Ernährungsrisiken in der Schwangerschaft

Solange die werdende Mutter gesund ist, kann sie fast alles essen, was sie mag. Ein paar Lebensmittel sollte sie allerdings besser gar nicht oder nur in Maßen genießen.

Rohmilch- und Rohfleisch-Produkte

verschiedene Käsesorten © matka_Wariatka/iStock/Thinkstock
© matka_Wariatka/iStock/Thinkstock

In unverarbeiteten Lebensmitteln und besonders in Rohmilch und Rohmilch-Produkten können sich Listerien befinden. Das sind Bakterien, die Listeriose auslösen können, eine Infektionskrankheit, die selten vorkommt und für Erwachsene normalerweise harmlos ist. In der Schwangerschaft kann sie jedoch das Ungeborene gefährden.

Auf rohem Fleisch sowie ungewaschenem Obst und Gemüse können sich außerdem die Krankheitserreger von Toxoplasmose befinden. Auch Toxoplasmose ist eine normalerweise harmlose Infektionskrankheit, die aber für das Ungeborene gefährlich werden kann.

Schwangeren wird deshalb empfohlen, 

  • keinen Weich- oder Rohmilchkäse zu essen, 
  • vor dem Verzehr von Käse die Rinde abzuschneiden 
  • sowie auf rohes Fleisch, Rohwurst (z.B. Salami oder Teewurst) und Rohschinken, rohen Fisch und rohe Meerestiere, rohe Eier und Räucherfisch zu verzichten. 

Waschen Sie frisches Gemüse und Obst vor dem Verzehr gründlich und garen Sie Fleisch gut durch.

Wichtig ist auch, auf Küchenhygiene zu achten. Wenn Küchenutensilien sowohl für Speisen verwendet werden, die anschließend gekocht werden, als auch für rohe Speisen, sollten sie dazwischen gründlich gereinigt werden. 

Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig und gründlich, insbesondere nach dem Zubereiten von rohem Fleisch sowie nach Garten-, Feld- oder anderen Erdarbeiten.

Leber

Leber enthält besonders viel Vitamin A. Vitamin A ist zwar wichtig für das Zell- und Gewebewachstum, besonders für die Lungenentwicklung des ungeborenen Babys. Zu viel Vitamin A kann dem Ungeborenen aber schaden. Daher sollten Frauen im ersten Drittel der Schwangerschaft auf Leber verzichten. Weichen Sie auf Lebensmittel aus, die nicht ganz so hohe Mengen an Vitamin A enthalten, zum Beispiel Milchprodukte, Eigelb, Möhren und grünblättriges Gemüse. Nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel können Sie Leber essen, allerdings nicht mehr als 125 Gramm pro Woche. 

Kaffee, Tee und Cola

Nimmt die werdende Mutter größere Mengen koffeinhaltiger Getränke zu sich, führt das möglicherweise zu einem geringeren Geburtsgewicht des Kindes. Bis zu drei Tassen Kaffee pro Tag werden aber als unbedenklich angesehen. Schwarzer und grüner Tee sowie Kakao enthalten ebenfalls Koffein, jedoch deutlich weniger als Kaffee. Cola und Energy-Drinks können dagegen ebenso viel oder sogar mehr Koffein enthalten als Kaffee. 

Wichtig ist, auf die tägliche Gesamtmenge zu achten: Wer viel schwarzen Tee trinkt, verzichtet besser auf die Tasse Kaffee zwischendurch – oder schränkt den Teekonsum ein. Stattdessen bieten sich neben Wasser zuckerfreie Früchte- und Kräutertees sowie in Maßen auch verdünnte Obstsäfte an.

Mohn

Vor einigen Jahren gingen Warnungen durch die Presse, dass Speisemohn teilweise hohe Mengen an Morphin (Opiaten) enthalte, die gesundheitsschädlich sein könnten. Schwangeren wurde deshalb vom Verzehr von Mohn abgeraten.

Wie sich herausstellte, handelte es sich bei den erhöhten Morphin-Gehalten im Speisemohn um Verschmutzungen bei der Produktion. Seither wurde viel unternommen, um die Mohnsaat besser zu reinigen und so die Morphin-Gehalte zu senken. Die Gefahr, über Mohn gesundheitsgefährdende Mengen an Morphin aufzunehmen, ist deshalb heute deutlich geringer. Wer ganz sichergehen möchte, spült den Mohn im Küchensieb unter fließendem heißem Wasser gründlich ab – so, wie man es auch mit Hülsenfrüchten oder Reis macht. Auch das Backen senkt den Morphingehalt insbesondere bei gemahlenem Mohn deutlich: Nach 20 Minuten Backen bei 220 Grad enthält der Backmohn nur noch etwa ein Viertel des ursprünglichen Morphingehalts.

Mohngebäck aus der Bäckerei kann im Allgemeinen bedenkenlos gegessen werden, da hierfür industriell hergestellte, praktisch morphinfreie Mohnmasse verwendet wird.

Lakritz

Lakritz sollte in der Schwangerschaft nur in Maßen genossen werden. Es enthält die Substanz Glycyrrhizin, die Bluthochdruck und andere Nebenwirkungen auslösen kann und außerdem im Verdacht steht, sich negativ auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes auszuwirken. Möglicherweise erhöht es den Gehalt von Cortisol (ein Stresshormon) im Organismus des Kindes, das mit Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen in Verbindung gebracht wird. Die vorhandenen Studien können aber bislang keinen ursächlichen Zusammenhang beweisen.

Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) rät Schwangeren, nicht mehr als 100 Milligramm Glycyrrhizin pro Tag zu sich zu nehmen. Diese Menge ist in etwa 100 Gramm normaler Lakritze bzw. in 50 Gramm Starklakritze enthalten. Starklakritze enthalten mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm und müssen in Deutschland als solche gekennzeichnet sein.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 13.09.2018