Samentest: in der Praxis oder zu Hause

Männer schreckt oft der Gedanke, sich für eine Spermaprobe in einer Arztpraxis selbst befriedigen zu müssen. Ein Vorgespräch kann klären, wie die Bedingungen dafür in der Praxis sind. Unter Umständen kann die Samenprobe auch zu Hause gewonnen werden.

Mann im Gespräch mit einem Arzt © Getty Images
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Sich selbst zu befriedigen (zu masturbieren), ist etwas sehr Intimes. Die Aussicht, dies für einen Samentest in einer Arztpraxis tun zu müssen – häufig auf einer Toilette und überdies mit Wissen des weiblichen Praxispersonals –, ist für die meisten Männer unangenehm. Aus diesem Grund sollte man sich vorher informieren, unter welchen Bedingungen in der jeweiligen Praxis Samentests durchgeführt werden.

In der Arztpraxis

  • Der Raum, in dem man sich selbst befriedigt, sollte so gelegen sein, dass die Intimsphäre gewahrt bleibt. Dazu gehört auch, dass die Samenprobe in einer Durchreiche zu einem anderen Raum abgestellt werden kann, damit man mit dem Behälter nicht am Wartezimmer oder der Rezeption vorbeilaufen muss.
  • Werden auch mikrobiologische Untersuchungen des Spermas durchgeführt, müssen Penis und Hände vor dem Masturbieren besonders gründlich mit warmem klarem Wasser gereinigt werden. Nicht nur aus diesem Grund sollte es möglich sein, sich in dem Raum ausreichend reinigen und abtrocknen zu können.
  • Unter Umständen ist es hilfreich und entlastend, wenn die Partnerin mitkommt und bei der Samengewinnung hilft.

Zu Hause

Zwischen Samenerguss (Ejakulation) und Untersuchung des Spermas dürfen nicht mehr als 60 Minuten vergehen. Das ist der Hauptgrund dafür, den Samen nach Möglichkeit in einer Arztpraxis zu gewinnen. Allerdings ist dies aus unterschiedlichen Gründen nicht allen Männern möglich. Sie sollten dann mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob und wie die Samenprobe auch zu Hause gewonnen werden kann.

  • Das Sperma muss nach der Ejakulation innerhalb von maximal 60 Minuten und vor allem körperwarm zur Arztpraxis oder zu einem Labor transportiert werden. Für diesen Zweck dürfen nur Spezialbehältnisse verwendet werden, die in der Arztpraxis oder einer Apotheke erhältlich sind. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die Samenprobe verunreinigt oder aus anderen Gründen verfälscht wird. 
  • Beim Masturbieren darf kein Gleitmittel verwendet werden, da es die Beweglichkeit der Spermien vermindern kann. 
  • Will oder kann ein Mann aus ethischen, religiösen oder anderen Gründen nicht masturbieren, kann der Samen auch durch Geschlechtsverkehr gewonnen werden. Dazu sind Spezialkondome aus der Apotheke notwendig, die keine spermienabtötenden Substanzen enthalten. Normale Kondome sind für diesen Zweck nicht geeignet. 
  • Keine Alternative zur Masturbation oder zum Geschlechtsverkehr mit Spezialkondom ist der Versuch, den Samen durch Coitus interruptus zu gewinnen. Das saure Vaginalsekret schädigt die Spermien und führt zu einem ungenauen Untersuchungsergebnis. 
  • Penis und Hände müssen vorher gründlich mit warmem klarem Wasser gewaschen werden, um die Probe nicht zu verunreinigen und das Testergebnis nicht zu verfälschen. 
  • Konnte die Samenprobe versehentlich nicht in vollem Umfang aufgefangen werden, ist es wichtig, dies in der Arztpraxis oder dem Labor mitzuteilen, da auch die Spermamenge beurteilt wird. 
  • Weil sowohl Kälte als auch Hitze Sperma schädigen kann, transportiert man die Samenprobe am besten am Körper oder in der Hosentasche.

Schnelltest zu Hause?

Im Internet werden gelegentlich sogenannte „Spermatests für zu Hause“ angeboten, mit denen Männer angeblich schnell und diskret feststellen können, wie es um ihre Fruchtbarkeit bestellt sei. Die Tests erlauben jedoch keine aussagekräftige Beurteilung des Samens und können den Laborbefund nicht ersetzen.

Die Tests ermitteln lediglich, ob die Spermienmenge pro Milliliter Ejakulat über oder unter 20 Millionen liegt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat als Richtwert für die Spermienzahl fruchtbarer Männer 15 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat festgelegt. Wird er unterschritten, kann dies in der Tat ein Hinweis auf eine eingeschränkte Fruchtbarkeit sein. Die Spermienanzahl ist jedoch nur eines von vielen unterschiedlichen Kriterien, die für die Beurteilung des Spermas (Spermiogramm) wichtig sind.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 22.02.2017