Der Beratungsschein

Für einen Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung wird eine Beratungsbescheinigung benötigt. Sie belegt, dass die Schwangere umfassend beraten wurde. Außerdem müssen bestimmte Fristen eingehalten werden.

Was ist ein Beratungsschein?

© BZgA/HN
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Mit dem Beratungsschein wird bestätigt, dass die Schwangere eine Schwangerschaftskonflikt-Beratung in Anspruch genommen hat. Der Beratungsschein ist Voraussetzung, um nach der Beratungsregelung straffrei eine Schwangerschaft abbrechen zu können.

Der Gesetzgeber möchte damit sicherstellen, dass jede Schwangere umfassend über Unterstützungsmöglichkeiten informiert wird. Die Beratung ist ergebnisoffen zu führen und geht von der Verantwortung der Frau aus. Was von manchen Schwangeren als lästige Pflicht empfunden wird, kann eine Chance sein, sich über Zweifel, Sorgen, Ängste und Wünsche klar zu werden. Eine Beraterin oder ein Berater kann dann im Entscheidungsprozess eine hilfreiche Unterstützung sein.

Ist die Beraterin oder der Berater nach dem Gespräch der Ansicht, dass das Gespräch fortgesetzt werden sollte, kann ein weiteres Gespräch empfohlen werden. Die Ausstellung der Beratungsbescheinigung darf jedoch nicht verweigert werden, wenn durch die Fortsetzung der Beratung die Zwölf-Wochen-Frist überschritten wird.

Welche Angaben enthält der Beratungsschein?

Der Schein belegt, dass die Schwangere nach §5 und §6 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes (SchKG) beraten wurde. Er enthält den Namen der Schwangeren und das Datum der Beratung, aber keine Angaben über die besprochenen Themen, den Verlauf oder das Ergebnis des Beratungsgesprächs.

Auf Wunsch kann die Schwangere gegenüber der Beraterin oder dem Berater anonym bleiben. In diesem Fall kann eine andere Mitarbeiterin oder ein anderer Mitarbeiter der Beratungsstelle die Bescheinigung ausstellen.

Der Beratungsschein ist für die Ärztin oder den Arzt bestimmt, die oder der den Abbruch vornimmt. Er ist die Bestätigung, dass die Frau beraten wurde und der Abbruch nicht rechtswidrig ist.

Wo bekommen Sie den Beratungsschein?

Die Schwangerschaftskonfliktberatung muss in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle stattfinden oder bei einer Ärztin oder einem Arzt mit einer staatlichen Berechtigung, Schwangerschaftskonflikt-Beratung durchzuführen. 

Die Beratungsstellen der Caritas und des Sozialdienstes katholischer Frauen stellen keinen Beratungsschein für eine Schwangerschaftskonflikt-Beratung aus, weil ein möglicher Schwangerschaftsabbruch nicht mit ihrem Selbstverständnis vereinbar ist. Sie beraten jedoch auch zum Thema Schwangerschaftskonflikt.

Beratungsstellen in Ihrer Umgebung finden Sie auf der Seite Beratungsstellen-Suche. Dort können Sie eine Postleitzahl oder einen Ort eingeben und beim Suchkriterium „Beratungsschein“ ein Häkchen setzen. Dann werden alle Beratungsstellen in der Nähe angezeigt, die einen Beratungsschein ausstellen dürfen.

Welche Fristen müssen Sie einhalten?

Zwischen dem Ausstellen des Beratungsscheins und dem Schwangerschaftsabbruch müssen drei volle Kalendertage liegen. Fand die Beratung beispielsweise an einem Montag statt, kann der Abbruch frühestens am Freitag durchgeführt werden. Dieser Zeitraum soll der Schwangeren die Möglichkeit geben, ihre Entscheidung zu überdenken.

Mit der Beratungsbescheinigung kann eine Schwangerschaft grundsätzlich bis zur zwölften Schwangerschaftswoche seit der Empfängnis abgebrochen werden. Der Text „Abbruch: Rechtslage, Indikationen und Fristen“ informiert Sie über weitere Voraussetzungen eines Schwangerschaftsabbruchs nach der Beratungsregelung.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 09.03.2018