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Das Wochenbett in schwierigen Lebenslagen: Hier finden Frauen Hilfe
Das Wochenbett ist eine große Herausforderung – ganz besonders, wenn die Lebenssituation schon vorher nicht einfach war. Mit einem Neugeborenen kommen oft noch neue Belastungen hinzu. Auch wenn die Probleme zunächst schwer lösbar scheinen: Sie sind nicht allein. Es gibt viele Möglichkeiten, sich unterstützen zu lassen.

Besonders belastende Situationen: gar nicht so selten
Sorgen gibt es in jeder Familie. Vielleicht befinden Sie sich aber in einer Situation, in der Sie mit besonders starken Belastungen zu tun haben.
- Vielleicht haben Sie nur wenig Geld zu Verfügung – so geht es 15 Prozent aller Frauen in Deutschland. Wenn das Geld knapp ist, können zusätzliche Ausgaben durch ein Neugeborenes stark belasten.
- Oder Sie leben in einer Beziehung, in der Ihr Partner körperliche oder seelische Gewalt ausübt. Diese Erfahrung machen 25 Prozent der Frauen in Deutschland. Im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt kommt das besonders oft vor.
- Möglicherweise sind Sie alleinerziehend, sodass Sie viele Aufgaben rund um das Kind allein stemmen müssen.
Es spielt keine Rolle, aus welchem Grund Ihr Leben im Moment schwierig ist. Unterstützung können Sie immer in Anspruch nehmen.
Das richtige Angebot finden
Wenn Sie Unterstützung brauchen, erscheint es auf den ersten Blick vielleicht schwierig, die richtige Anlaufstelle zu finden. Am besten nehmen Sie zunächst Kontakt zu einer Beratungsstelle auf, die Sie dann an die richtige Stelle lotst. Eine solche „Lotsenfunktion“ übernimmt zum Beispiel:
- Die Schwangerschaftsberatungsstelle in Ihrer Nähe. Hier geht es zum Schwangerschaftsberatungsstellen-Finder.
- Das Familienbüro oder die Familienstation in Ihrer Stadt oder Gemeinde.
- Die Babylotsen in Ihrer Geburtsklinik. Die Babylotsen sind auch für Sie da, wenn Sie bereits aus der Klinik entlassen wurden.
Die Beraterinnen und Berater vor Ort können gut einschätzen, welche Hilfsangebote für Sie in Frage kommen und helfen Ihnen bei den nächsten Schritten.
Welche Unterstützung gibt es im Wochenbett?
Weil die Hilfsangebote so vielfältig sind, kann auch die Unterstützung ganz unterschiedlich aussehen. Manchmal helfen schon kleine Dinge, wie der Kontakt zu anderen Eltern in einem Elterncafé. Andere Frauen brauchen vielleicht vor allem finanzielle Unterstützung. Es besteht auch die Möglichkeit, dass zusätzlich zu Ihrer Hebamme noch eine Familienhebamme regelmäßig vorbeikommt. Die meisten Anlaufstellen und Angebote haben eines gemeinsam: eine Person, der Sie Ihre Sorgen anvertrauen können und die Ihnen hilft.
Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (Nummer: 116 016) ist rund um die Uhr erreichbar. Auch die Schwangerschaftsberatungsstellen kennen das Problem und können Ihnen weiterhelfen. Die Unterstützung ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Sie haben trotzdem Sorge, dass Ihr Partner etwas mitbekommen könnte? Dann ist der Nachsorgetermin in Ihrer Frauenarztpraxis oder bei der Hebamme eine unauffällige Gelegenheit, Ihre Situation anzusprechen. Denn auch Ärztinnen, Ärzte und Hebammen können Ihnen helfen, und sie haben Schweigepflicht. In einer akuten Gefahrensituation für Sie oder Ihr Kind erreichen Sie jederzeit die Polizei unter der Nummer 110.
Es gibt viele Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung zu beantragen. Das reicht von zusätzlichen Leistungen zum Bürgergeld bis zu unbürokratischer Hilfe bei der Bundesstiftung Mutter und Kind. Auf unserer Seite können Sie sich einen ersten Überblick über finanzielle Unterstützung verschaffen. In einer Schwangerschaftsberatungsstelle können Sie sich auch zu rechtlichen und finanziellen Themen individuell beraten lassen.
Die Anlaufstellen bieten Ihnen Hilfe an, Sie verpflichten sich damit aber zu nichts. Das gilt für die Schwangerschaftsberatungsstelle ebenso wie für Hilfen durch das Jugendamt. Auch eine Familienhebamme kommt nur solange zu Ihnen, wie Sie das wünschen. Mit einer Ausnahme: Wenn eine Kindeswohlgefährdung besteht, zum Beispiel wegen Gewalt.
Alleinerziehende Eltern haben oft den Anspruch an sich, alles alleine schaffen zu müssen. Machen Sie sich aber klar: Sie sind die entscheidende Ressource für Ihr Kind – Sie müssen sich also auch gut um sich selbst kümmern. Überlegen Sie zum Beispiel gemeinsam mit einer Freundin oder der Familienhebamme: Wer kann Ihnen etwas abnehmen? Gibt es Freunde oder Verwandte, die zum Beispiel für Sie einkaufen oder Ihnen eine kurze Auszeit verschaffen können? Falls Sie finanzielle Sorgen belasten, lassen Sie sich am besten gut beraten (siehe „Das richtige Angebot finden“). Außerdem finden Sie hier einen kurzen Überblick über finanzielle Leistungen, die Alleinerziehenden zustehen. Weitere Informationen für Alleinerziehende zur Vereinbarkeit von Kind und Beruf, Unterhalt und anderen Themen finden Sie im Text „Ohne Partner oder Partnerin durch die Schwangerschaft“.
Amboss. (2025). Wochenbett (Puerperium) [Webartikel zur Klinischen Praxis].
Deutscher Kinderschutzbund. (2025). Erscheinungsformen der Kindeswohlgefährdung—Kinderschutz in NRW. Erscheinungsformen der Kindeswohlgefährdung.
Menne, S., & Funcke, A. (2024). Alleinerziehende in Deutschland. DOI:10.11586/2024091.
Nationale Armutskonferenz. (2025). Schattenbericht – "Armut in Deutschland“ (S. 50).
Statista Research Department. (2025). Armutsgefährdungsquote Haushaltstypen 2024| Statista.