Hormonbehandlung und hormonelle Stimulation

Bei der Behandlung von weiblichen Fruchtbarkeitsstörungen spielen Hormonpräparate eine wichtige Rolle. Auch wenn eine Fruchtbarkeitsstörung beim Mann liegt, greift die Behandlung oft in den Hormonhaushalt der Frau ein.

Hand hält Tablettenpackung © BZgA/HN/Eichhöfer

Fruchtbarkeitsstörungen haben bei Frauen häufig hormonelle Gründe. Sie betreffen vor allem die Eizellreifung. Je nach Art der Hormonstörung, ihrem Ausmaß und dem Zeitpunkt, an dem der Monatszyklus gestört ist, kommen verschiedene Hormontherapien infrage.

Eine Hormonbehandlung ist oft langwierig und mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden. Sie sollte deshalb stets so niedrig wie möglich dosiert und genau auf das individuelle Problem abgestimmt sein. Außerdem darf sie nur unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden. Der Behandlung vorausgehen muss immer eine gründliche Diagnostik, zu der auch die eingehende Untersuchung des Partners gehört.

Diagnostik: Zyklusbeobachtung

Zur Diagnostik von weiblichen Fruchtbarkeitsstörungen und zugleich zur Vorbereitung auf eine mögliche Hormonbehandlung wird häufig zunächst der Zyklus der Frau beobachtet (Zyklusmonitoring). Sein Verlauf lässt sich mit Ultraschall und durch Bestimmung verschiedener Hormonwerte im Blut genau untersuchen. An verschiedenen Tagen im Zyklus überprüft die Ärztin oder der Arzt die Größe des heranreifenden Eibläschens sowie das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut.

Die Zyklusbeobachtung kann die Chancen für eine Schwangerschaft verbessern, da mit ihr auch der optimale Zeitraum für eine Befruchtung festgestellt werden kann.

Zu viel Prolaktin

Ein hormonelles Ungleichgewicht kann durch eine Überproduktion des Hormons Prolaktin entstehen (Hyperprolaktinämie). Prolaktin ist ein Hormon, das unter anderem nach der Geburt die Milchproduktion der Mutter anregt und gleichzeitig den Eisprung unterdrückt. Bei nicht schwangeren Frauen kann ein erhöhter Prolaktinspiegel die Eierstockfunktion und damit die Empfängnisfähigkeit entscheidend einschränken.

Mögliche Ursachen für erhöhte Prolaktinwerte sind zum Beispiel Störungen der Schilddrüsenfunktion, die Einnahme spezieller Medikamente (Antiallergika, Antidepressiva u.a.) oder eine Tumorerkrankung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Wenn diese Ursachen ausgeschlossen wurden, kann die Frau prolaktinhemmende Medikamente einnehmen. Sie sollen die Prolaktinwerte normalisieren und einen regelmäßigen Zyklus mit Eisprung wieder ermöglichen.

Zu viele männliche Hormone

Auch Frauen bilden in geringen Mengen männliche Hormone (Androgene), darunter Testosteron und DHEA-S. Sie werden in den Eierstöcken, der Nebennierenrinde und im Fettgewebe produziert. Der weibliche Körper braucht sie für die Bildung von Östrogenen, der wichtigsten weiblichen Hormongruppe. Ein Zuviel an Testosteron und DHEA-S kann jedoch die Eierstockfunktion massiv beeinträchtigen und darüber hinaus zu einigen männlichen körperlichen Merkmalen führen (verstärkter Haarwuchs an entsprechenden Körperstellen, Akne und Haarausfall). Wenn sich außerdem vermehrt Zysten in den Eierstöcken bilden und der Zyklus gestört ist, spricht die Medizin von einem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO).

Eine Überproduktion von männlichen Geschlechtshormonen tritt häufig zusammen mit starkem Übergewicht auf. Meist wird betroffenen Frauen empfohlen, ihren Hormonhaushalt auf natürliche Weise zu normalisieren, indem sie abnehmen.

In anderen Fällen können Medikamente helfen, sowohl die Bildung der männlichen Hormone als auch ihre Wirkung auf den weiblichen Zyklus zu verringern.

Hormonbehandlung bei einer Eierstockschwäche

Bei der primären Eierstockschwäche (Ovarialinsuffizienz) schüttet der Eierstock weniger Östrogen aus. In der Folge produziert der Körper vermehrt das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH), um die Eierstöcke zu stimulieren. Bei einer Eierstockschwäche ist die Reifung der Eibläschen gestört, sodass kein Eisprung mehr stattfindet und die Menstruation ausbleibt. Die Ursachen können sehr vielfältig sein und bleiben häufig unklar. 

