Die Pille (Kombi-Pille)

Die Kombi-Pille gilt als sehr sicher und ist das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel. Aber sie ist auch ein Medikament und kann deshalb nicht ganz bedenkenlos eingenommen werden.

Wirkung

Es gibt viele verschiedene Pillensorten. Sie enthalten fast alle eine Kombination der beiden weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen (daher der Name „Kombi-Pille“). Sie unterscheiden sich zum Teil in der Dosierung, in der Zusammensetzung der Hormone und in der Art, wie sie eingenommen werden müssen.

Die Hormone in der Pille haben eine dreifache Wirkung. Erstens hemmen sie die Eizellenreifung und damit den Eisprung. Der gesamte Zyklus der Frau besteht dadurch aus unfruchtbaren Tagen. So kann es zu keiner Befruchtung kommen. Zweitens verändern die Hormone den Schleim im Gebärmutterhals, so dass die Spermien nicht in die Gebärmutter eindringen können. Drittens wird die Gebärmutter-Schleimhaut nur ungenügend aufgebaut. Ein befruchtetes Ei kann sich dadurch nicht einnisten.

Einphasenpillen

Bei sogenannten Einphasenpillen ist in jeder Tablette die gleiche Menge Östrogen und Gestagen in der gleichen Zusammensetzung enthalten. 21 Tage lang wird täglich eine Pille eingenommen. Dann wird die Einnahme für sieben Tage unterbrochen. Während dieser Unterbrechung setzt eine Blutung ein, weil dem Körper keine Hormone mehr zugeführt werden. Die Blutung infolge des Einnahmestopps wird deshalb auch als Abbruchblutung oder Hormonentzugsblutung bezeichnet. Auch während der Zeit, in der keine Pille eingenommen wird, besteht Verhütungsschutz.

Bei manchen Einphasenpillen befinden sich 28 Tabletten in einer Packung, wobei die Pillen der letzten sieben Tage andersfarbig sind und keine Wirkstoffe enthalten. Sie dienen nur dazu, Einnahmefehler zu vermeiden. Hier wird die Pille also ohne Pause eingenommen. Die Blutung tritt während der Einnahme der wirkstofffreien Tabletten ein. 

Außerdem gibt es ein Präparat mit einem „24 und 4“-Einnahmerhythmus. Nach der Einnahme von 24 hormonhaltigen Pillen erfolgt die Einnahme von vier hormonfreien Pillen. Danach wird die Einnahme mit einer neuen Packung fortgesetzt.

Mehrphasenpillen

Bei sogenannten Mehrphasenpillen befinden sich unterschiedlich dosierte Hormontabletten in einer Packung. Die Pillen haben unterschiedliche Farben. Sie müssen genau in der vorgeschriebenen Reihenfolge eingenommen werden. Durch die unterschiedliche Zusammensetzung von Gestagen und Östrogen in einer Pillenpackung soll eine ungefähre Anpassung an den weiblichen Zyklus erreicht werden. Ob Mehrphasenpillen gegenüber Einphasenpräparaten Vorteile haben, ist nicht geklärt.

Pille vergessen?

Wurde einmal eine Tablette vergessen oder zu spät mit der neuen Pillenpackung begonnen, reicht es aus, die Einnahme innerhalb von zwölf Stunden nachzuholen. Dann besteht keine Gefahr, schwanger zu werden. Die weiteren Tabletten werden wie gewohnt genommen.

Sind mehr als zwölf Stunden verstrichen (bei Pillen mit dem Wirkstoff Norgestimat mehr als 24 Stunden; lesen Sie dazu die Packungsbeilage), sollte die Einnahme so schnell wie möglich fortgesetzt werden, auch wenn das bedeutet, zwei Pillen an einem Tag zu nehmen. Mithilfe eines kurzen Tests können Sie herausfinden, ob Sie dann zusätzlich verhüten müssen oder möglicherweise die „Pille danach“ infrage kommt.

Die kostenlose und werbefreie App „Vergissmeinnicht“ der BZgA erinnert Sie rechtzeitig und diskret an die nächste Pilleneinnahme und gibt Hinweise, was bei einer Verhütungspanne getan werden kann.

Hin und wieder eine „Pillenpause“ einzulegen, um festzustellen, ob der natürliche Zyklus noch normal funktioniert, wird heute nicht mehr empfohlen. Auch Frauen, die lange mit der Pille verhütet haben, können nach dem Absetzen rasch schwanger werden.

Erste Anwendung

Wenn Sie zum ersten Mal mit der Pille verhüten, beginnen Sie mit der Einnahme üblicherweise am ersten Tag der Regelblutung. Dann besteht sofort ein ausreichender Empfängnisschutz. Wenn Sie am zweiten bis fünften Zyklustag mit der Einnahme beginnen, müssen Sie in den folgenden sieben Tagen zusätzlich mit einer anderen Methode verhüten, zum Beispiel mit einem Kondom.

