Stillen nach Kaiserschnitt

Nach einem Kaiserschnitt können Sie Ihr Baby genauso stillen wie nach einer normalen Geburt. Manchmal braucht es zu Beginn ein wenig Geduld und etwas mehr Unterstützung.

Stillen und Narkose

Wurde der Kaiserschnitt mit einer regionalen Betäubung (PDA) durchgeführt, steht dem frühen Stillen nichts im Weg. Ein früher Hautkontakt von Mutter und Kind und das Saugen an der Brust regen die Milchbildung an und begünstigen damit den Stillbeginn. Geht es Mutter und Kind gut, ist es in vielen Krankenhäusern deshalb üblich, der Mutter das Baby nach dem Kaiserschnitt sofort auf die nackte Brust zu legen – noch während die Wunde versorgt wird. 

Sobald Sie Ihr Baby im Arm haben, können Sie also mit dem Stillen beginnen. Das gilt auch nach einer Vollnarkose, sobald Sie aufgewacht und orientiert sind. Die Konzentration des Narkosemittels im Blut ist dann bereits so niedrig, dass es dem Kind nicht schadet.

Die Hebamme kann Sie dabei unterstützen, eine angenehme Stillposition zu finden, bei der die Wunde nicht belastet wird. Ein Kissen kann die Naht schützen. Helfen kann auch, beim Stillen die Beine anzuziehen. Das entlastet die Narbe. Manche Mütter stillen lieber seitlich im Liegen.

Hautkontakt tut gut

Durch das frühe Stillen erhält das Baby nicht nur die wertvolle Vormilch (Kolostrum), sondern auch viel Nähe und Hautkontakt. Das hilft beim Ankommen in der Welt, gibt Geborgenheit und unterstützt die Bindung zwischen Mutter und Kind. Besonders Frauen, die einen Notkaiserschnitt erlebt haben, kann die Nähe beim Stillen helfen, den Eingriff seelisch zu verarbeiten. Wie bei einer normalen Geburt führen die Nähe und das Stillen bei der Mutter zur Ausschüttung von Oxytocin, einem Hormon, das Glücks- und Liebesgefühle auslöst und die Heilung und Rückbildung der Gebärmutter fördert.

Wenn zunächst nicht gestillt werden kann

Kann das Kind innerhalb der ersten sechs Stunden nach der Geburt nicht angelegt werden, weil Mutter oder Kind medizinisch behandelt werden müssen und deshalb zunächst getrennt werden, ist es ideal, wenn die Mutter die wertvolle Vormilch mit der Hand aus der Brust ausstreicht und sie dem Kind gegeben wird. Bleiben Mutter und Kind auch über diese ersten Stunden hinaus getrennt, kann die Muttermilch von Anfang an regelmäßig ausgestrichen oder abgepumpt werden, um die Milchbildung anzuregen.

Während vaginal, dass heißt durch die Scheide geborene Kinder in den ersten Stunden nach der Geburt meist sehr wach und aufmerksam sind, sind Neugeborene nach einem Kaiserschnitt manchmal erschöpft und schläfrig. Auch ihr Saugverhalten kann vermindert sein. Hier braucht  die Mutter  Geduld und Unterstützung. Wenn der Saugreflex des Kindes schwach ist, kann die Muttermilch auch zunächst abgepumpt und dem Kind gegeben werden.

Späterer Milcheinschuss

Der eigentliche Milcheinschuss findet nach einem Kaiserschnitt oft etwas verzögert statt, im Durchschnitt etwa drei Tage nach der Geburt. Man nimmt an, dass dies mit der veränderten Hormonausschüttung zusammenhängt. Aber auch Kaiserschnittkinder brauchen in den ersten Tagen gewöhnlich kein Zufüttern, die Vormilch aus der Brust reicht ihnen aus. Stillen nach Bedarf ist nach einem Kaiserschnitt besonders wichtig, damit die Milchbildung gut in Gang kommt. 

Gibt es nach einem Kaiserschnitt Probleme mit dem Stillen, hängen sie in den wenigsten Fällen allein mit dem Kaiserschnitt zusammen. Die Krankenhausroutinen (vor allem früher Haut-zu-Haut-Kontakt), die Unterstützung durch das Krankenhauspersonal und die grundsätzliche Einstellung der Mutter und ihres Partners zum Stillen spielen für den „Stillerfolg“ die größere Rolle. Ist der Beginn erst einmal geschafft, stillen per Kaiserschnitt entbundene Mütter im Durchschnitt genauso lang wie alle anderen Mütter.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.01.2016