Betreuung durch eine Hebamme

Seit Jahrhunderten leisten Hebammen mit ihrem Wissen und Können Schwangeren und jungen Müttern Beistand. Ihre Aufgaben umfassen die Schwangerenvorsorge, Geburt- und Wochenbett-Betreuung sowie die Unterstützung bei der Säuglingsversorgung und in der Stillzeit.

Betreuung in der Schwangerschaft

Hebamme behandelt schwangere Frau im Bett, Mann betrachtet seine Partnerin dabei © BZgA/HN/Eichhöfer

Hebammen unterstützen und beraten werdende Mütter und Väter während der Schwangerschaft. Sie sind befugt, die Schwangerschaft festzustellen und den Mutterpass auszustellen. Wenn keine Risikoschwangerschaft vorliegt und die Schwangere gesund ist, können Hebammen fast alle im Mutterpass vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen durchführen. Ausgenommen sind Ultraschall-Untersuchungen, die Ärztinnen oder Ärzten vorbehalten sind. Hebammen helfen bei Schwangerschaftsbeschwerden, bieten Schwangerschaftsgymnastik und Geburtsvorbereitungskurse an und geben Entscheidungshilfen bei der Auswahl des Geburtsorts und der Geburtsmethode. 

Begleitung während und nach der Geburt

Bei einem normalen Geburtsverlauf kann eine Hebamme eigenverantwortlich die Geburt leiten. Sie überwacht den Zustand des Kindes und unterstützt die Mutter dabei, die Geburtswehen zu verarbeiten und die Geburtsschmerzen zu bewältigen. Sie beobachtet den Verlauf der Geburt bis zur Entbindung und entscheidet, ob zusätzliche medizinische Hilfe nötig ist. In diesem Fall zieht sie eine Ärztin oder einen Arzt hinzu.

Zu ihren Aufgaben nach der Geburt gehört die Beurteilung der lebenswichtigen Funktionen des Neugeborenen: Sie prüft, ob Atmung, Puls, Grundspannung, Aussehen und Reflexe normal sind. Die Hebamme ist außerdem für die Erstversorgung der Mutter nach der Geburt zuständig. Nicht zuletzt sorgt sie dafür, dass das Kind möglichst früh angelegt wird, um das Stillen in Gang zu bringen.

Wochenbett-Betreuung

Auch nach der Geburt ist die Hebamme für eine Mutter und ihr Kind da. Während des Wochenbetts macht sie Hausbesuche. Sie kontrolliert den Wochenfluss und die Gebärmutterrückbildung, versorgt Wundnähte (zum Beispiel eine Dammnaht), gibt Tipps bei Nachwehen und bei Beschwerden während des Milcheinschusses. Sie hilft der Mutter, damit das Stillen gelingt. Sie überprüft den Gesundheitszustand des Neugeborenen, versorgt den Nabel und gibt Anleitungen zur Säuglingspflege. Eltern können sich mit ihren Fragen jederzeit an sie wenden – dies kann ihnen helfen, mit dem Neugeborenen sicherer umzugehen.

Freiberufliche Hebammen

Freiberufliche Hebammen führen Geburtsvorbereitungskurse durch, begleiten Schwangere bei der Geburt und kümmern sich während des Wochenbetts und der Stillzeit um Mutter, Kind und die junge Familie. Viele freiberufliche Hebammen verfügen über Zusatzausbildungen in alternativen Behandlungsmethoden.

Nicht alle freiberuflichen Hebammen bieten Geburtsbegleitung an, und es ist auch nicht in jeder Klinik und in jedem Geburtshaus möglich, die eigene Hebamme „mitzubringen“. Dies muss in einem Erstgespräch mit der Hebamme und später bei der Auswahl der Klinik geklärt werden.

Klinikhebammen

Die Hauptaufgabe der angestellten Hebammen ist die Geburtshilfe im Kreißsaal. Sie betreuen Schwangere vor und während der Geburt. Meist arbeiten mehrere Hebammen im Schichtdienst. Damit ist sichergestellt, dass grundsätzlich jede Klinikgeburt von einer Hebamme begleitet wird.

Zu den Aufgaben einer Klinikhebamme gehört auch die Begleitung der Eltern bei Fehl- oder Totgeburten.

Viele Klinikhebammen sind neben ihrer angestellten Tätigkeit noch freiberuflich tätig und bieten auch Geburtsvorbereitungskurse, Schwangerschaftsvor- und nachsorge an.

