Die Minipille (Gestagenpille)

Die Minipille ist eine östrogenfreie Pille zur Verhütung. Sie enthält ausschließlich ein Gestagenhormon und hat meist geringere Nebenwirkungen als eine Kombi-Pille. Die Minipille wird ohne Pause eingenommen.

Wirkung

Minipillen enthalten als Wirkstoff entweder das Gestagen-Hormon Levonorgestrel oder Desogestrel, im Gegensatz zur Kombi-Pille aber kein Östrogen. Die Gestagene sorgen dafür, dass sich der Schleim im Gebärmutterhals so verfestigt, dass keine Spermien in die Gebärmutter eindringen können. Außerdem baut sich die Gebärmutter-Schleimhaut nur unzureichend auf, sodass sich eine befruchtete Eizelle nur schwer einnisten kann. Die etwas höher dosierte Minipille mit dem Hormon Desogestrel hemmt zusätzlich noch den Eisprung.

Anwendung

Die Minipille wird ohne Pause eingenommen. Ist die Pillenpackung leer, wird die Einnahme also ohne Unterbrechung am nächsten Tag mit der neuen Packung fortgesetzt.

Nehmen Sie die Minipille mit Levonorgestrel möglichst immer zur selben Tageszeit ein. Die Abweichung darf nicht mehr als drei Stunden betragen.

Die Minipille mit Desogestrel kann bis zu zwölf Stunden nach der üblichen Zeit eingenommen werden, ohne dass der Verhütungsschutz beeinträchtigt ist. Sind mehr als zwölf Stunden vergangen, müssen Sie in den nächsten sieben Tagen zusätzlich verhüten.

Erste Anwendung

Wenn Sie mit der Anwendung der Minipille beginnen, nehmen Sie die erste Tablette üblicherweise am ersten Tag der Regelblutung. Dann besteht sofort ausreichender Verhütungsschutz. Starten Sie erst am zweiten bis fünften Zyklustag damit, müssen Sie sieben Tage lang zusätzlich verhüten, zum Beispiel mit einem Kondom. 

Wenn sicher ist, dass Sie nicht schwanger sind, können Sie auch an jedem anderen Tag mit der Anwendung beginnen, müssen dann aber in den ersten sieben Tagen der Einnahme zusätzlich verhüten.

Wollen Sie von einer anderen (hormonellen) Verhütungsmethode auf die Minipille umsteigen, gelten besondere Regeln. Das gilt auch für den Fall, dass Sie nach einer Geburt oder einer Fehlgeburt (wieder) mit der Anwendung der Minipille beginnen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie darüber informieren.

Sicherheit

Bei der Minipille mit Desogestrel beträgt die Versagerrate bei perfekter Anwendung 0,3 bis 1 Prozent, bei typischer Anwendung 2,4 bis 9 Prozent. Sie ist damit genauso sicher wie die Kombi-Pille. Bei der Minipille mit Levonorgestrel beträgt die Versagerrate bei perfekter Anwendung etwa 1,5 Prozent, bei typischer Anwendung ebenfalls 2,4 bis 9 Prozent. 

Auch für die Minipille gilt also: Bei korrekter Anwendung ist die Verhütungssicherheit sehr hoch. Im Alltag ist der häufigste Grund für ungeplante Schwangerschaften, dass die Einnahme nicht fortgesetzt werden konnte, weil nicht rechtzeitig ein neues Rezept besorgt wurde.

Muss eine Frau innerhalb von drei Stunden nach der letzten Einnahme erbrechen oder hat sie starken Durchfall, kann die Wirkung der Pille beeinträchtigt sein.

Auch bestimmte Arzneimittel schränken den Empfängnisschutz ein. Dazu gehören unter anderem Medikamente gegen Epilepsie, gegen Viruserkrankungen sowie Johanniskraut. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wie Sie sich trotzdem zuverlässig vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen können. Das gilt auch vor einer Urlaubsreise mit Zeitverschiebung, bei der die Einnahme der Minipille möglicherweise angepasst werden muss.

Bei der Minipille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel müssen Frauen darauf achten, sie immer pünktlich zur selben Zeit einzunehmen. Schon eine Verspätung um mehr als drei Stunden kann den Verhütungsschutz beeinträchtigen.

Vorteile

  • Minipillen haben im Allgemeinen geringere Nebenwirkungen als Kombi-Pillen. Sie eignen sich besonders für Frauen, die Östrogene nicht vertragen.
  • Auch die gesundheitlichen Risiken sind geringer als bei der Kombi-Pille. Trotzdem ist es wichtig, sich vor der erstmaligen Verordnung einer Minipille von einer Ärztin oder einem Arzt beraten zu lassen.

  • Auch Frauen, die stillen und trotzdem hormonell verhüten wollen, können die Minipille nehmen. Der Grund: Gestagene verringern nicht die Menge der Muttermilch und verändern auch kaum ihre Zusammensetzung.
  • Die Monatsblutungen werden mit der Minipille meist geringer und Regelschmerzen verschwinden oft.

Nachteile

  • Minipillen mit dem Wirkstoff Levonorgestrel verlangen große Disziplin bei der Einnahme, weil schon eine Verspätung von wenigen Stunden den Verhütungsschutz gefährdet.

  • Frauen, die mit einer Minipille verhüten, haben keine regelmäßigen Blutungen: Bei vielen treten seltene leichte Blutungen auf oder die Blutung bleibt ganz aus. Andere klagen über häufige und verlängerte Blutungen. Bei der Minipille mit dem Wirkstoff Desogestrel sind solche Zyklusstörungen ausgeprägter als bei der Minipille mit Levonorgestrel.

  • Beide Minipillen wirken sich weniger günstig auf eine Akne aus als Kombi-Pillen, in seltenen Fällen kann sogar eine Akne entstehen.

  • Kopfschmerzen, Stimmungsveränderungen, sexuelle Lustlosigkeit oder Brustspannen sind mögliche Nebenwirkungen, treten jedoch seltener auf als bei der Kombi-Pille. Auch die gesundheitlichen Risiken sind geringer als bei der Kombi-Pille.

Wann Sie die Minipille nicht verwenden dürfen (Gegenanzeigen)

Bei bestimmten Erkrankungen oder Allergien darf die Minipille nicht verwendet werden. In manchen Fällen ist die Anwendung der Minipille vielleicht nicht gefährlich, aber nicht zu empfehlen. Um zu erfahren, ob eine bestimmte Erkrankung oder Vorerkrankung in der Familie mit dem von Ihnen gewählten Mittel vereinbar ist oder nicht, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen. Über solche „Gegenanzeigen“ informiert auch der Beipackzettel.

Kosten

Die Minipille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kostet in der Dreimonatspackung etwa 30 Euro. 

Das Präparat mit dem Wirkstoff Desogestrel kostet in der Dreimonatspackung 20 bis 37 Euro.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 03.07.2018