Bin ich wirklich der Vater?

Bestehen Zweifel an der Vaterschaft, kann der Mann erst nach der Geburt des Kindes die Klärung der Abstammung verlangen. Ein Recht zur Klärung der Vaterschaft hat auch die Frau, etwa um Unterhaltsansprüche geltend machen zu können.

Beratung

© Mika/Corbis
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Zweifel an der Vaterschaft anzumelden, bedeutet für beide Seiten eine schwierige Situation, in der die Gefühle schnell verletzt werden. Jeder Schritt sollte sorgfältig überlegt werden, um möglichst respektvoll miteinander umzugehen und auch rechtliche Fehler zu vermeiden.

In einer solchen Situation kann eine Schwangerschaftsberatungsstelle viele erste Fragen beantworten. Das hilft nicht nur, den respektvollen Umgang beider Seiten zu bewahren. Eine neutrale und sachkundige Beratung erspart möglicherweise auch den Gang zum Familiengericht und hohe Anwaltskosten.

Der „Vaterschaftsparagraf“

Erfährt ein unverheirateter Mann von seiner Partnerin, dass sie schwanger ist und er Vater wird, geht er üblicherweise spätestens nach der Geburt des Kindes zum Jugendamt oder dem Standesamt und unterschreibt dort die Anerkennung der Vaterschaft. Tut er dies nicht, weil er glaubt, nicht der Vater zu sein, wird meist eine gerichtliche Klage zur Feststellung der Vaterschaft eingeleitet.

Rechtgrundlage ist § 1598a BGB. Der Paragraf räumt dem Mann, der Frau und auch dem Kind das Recht ein, die Abstammung zu klären. Gleichzeitig bestimmt der Paragraf die Pflicht, die Entnahme einer genetischen Probe zu ermöglichen. Um das Kindeswohl in außergewöhnlichen Lebenslagen nicht zu gefährden, kann das Verfahren jedoch (vorübergehend) ausgesetzt werden.

Vaterschaftstest

Ein Vaterschaftstest wegen Zweifel an oder zur Klärung der Vaterschaft ist vor der Geburt des Kindes nicht erlaubt. Dies ist erst nach der Geburt des Kindes möglich. Wenn der Mann und die Mutter des Kindes freiwillig in die Klärung der Abstammung einwilligen – woran im Allgemeinen beide ein Interesse haben –, braucht es keine gerichtliche Anordnung.

Das Gendiagnostikgesetz bestimmt, dass nur Ärztinnen und Ärzte oder speziell ausgewiesene Sachverständige genetische Untersuchungen zur Klärung der Abstammung durchführen dürfen. Seit 2010 sind daher heimliche Vaterschaftstests verboten. Wer trotzdem einen heimlichen Vaterschaftstest durchführen lässt, kann mit einer Strafe von bis zu 5000 Euro belegt werden.

Anhand eines Haares oder einer Speichelprobe kann das genetische Profil eines Menschen erstellt werden. Ein Mann, der Zweifel an seiner Vaterschaft hat, kann sich mit einem privaten Gutachten Klarheit verschaffen – vorausgesetzt, die Mutter und/oder das Kind stimmen zu. Dies gilt umgekehrt auch für die Mutter des Kindes. Damit das Gutachten gerichtlich anerkannt wird, muss es alle rechtlich vorgeschrieben Bedingungen (Einwilligung aller Beteiligten, lückenlose Dokumentation der Probenentnahmen vor unabhängigen Zeugen etc.) erfüllen.

Rechte und Pflichten

Mit der Feststellung seiner Vaterschaft entstehen dem Mann Rechte und Pflichten gegenüber dem Kind. Dies betrifft z.B. die elterliche Sorge, das Umgangsrecht, den Unterhalt sowie Erb-, Renten- und Krankenversicherungsansprüche des Kindes.

Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet, hat die Mutter zunächst das alleinige Sorgerecht. Möchte auch der Vater das Sorgerecht haben, ist dafür in der Regel die Zustimmung der Mutter notwendig. Verweigert sie die Zustimmung, kann der Vater das alleinige oder gemeinsame Sorgerecht beim Familiengericht beantragen. Das Familiengericht überprüft dann, ob eine Übertragung des Sorgerechtes (auch) auf den Vater dem Kindeswohl entspricht.

Unabhängig davon hat ein nichtehelicher Vater ein Umgangsrecht mit seinem Kind, das umgekehrt auch ein Recht auf einen angemessenen Kontakt mit seinem Vater hat. Rechtsgrundlage ist § 1684 Abs. 1 BGB: „Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.“

Ist die Vaterschaft festgestellt, kann die Mutter des Kindes Unterhaltsansprüche geltend machen. Die Höhe des Unterhalts richtet sich vor allem nach dem Einkommen des Vaters und dem Alter des Kindes. Ist das Einkommen des Vaters zu gering, kann der nichteheliche Vater von der Unterhaltszahlung (vorübergehend) befreit werden.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 09.03.2018