. Nach der Geburt kommt es zu einem schnellen Abfall der Schwangerschaftshormone. Dadurch werden Wasseransammlungen, die sich während der Schwangerschaft im Gewebe gebildet haben, ausgeschwemmt. Dies führt zu erhöhtem Harndrang.
Auch das Stillen bewirkt eine Veränderung des Hormonhaushalts. Es erhöht die Produktion der Hormone Prolaktin und Oxytocin. Beide Hormone werden in der Hirnanhangdrüse gebildet. Sie sind für die Milchbildung und den Milchfluss verantwortlich.
Das Hormon Prolaktin verzögert auch den Eisprung. Durch das Stillen setzt die Periode meist erst nach dem Abstillen wieder ein. Dennoch sollten auch stillende Mütter verhüten, da eine erneute Schwangerschaft kurz nach der Geburt zwar nicht wahrscheinlich, aber möglich ist. Bei nicht stillenden Frauen beginnt der Menstruationszyklus etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt.
Die Hormonschwankungen nach der Geburt führen bei manchen Frauen vorübergehend zu Beschwerden wie häufigen Schweißausbrüchen, Haarausfall oder Stimmungsschwankungen, dem sogenannten Wochenbett- oder Baby Blues.
Komplikationen im Wochenbett
Normalerweise verläuft das Wochenbett ohne Komplikationen. In einigen Fällen kann es jedoch zu Blutungen oder Fieber kommen – Zeichen einer gestörten Rückbildung, verzögerten Wundheilung oder einer Infektion.
Wenn erneut Blutungen auftreten, der Wochenfluss zu schwach ist oder ganz ausbleibt, sind die Rückbildung oder die Wundheilung gestört: Die Rückbildung der Gebärmutter ist entweder verzögert oder Gewebe- und Blutstückchen verstopfen den Muttermund, sodass sich der Wochenfluss staut.
Unangenehm riechender Wochenfluss ist ein Zeichen für eine Infektion, meist an der inneren Schicht der Gebärmutter (Kindbettfieber). Weitere Symptome einer Infektion sind Fieber, Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Spannungen im Unterleib. Heutzutage kommt es im Wochenbett nur noch selten zu Infektionen.
Brustentzündungen (Mastitis) im Wochenbett führen ebenfalls zu Fieber. Wenn der Milchfluss nicht richtig funktioniert, kommt es zum Milchstau, der wiederum eine Entzündung auslösen kann.
Weitere Komplikationen im Wochenbett sind Verstopfungen und schmerzhafte Hämorriden, die auch schon während der Schwangerschaft entstehen können. Manche Frauen unterdrücken dann den Stuhlgang aus Angst vor Schmerzen. Auch die Verdauung und der Stuhlgang werden durch die Hormonumstellung beeinflusst. Reichlich Flüssigkeit, regelmäßige Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung helfen, die Verdauung wieder zu normalisieren. Vorübergehend können auch natürliche Abführmittel wie Weizenkleie oder Leinsamen helfen. Nicht zuletzt stimuliert Rückbildungsgymnastik den Verdauungstrakt.
Im Wochenbett ist außerdem das Risiko einer Thrombose oder Embolie erhöht. Gründe sind die hohe Gerinnungsfähigkeit des Blutes durch die hormonelle Umstellung, mangelnde Bewegung sowie Krampfaderbildung während der Schwangerschaft. Zudem kann die vergrößerte Gebärmutter den Blutfluss der großen Venen in der Leiste behindern. Regelmäßige Wochenbettgymnastik fördert die Durchblutung und hilft, Thrombosen vorzubeugen.
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Häufig gestellte Fragen
Wann setzt nach der Geburt die erste Periode wieder ein?
Das Einsetzen der ersten Menstruation nach der Geburt ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Wenn eine Frau voll stillt, also auch keinen Tee oder Wasser zufüttert, bleibt die Menstruationsblutung etwa drei bis sechs Monate, manchmal auch bis zum Abstillen aus. Während der Stillzeit wird das Hormon Prolaktin freigesetzt. Es fördert nicht nur die Milchproduktion, sondern hemmt auch den Eisprung. Doch Vorsicht: Stillen bietet keinen sicheren Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft.
Bei Frauen, die nicht stillen, beginnt der erste Menstruationszyklus ungefähr sechs bis acht Wochen nach der Geburt.
Stimmt es, dass Mütter nach der Geburt Haarausfall haben?
Nach einer alten Redewendung kostet jede Schwangerschaft „einen Zopf und einen Zahn". Haarausfall ist nach einer Schwangerschaft ein häufiges Phänomen. Ursache für den plötzlichen Haarausfall ist der abrupte Abfall des Hormons Östrogen nach der Geburt.
Der hohe Östrogenspiegel vor der Entbindung ist dagegen oft der Grund, wenn werdende Mütter volleres und glänzenderes Haar haben als vor der Schwangerschaft. Die Schwangerschaftshormone hemmen den natürlichen Haarausfall. Nach der Geburt fallen dann die Haare aus, die ohne Schwangerschaft schon längst verloren gegangen wären. In der Regel normalisiert sich der Haarwuchs nach einigen Monaten, sodass kein Grund zur Sorge besteht.
Warum bekommen Neugeborene häufig Gelbsucht?
Fast die Hälfte der Neugeborenen bekommt in den ersten Tagen nach der Geburt die sogenannte Neugeborenen-Gelbsucht. Sie ist eine meist harmlose Reaktion auf die Umbildung des kindlichen Blutes nach der Geburt. Die noch im Mutterleib gebildeten roten Blutkörperchen zerfallen und setzen den gelben Blutfarbstoff Bilirubin frei. Die kindliche Leber kann diesen Stoff noch nicht ausreichend zersetzen und ausscheiden, deshalb gelangt das Bilirubin in die Blutbahn und färbt vor allem die Haut und die Augen gelb-bräunlich. Die meisten betroffenen Kinder sind schläfrig und trinken wenig. Ist die Gelbsucht nur schwach ausgeprägt, reicht es, das Kind in Fensternähe (nicht in die Sonne!) zu legen.
Ist die Gelbsucht stärker, muss das Neugeborene mit einer Fototherapie behandelt werden. Sie bewirkt, dass das Bilirubin vom Körper ausgeschieden wird, ohne die Leber zu stark zu beanspruchen. Auch Stillen fördert den Abbau von Bilirubin, indem es die Verdauung des Säuglings in Gang bringt. Das Kind scheidet schneller seinen ersten Stuhl aus, das sogenannte Kindspech oder Mekonium. In ihm ist ebenfalls Bilirubin enthalten.

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