Alleingeburt

Manche Frauen entscheiden sich dafür, ihr Kind ganz ohne geburtshilfliche Begleitung zur Welt zu bringen. Dahinter steht meist der Wunsch nach einer selbstbestimmten und natürlichen Geburt. Auch bei guter Vorbereitung bleiben jedoch Risiken für Kind und Mutter bestehen.

Was ist eine Alleingeburt?

Babyfüßchen werden von einer erwachsenen Hand gehalten
© plainpicture/Westend61/Gemma Ferrando

Entscheidet sich eine Frau dafür, ihr Kind bewusst ohne die Begleitung einer Hebamme, einer Ärztin oder eines Arztes zur Welt zu bringen, dann nennt man das eine Alleingeburt. Davon zu unterscheiden sind Geburten, bei denen das Kind ungewollt ohne geburtshilfliche Begleitung zur Welt kommt. Das kann zum Beispiel passieren, wenn die Geburt plötzlich beginnt und das Kind geboren wird, bevor die Schwangere die Klinik erreicht. In Deutschland sind geplante Alleingeburten sehr selten. 

Warum sich Frauen für eine Alleingeburt entscheiden

Frauen, die sich für eine Alleingeburt entscheiden, haben oft bereits eine Geburt in einer Klinik erlebt und sich dort nicht gut aufgehoben gefühlt. Manche haben die Begleitung durch das Klinikpersonal als wenig einfühlsam erlebt. Sie empfanden die medizinischen Eingriffe und den Einsatz von Technik als unnötig, störend oder sogar als ein Risiko für Komplikationen. Manchen war es unangenehm, in der Anwesenheit fremder Personen ihr Kind zur Welt zu bringen. Stattdessen wünschen sie sich eine Geburt in einer intimen Atmosphäre, bei der nicht in die natürlichen Prozesse des Gebärens eingegriffen wird und sie sich ganz auf sich selbst konzentrieren können. Manche möchten ihr Kind deshalb ganz allein zur Welt bringen, andere nur von Menschen begleitet, die ihnen nahestehen und zu denen sie Vertrauen haben – etwa dem Partner oder einer engen Freundin.

Erfahrungen und Risiken

In einer kleinen schwedischen Studie wurden Frauen, die sich für eine Alleingeburt entschieden hatten, gebeten, von ihren Erlebnissen und Erfahrungen zu erzählen. Viele der Frauen berichteten von guten Erfahrungen, sprachen aber auch von Momenten der Sorge und Unsicherheit während der Geburt. In solchen Momenten hätten sie sich gewünscht, es wäre jemand bei ihnen, die oder der sie hätte unterstützen und vor allem beurteilen können, ob es dem Kind gut geht und keine Gefahr besteht. 

Die medizinischen Risiken, die mit einer geplanten Alleingeburt verbunden sein können, wurden bislang nicht untersucht. Sicher ist aber: Auch wenn sich alleingebärende Frauen oft sehr gut auf die Geburt vorbereiten, kann es bei jeder Geburt zu unerwarteten Komplikationen kommen, die ein geburtshilfliches Eingreifen notwendig machen – beispielsweise spezielle Handgriffe einer Hebamme, einer Ärztin oder eines Arztes, den Einsatz von Notfallmedikamenten oder auch ein sofortiges Beenden der Geburt durch Kaiserschnitt. Solche Situationen sind beispielsweise ein Nabelschnurvorfall, ein längerer Geburtsstillstand, durch den es dem Kind schlechter geht, eine Schulterdystokie oder nachgeburtliche Blutungen. Ist dann keine qualifizierte Hilfe verfügbar, können Mutter und/oder Kind schweren Schaden nehmen. Bei vielen Geburten kommt es außerdem zu Rissverletzungen am Damm oder an den Venuslippen (Schamlippen). Es ist wichtig, dass diese nach der Geburt medizinisch untersucht und, wenn nötig, versorgt werden, um langfristige Folgen dieser Verletzungen für die Mutter zu vermeiden. 

Alternative Hausgeburt: Selbstbestimmt und sicher

Um den unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen von Schwangeren Rechnung zu tragen, bietet das deutsche geburtshilfliche System die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Geburtsorten zu wählen. Frauen können ihr Kind nicht nur in einer Klinik zur Welt bringen, sondern auch in einem Geburtshaus oder zu Hause in Begleitung einer Hebamme. 

Wenn Sie sich eine Geburt in einer intimen Atmosphäre wünschen, bei der nicht oder  möglichst wenig in die natürlichen Prozesse eingegriffen wird, ist die Haus- oder Geburtshausgeburt für Sie möglicherweise eine gute Alternative zur Geburt in der Klinik. Sie können die Geburt mit Ihrer Hebamme planen und genau mit ihr besprechen, wie Sie sich die Geburt wünschen und was Sie nicht möchten. Das kann beispielsweise auch beinhalten, dass sie sich im Hintergrund hält, solange ihr Eingreifen nicht notwendig oder gewünscht ist.

Vorausgesetzt die Schwangerschaft verläuft normal, sind Geburten, die außerhalb einer Klinik in Begleitung einer erfahrenen Hebamme stattfinden und gut geplant sind, sehr sicher. Haus- und Geburtshausgeburten kommen insgesamt mit weniger medizinischen Eingriffen aus und die Zufriedenheit der Frauen mit dem Geburtserlebnis ist meist sehr hoch. Kommt es im Laufe einer Geburt zu Unsicherheiten oder Schwierigkeiten, kann die Hebamme mögliche Probleme aufgrund ihres geburtshilflichen Wissens und ihrer Erfahrung frühzeitig erkennen und beurteilen, ob eine Verlegung in eine Klinik notwendig ist oder nicht. Dazu kommt es bei etwa jeder sechsten außerklinischen Geburt. 

Wenn Sie sich eine Haus- oder Geburtshausgeburt wünschen, ist es sehr zu empfehlen, sich frühzeitig eine Hebamme zu suchen. 

Natürlich können Sie, auch wenn Sie sich für eine Klinikgeburt entscheiden, schon vor der Geburt, etwa bei der Anmeldung, mit dem geburtshilflichen Personal besprechen, was Ihnen wichtig ist. Sie können ansprechen, was Sie sich wünschen und was Sie möglichst nicht möchten – gerade vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die Sie vielleicht bei vorausgegangenen Geburten gemacht haben.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 13.09.2018