Beleghebammen

Beleghebammen sind freiberufliche Hebammen, die mit einer Klinik oder mehreren Kliniken einen Vertrag geschlossen haben, um die Kreißsäle dort für Geburten zu nutzen. Es gibt kleine Kliniken, die nur mit Beleghebammen arbeiten, und Krankenhäuser, in denen Beleghebammen neben fest angestellten Hebammen arbeiten.

Viele Beleghebammen haben eine eigene Praxis, in der sie Vorsorge, Geburtsvorbereitung, Geburtsbegleitung, Wochenbettpflege und weitergehende Betreuung nach der Geburt anbieten. In der Regel kennen sie die Schwangeren gut, und es besteht ein Vertrauensverhältnis, das der werdenden Mutter und dem Vater während der Geburt Sicherheit vermittelt. Wer mit der „eigenen“ Beleghebamme zur Entbindung in die Klinik kommt, muss auch keinen Wechsel der Betreuung bei der Geburt befürchten. Ein solcher Wechsel irritiert viele Gebärende, weil sie sich ausgerechnet in der anstrengenden Geburtssituation auf einen neuen Menschen einstellen müssen.

Schwangere, die von einer Beleghebamme begleitet werden möchten, sollten sich vor Ort frühzeitig über dieses Angebot informieren.

Hebammenhilfe steht Schwangeren zu

Jede gesetzlich krankenversicherte Frau hat einen Anspruch auf Hebammenhilfe. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen:

  • Beratungen in der Schwangerschaft
  • Vorsorgeuntersuchungen (soweit sie nicht von einer Ärztin oder einem Arzt vorgenommen wurden)
  • Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden oder Wehen
  • die Geburtsvorbereitung (einzeln oder in Gruppen)
  • die Betreuung bei der Geburt (oder Fehlgeburt) im Krankenhaus, im Geburtshaus oder zu Hause
  • die Wochenbett-Betreuung (Nachsorge) bis acht Wochen nach der Geburt. Bis zum zehnten Tag nach der Geburt hat jede Mutter Anspruch auf maximal 20 Hebammenbesuche. Bis ihr Kind acht Wochen alt ist, kann sie Hebammenhilfe darüber hinaus bis zu 16-mal telefonisch oder durch einen Hausbesuch in Anspruch nehmen, auf ärztliche Anordnung auch länger. Bei größeren Problemen mit dem Stillen, der Wundheilung von Dammverletzungen, einer verzögerten Rückbildung oder anderen Schwierigkeiten sind in diesem Zeitraum auch zusätzliche Hausbesuche möglich.
  • Rückbildungsgymnastik

Bei Bedarf können noch bis zum Ende der Stillzeit weitere Beratungsgespräche und Hausbesuche vereinbart werden. Treten Komplikationen auf, zahlen die Kassen auf Rezept auch noch weitere Hausbesuche. Erkundigen Sie sich am besten vorher bei Ihrer gesetzlichen Krankenversicherung, welche Kosten übernommen werden. 

Privat krankenversicherte Frauen sollten vor der Entscheidung über Art und Umfang der Hebammenbetreuung die Kostenübernahme mit ihrer Krankenversicherung besprechen, da sie nur das übernimmt, was vertraglich festgelegt wurde.

Die richtige Hebamme finden

Eine werdende Mutter kann selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie die Leistungen einer Hebamme in Anspruch nehmen möchte. Viele Schwangere fühlen sich mit einer Hebamme ihres Vertrauens sicherer und sehen der Geburt und der ersten Zeit mit dem Neugeborenen gelassener entgegen.

Adressen von freiberuflich tätigen Hebammen vermitteln die Hebammenverbände und -netzwerke. Auch Ärztinnen und Ärzte können bei der Auswahl behilflich sein. In Kliniken und Geburtshäusern gibt es Listen mit den dort arbeitenden Hebammen. Kliniken können allerdings wegen des Schichtdienstes keine Gewähr dafür geben, dass eine bestimmte Hebamme während der Geburt auch tatsächlich anwesend ist.

Zur Hebammensuche

Wenn eine Schwangere möchte, dass die Hebamme ihres Vertrauens die Geburt in der Klinik oder im Geburtshaus begleitet, muss sie im Vorfeld klären, mit welchen Einrichtungen diese als Beleghebamme zusammenarbeitet. So lässt sich ein unfreiwilliger Hebammenwechsel bei der Geburt vermeiden.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 07.05.2014