Lassen sich in den Eierstöcken mittels einer Gewebeprobe noch genügend entwicklungsfähige Vorstufen von Eizellen finden, können Hormonpräparate die Eierstockfunktion möglicherweise wieder herstellen.

Hormonelle Stimulation

Frauen mit Zyklusproblemen erhalten häufig niedrig dosierte Hormonpräparate, die das Reifen der Eizellen anregen sollen. Ergibt die Ultraschallkontrolle, dass die Eibläschen eine bestimmte Größe und Reife erreicht haben, kann mit einem weiteren Hormon der Eisprung ausgelöst werden. Sodann wird dem Paar empfohlen, zu welchem Zeitpunkt es Geschlechtsverkehr haben sollte.

Stellt die Ärztin oder der Arzt bei der Ultraschall-Untersuchung fest, dass aufgrund der Hormonstimulation zu viele Eizellen herangereift sind, rät sie oder er von einem ungeschützten Geschlechtsverkehr dringend ab. Eine komplikationsreiche Mehrlingsschwangerschaft mit Drillingen, Vierlingen oder gar Fünflingen könnte die Folge sein.

Eine niedrig dosierte hormonelle Stimulation geht oft einer Samenübertragung in die Gebärmutter (Intrauterine Insemination) voraus, um die Chancen auf eine Befruchtung der Eizelle zu erhöhen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn bei den Voruntersuchungen bei der Frau Veränderungen am Gebärmutterhals festgestellt wurden oder beim Mann die Zahl, Beweglichkeit oder Form der Spermien nicht optimal, aber noch recht gut sind. Für schwere Formen einer gestörten Samenzellproduktion eignet sich das Verfahren nicht.

Hormonelle Stimulation bei IVF oder ICSI

Die hormonelle Stimulation der Eierstöcke ist fester Bestandteil verschiedener Verfahren der künstlichen Befruchtung – selbst wenn die Fruchtbarkeit nicht bei der Frau, sondern beim Partner beeinträchtigt ist. Die hormonelle Stimulation soll dafür sorgen, dass mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen, um sie im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) befruchten zu können.

Es kommen verschiedene hormonelle Stimulationsverfahren infrage: mit Tabletten oder Spritzen, die jedoch meist kombiniert werden. Oft nimmt die Frau vor der eigentlichen Stimulation der Eierstöcke eine Zeitlang die Pille, um den Zeitpunkt des nachfolgenden Stimulationszyklus besser kontrollieren zu können.

Die Stimulationsbehandlung beginnt in den ersten drei Tagen der nächsten Regelblutung damit, dass täglich hoch dosierte Hormonpräparate genommen werden. In den darauf folgenden fünf Tagen kontrolliert die Ärztin oder der Arzt die Reifung der Eizellen per Ultraschall und bestimmt die Hormonwerte mit Bluttests. Ziel der Stimulation ist, dass die Eierstöcke mehrere Eibläschen gleichzeitig bilden.

Haben die Eibläschen die bestmögliche Größe erreicht, löst die Ärztin oder der Arzt mit einer Hormongabe den Eisprung aus. Etwa 36 Stunden später erfolgt in örtlicher Betäubung oder einer Kurznarkose die Eizell-Entnahme. Dazu führt die Ärztin oder der Arzt unter Ultraschallkontrolle ein feines Punktionsgerät in die Scheide der Frau ein und entnimmt die Eizellen aus dem Eierstock. Die Eizellen können dann außerhalb des Körpers befruchtet werden.

Risiko der Überstimulation

Eine hormonelle Stimulation birgt Risiken. Es können unangenehme Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Schwindelgefühle und Sehstörungen auftreten. Deshalb bedarf die Behandlung einer sorgfältigen ärztlichen Kontrolle, insbesondere wenn die Frau sich die täglichen Hormongaben selbst spritzt.

In seltenen Fällen kommt es zum sogenannten ovariellen Überstimulationssyndrom (OHSS). Dabei vergrößern sich die Eierstöcke oder es entstehen zu viele und zu große Eibläschen. Ein Überstimulationssyndrom verursacht einen aufgeblähten Bauch, Schmerzen, Übelkeit und Atemnot. Die Ärztin oder der Arzt muss sofort verständigt werden. Bei starken Symptomen kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig werden. Im Extremfall kann ein OHSS lebensbedrohlich sein.

Eine sorgfältige Diagnostik im Vorfeld der Behandlung und die engmaschige Kontrolle der Hormonwerte sowie der Eizellreifung können das Risiko eines OHSS senken, aber nicht gänzlich ausschließen.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.09.2013