Fruchtbarkeits-Untersuchungen bei der Frau

Verschiedene diagnostische Verfahren stehen zur Verfügung, um die Ursachen einer Fruchtbarkeitsstörung herauszufinden. Um zu entscheiden, welches man in Anspruch nehmen möchte, ist es wichtig, den Nutzen und die Risiken jedes Verfahrens zu verstehen.

Körperliche Untersuchung und Ultraschall

Frau auf einer Liege in Arztpraxis © BZgA/HN/Eichhöfer

Nach einem ausführlichen Gespräch über mögliche bestehende oder frühere Erkrankungen (Anamnese) wird die Frau zunächst körperlich untersucht. Die Tastuntersuchung der Genitalorgane gibt der Ärztin oder dem Arzt erste Hinweise auf mögliche Entzündungen und Veränderungen. Je nach Vorgeschichte und Befund sind dann weitere Schritte notwendig. Dazu gehört beispielsweise eine Urin-Untersuchung, die Hinweise auf eine akute Infektion (zum Beispiel mit Chlamydien) oder auf Erkrankungen wie zum Beispiel einen Diabetes geben kann.

Im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung wird meistens ein Abstrich gemacht. Dazu wird mit einem Wattestäbchen Sekret aus der Scheide entnommen. Die Probe kann zum Teil schon in der Praxis unter dem Mikroskop auf Bakterien und Pilzbefall untersucht werden.

Per Ultraschall können Auffälligkeiten der Gebärmutter, der Eierstöcke und der Eileiter erkannt werden. So lassen sich auch die zyklischen Veränderungen in der Gebärmutter und in den Eierstöcken gut beurteilen, wie der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und das Wachstum der Eibläschen. Die Ultraschall-Untersuchung ist risikolos und schmerzfrei.

Zyklusbeobachtung

Ohne einen Eisprung kann eine Frau auf natürlichem Wege nicht schwanger werden. Deshalb wird zu Anfang einer Fruchtbarkeits-Behandlung zunächst festgestellt, ob die Frau einen Eisprung hat. Dazu kann sie regelmäßig ihre Basaltemperatur messen, aufzeichnen und die Temperaturkurve beobachten (mehr dazu siehe „Die fruchtbaren Tage erkennen“). Eine andere Möglichkeit sind Urintests mit LH-Teststreifen, die in Drogeriemärkten und Apotheken erhältlich sind.

Hormonuntersuchungen

Außerdem können sogenannte endokrinologische Untersuchungen durchgeführt werden. Dabei wird untersucht, ob die Hormonproduktion in Ordnung ist und das Zusammenspiel der Hormone im Monatszyklus funktioniert. Wenn eine Frau einen regelmäßigen, etwa vierwöchentlichen Zyklus hat, sind die Untersuchungsergebnisse meist normal. Ein unregelmäßiger Zyklus oder auch häufigere Zwischenblutungen können ein Zeichen für Hormonstörungen sein.

Die Werte werden an unterschiedlichen Tagen im Monatszyklus gemessen, da die Hormonproduktion während des Zyklus schwankt.

  • Östradiol ist wichtig für die Eireifung.
  • Schon eine leichte Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann einen Eisprung verhindern, weshalb auch die Schilddrüsenhormone überprüft werden.
  • Hohe Prolaktinwerte können zur Störung der Eizellreifung führen.
  • Bei zuviel Androgenen (Testosteron, DHEA-S) leidet die Reifung der Eizelle.
  • Der Verlauf der Werte für das luteinisierende Hormon (LH) während eines Zyklus zeigt einen bevorstehenden Eisprung an.
  • Follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Anti-Müller-Hormon (AMH) geben Hinweise auf die Funktion der Eierstöcke beziehungsweise darauf, ob noch genügend Eizellen im Eierstock heranreifen können. Das AMH wird nur gemessen, wenn eine Eierstock-Stimulation geplant ist oder eine Frau wissen möchte, wie lange sie noch schwanger werden kann.
  • Die Progesteron-Werte (gemessen in der zweiten Zyklushälfte) zeigen an, ob die Eireifung vollständig war und ein Eisprung stattgefunden hat. Progesteron ist auch für die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter wichtig.

Spezielle Ultraschall-Untersuchung

Um mögliche Veränderungen in oder an der Gebärmutter oder den Eileitern abzuklären, kann eine spezielle Ultraschall-Untersuchung, die Hysterosalpingo-Kontrastsonografie (HSKS), durchgeführt werden. Bei der HSKS wird vor der Untersuchung ein Kontrastmittel gespritzt, um die Strukturen und die Durchgängigkeit der Gebärmutter (griechisch: Hystera) und der Eileiter (griechisch: Salpinx) auf dem Ultraschallbild gut erkennen zu können.

