Die Samenübertragung (Insemination)

Bei der Insemination bringt die Ärztin oder der Arzt befruchtungsfähige Samenzellen in die Gebärmutter der Frau ein. Sie sollen die Eizelle dadurch schneller und in größerer Menge erreichen als bei einer normalen Befruchtung.

Befüllter Spermabecher © BZgA/HN/Eichhöfer

Die Samenübertragung (Insemination) ist eine Kinderwunsch-Behandlung, bei der mit medizinischer Hilfe die Eizelle im Körper der Frau befruchtet werden soll. Am häufigsten werden dafür die Samenzellen des Mannes direkt in die Gebärmutter der Frau übertragen (intrauterine Insemination). Die Insemination ist normalerweise schmerzfrei.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Samenübertragung: die Übertragung des Samens vom Partner der Frau und die Übertragung von Spendersamen.

Gründe für eine Insemination

Eine Insemination mit dem Samen des Partners (homologe Insemination) kommt infrage, wenn

  • ein Paar keinen Geschlechtsverkehr haben kann,
  • die Zeugungsfähigkeit des Mannes durch zu wenige oder nicht genügend bewegliche Samenzellen leicht eingeschränkt ist,
  • bei der Frau der Zervixschleim zum Zeitpunkt des Eisprungs so beschaffen ist, dass die Samenzellen ihn entweder nicht durchdringen oder darin nicht überleben können.
  • ein Paar seit längerer Zeit unfruchtbar ist, die Ursache dafür aber nicht gefunden werden kann (idiopathische Infertilität).

Eine Kinderwunsch-Behandlung mit dem Samen eines anderen Mannes (heterologe oder donogene Insemination) ist möglich, wenn 

  • der eigene Partner unfruchtbar ist,
  • eine alleinstehende oder lesbische Frau schwanger werden möchte.

Bei bestimmten Erkrankungen der Frau sollte eine Insemination nicht durchgeführt werden. Dazu gehören unter anderem eine Entzündung des Gebärmutterhalses, eine Endometriose oder ein beidseitiger Verschluss der Eileiter. Ist die Zeugungsfähigkeit des Mannes zu stark eingeschränkt, raten Ärztinnen und Ärzte eher zu einer künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation oder ICSI).

Wie läuft eine Insemination ab?

Am häufigsten wird der Samen direkt in die Gebärmutter übertragen. Die Behandlung geht fast immer mit einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke einher. Medikamente in Form von Tabletten und/oder Spritzen regen die Eizellreifung an. Ultraschall-Untersuchungen und Hormonbestimmungen im Blut geben Auskunft über die Größe und die Reife des Eis. Zum entsprechenden Zeitpunkt wird der Eisprung ausgelöst. Spätestens 36 Stunden danach findet die Samenübertragung statt.

Am Tag der Insemination wird frisches Sperma benötigt. Dazu masturbiert der Mann in einem speziellen Raum des reproduktionsmedizinischen Zentrums. Das Sperma wird sodann im Labor aufbereitet, dabei mit einer speziellen Flüssigkeit vermischt und zentrifugiert. Auf diese Art lassen sich die Samenzellen von der Samenflüssigkeit trennen. Außerdem filtert das Labor möglichst viele befruchtungsfähige Samenzellen heraus.

Die Samenzellen werden dann mit einem dünnen Schlauch (Katheter) in die Gebärmutter eingebracht. Anschließend bleibt die Frau noch einige Minuten liegen. 2009 ergab eine große niederländische Studie, dass sich die Chancen auf eine Befruchtung erhöhen, wenn sie eine Viertelstunde ruht, statt sofort aufzustehen.

Möglich ist außerdem, die Spermien in einer Kappe vor den Muttermund zu bringen. Die Erfolgschancen dieser Methode sind jedoch geringer. Da die Samenzellen zuvor nicht aufbereitet werden müssen, kann dieses Verfahren in jeder Frauenarztpraxis angeboten werden.

Chancen und Risiken einer Insemination

Die Erfolgsaussichten einer Insemination hängen stark vom Alter und den körperlichen Voraussetzungen der Frau sowie von der Anzahl befruchtungsfähiger Samenzellen des Mannes ab.

Ohne vorherige Hormonstimulation beträgt die durchschnittliche Chance auf eine Schwangerschaft bei Paaren mit eingeschränkter Fruchtbarkeit etwa fünf Prozent pro Versuch. Nach einer Hormonstimulation steigt sie auf durchschnittlich acht bis zwölf Prozent pro Versuch. Untersuchungen weisen allerdings darauf hin, dass die Hormonstimulation die Chance auf eine Schwangerschaft nur bei Paaren mit unerklärbarer Unfruchtbarkeit merklich erhöht. Ist die Zeugungsfähigkeit des Mannes zu stark eingeschränkt, bleibt sie wirkungslos. Dann kommt vielleicht eine künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation oder ICSI) infrage.

Eine Hormonstimulation kann körperlich belastend und mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein. In seltenen Fällen führt sie zum sogenannten Überstimulationssyndrom, bei dem der Körper der Frau auf die Hormonpräparate „überreagiert“. Es können dann Bauchschmerzen, Übelkeit, Spannungsgefühle im Bauch sowie Kurzatmigkeit auftreten. Die Ärztin oder der Arzt muss dann sofort verständigt werden. In seltenen schweren Fällen ist eine Klinikbehandlung notwendig.

Reifen durch die Stimulation mehrere Eibläschen heran, erhöht sich außerdem die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft. Sie bringt für eine Schwangere eine deutlich höhere körperliche Beanspruchung mit sich. Auch das Risiko von vorzeitigen Wehen und Frühgeburten ist bei Mehrlingen deutlich erhöht.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.09.2013