Wenn ganz sicher ist, dass Sie nicht schwanger sind, können Sie auch an jedem anderen Tag mit der Anwendung beginnen. Auch dann müssen Sie in den ersten sieben Tagen der Einnahme zusätzlich verhüten.

Für Mehrphasenpräparate gelten zum Teil abweichende Regeln. Sprechen Sie dazu mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. 

Wenn Sie von einer anderen (hormonellen) Verhütungsmethode auf die Pille umsteigen wollen, gelten besondere Regeln. Das gilt auch für den Fall, dass Sie nach einer Geburt oder Fehlgeburt (wieder) mit der Einnahme der Pille beginnen möchten. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie darüber informieren.

Sicherheit

Die Versagerrate bei perfekter Anwendung liegt bei 0,3 bis 1 Prozent, bei typischer Anwendung bei 2,5 bis 9 Prozent. Wird die Pille stets korrekt angewendet, ist sie so sicher wie die Spirale, das Implantat oder die Sterilisation. Im Alltag gelingt das aber nicht immer. Der Hauptgrund ist, dass es einige Frauen im Alltagsstress nicht schaffen, sich immer rechtzeitig ein neues Rezept zu besorgen, und die Pille deshalb nicht pünktlich weitergenommen wird. In diesen Fällen kommt es oft zu einer ungewollten Schwangerschaft. Das gelegentliche Vergessen der Pille hat hingegen seltener schwerwiegende Folgen.

Muss eine Frau innerhalb von drei Stunden nach der letzten Einnahme erbrechen oder hat sie starken Durchfall, kann die Wirkung der Pille beeinträchtigt sein. Auch bestimmte Arzneimittel schränken den Empfängnisschutz ein. Dazu gehören unter anderem Medikamente gegen Epilepsie, gegen Viruserkrankungen sowie Johanniskraut. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wie Sie sich trotzdem zuverlässig vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen können. Das gilt auch vor einer Urlaubsreise mit Zeitverschiebung, bei der die Einnahme der Pille möglicherweise angepasst werden muss.

Vorteile

Mit der Pille kann eine Frau sich weitgehend sicher fühlen. Sie braucht sich um die Verhütung einer Schwangerschaft kaum zu sorgen. Die monatliche Blutung ist in der Regel etwas schwächer und kürzer als die natürliche. Die meisten Frauen und Mädchen vertragen die Pille sehr gut. Bei vielen Mädchen und Frauen verbessert sich unreine Haut. Einige Gestagene wirken besonders günstig auf schwere Akne. Pillen mit diesen Wirkstoffen können deshalb auch zur Behandlung einer schweren Akne verschrieben werden, wenn andere Maßnahmen erfolglos bleiben.

Nachteile

Für viele Frauen ist es nicht einfach, jeden Tag an die Pilleneinnahme zu denken oder sich immer rechtzeitig ein neues Rezept zu besorgen. Passieren Fehler, ist es wichtig zu wissen, was zu tun ist, um nicht ungewollt schwanger zu werden.

Die gängigen Pillen enthalten zwar viel weniger Hormone als frühere Präparate, aber Nebenwirkungen und gesundheitliche Probleme können trotzdem auftreten.

Die meisten Nebenwirkungen sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Manche Frauen leiden zum Beispiel unter Übelkeit und Schwindel, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, sexueller Lustlosigkeit oder einem Spannungsgefühl in den Brüsten. Diese Nebenwirkungen sind aber selten. Treten sie auf, kann es sinnvoll sein, das Präparat zu wechseln. In der ersten Zeit der Einnahme sind Zwischenblutungen häufig, sie verschwinden meist nach zwei bis drei Monaten. Sollten sie anhalten, kann ein anderes Präparat ausprobiert werden. 

Viele Frauen haben Sorge, durch die Pille zuzunehmen. Tatsächlich passiert das aber nur selten. Hier unterscheiden sich die einzelnen Präparate kaum.

Schwerwiegende gesundheitliche Probleme sind sehr selten. Die Pille erhöht leicht das Risiko für Thrombosen, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall und bestimmte Krebserkrankungen. Deshalb ist es wichtig, mit der Ärztin oder einem Arzt über mögliche Vorerkrankungen oder Risikofaktoren zu sprechen. Bei manchen Erkrankungen ist die Pilleneinnahme mit höheren Gefahren verbunden. Auch darüber kann die Ärztin oder der Arzt aufklären. Hier finden Sie weitere Informationen zu besonderen gesundheitlichen Risiken bei der Verhütung mit Hormonen.

Kosten

Je nach Präparat kostet eine Monatspackung zwischen 13 und 23 Euro. Packungen für drei oder sechs Monate sind preiswerter.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 28.02.2018