Das Ultraschallbild kann Hinweise auf Veränderungen in der Gebärmutterhöhle (wie Myome, Vernarbungen und Polypen) geben. Es zeigt auch, ob und wie das Kontrastmittel durch die Eileiter fließt. Die Untersuchung lässt sich ambulant und ohne Narkose machen. Das Kontrastmittel kann menstruationsähnliche Schmerzen auslösen. Allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel oder eine Gebärmutterentzündung infolge des Eingriffs werden sehr selten beobachtet.

Ein anderes Verfahren ist die Hysterosalpingografie (HSG). Es wird seltener angewendet als die HSKS. Mithilfe einer kontrastgebenden Flüssigkeit macht die Ärztin oder der Arzt eine Röntgenaufnahme der inneren Fortpflanzungsorgane. Auf dem Röntgenbild wird sichtbar, wie sich die Gebärmutterhöhle und die Eileiter mit dem Kontrastmittel füllen. Veränderungen in der Gebärmutterhöhle oder am Abgang der Eileiter können so festgestellt werden. Das Bild zeigt auch, ob die Eileiter durchgängig sind.

Besteht nach einer dieser Untersuchungen der Verdacht, dass die Eileiter verschlossen sind, empfiehlt die Ärztin oder der Arzt wahrscheinlich eine Bauchspiegelung.

Bauchspiegelung

Die Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist eine kleine Operation und im Rahmen einer Kinderwunsch-Diagnostik die häufigste Methode zur Untersuchung der Eileiter, der Eierstöcke, der Gebärmutter und des gesamten übrigen Bauchraums. Bestandteil einer Bauchspiegelung ist neben einer Gebärmutterspiegelung (siehe unten) meist auch die sogenannte Chromopertubation. Dabei werden die Eileiter mit einer Farbstofflösung durchspült, um ihre Durchgängigkeit zu testen. Während einer Bauchspiegelung lassen sich auch Zysten, kleine Myome, Verwachsungen oder Endometriose-Herde entfernen.

Für eine Bauchspiegelung bekommt die Frau eine Vollnarkose. Die Ärztin oder der Arzt macht einen ein Zentimeter langen Schnitt unterhalb des Bauchnabels, um die Untersuchungsinstrumente einführen zu können. Vor der Untersuchung wird Kohlendioxidgas in die Bauchhöhle geleitet, um die Bauchdecke anzuheben und so etwas mehr Platz zu schaffen. Danach wird das Laparoskop eingeführt, ein Gerät zur Spiegelung der Bauchhöhle. Es besteht aus einem dünnen Metallstab mit einem eingebauten Linsensystem und einer winzigen Kamera. Ihre Bilder werden auf einen Monitor übertragen.

Die Bauchspiegelung ist mit den normalen Risiken verbunden, die bei jeder Operation auftreten können, wie Narkoseprobleme, Blutungen und Verletzungen. Wird der Eingriff aufgezeichnet, besteht die Möglichkeit, sich von der Ärztin oder dem Arzt die Bilder erläutern zu lassen.

Gebärmutterspiegelung

Die Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) wird durchgeführt, um Fehlbildungen, Verwachsungen, Myome und Schleimhautveränderungen in der Gebärmutter zu erkennen. Dazu wird ein dünnes Röhrchen mit einer Optik (Hysteroskop) durch die Scheide und den Gebärmutterhals in die Gebärmutter eingeführt.

Mithilfe von Kohlendioxidgas oder einer Flüssigkeit wird die Gebärmutter entfaltet. Die Ärztin oder der Arzt kann nun die Gebärmutterhöhle und die Zugänge zu den Eileitern betrachten.   Eine Gebärmutterspiegelung ist risikoarm und kann ambulant durchgeführt werden. Auch im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung sind kleinere operative Eingriffe möglich, die eine kurze Vollnarkose erfordern.

Untersuchung nach dem Geschlechtsverkehr (Postkoitaltest)

Falls der Mann genügend befruchtungsfähige Spermien produziert und die Frau einen Zyklus mit Eisprung hat, kann der sogenannte Postkoital- oder „Morgen-danach“-Test gemacht werden. Dabei wird untersucht, ob nach einem Geschlechtsverkehr genügend Spermien durch den Gebärmutterhals in Richtung Gebärmutter und Eileiter wandern können.

Ein bis drei Tage vor dem Eisprung dokumentiert die Ärztin oder der Arzt die Beschaffenheit des Gebärmutterhalsschleims (Zervixschleims) der Frau. Hat das Paar dann Geschlechtsverkehr, wird der Zervixschleim einige Stunden später erneut untersucht, um zu sehen, ob und wie viele befruchtungsfähige Spermien sich darin befinden. Der Test kann unter anderem Hinweise geben, ob es eine Unverträglichkeit zwischen den Bestandteilen des weiblichen Zervixschleims und den männlichen Spermien gibt. Da die Aussagekraft des Tests in der Reproduktionsmedizin umstritten ist, führen einige Zentren ihn nicht mehr durch.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.08.2013