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Fruchtbarkeit: Untersuchungen beim Mann
Bleibt eine erwünschte Schwangerschaft aus, liegen die Gründe dafür ebenso häufig beim Mann wie bei der Frau. Deshalb sollten sich immer beide Partner untersuchen lassen, um den Ursachen auf die Spur zu kommen.

Keine wertvolle Zeit verstreichen lassen
Viele Frauen sprechen aus unterschiedlichen Gründen regelmäßig mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt. Den meisten Männern ist dagegen der Gang zu einem Urologen oder Andrologen fremd und ungewohnt. Bei einer ausbleibenden Schwangerschaft versuchen deshalb häufig zunächst nur die Frauen, zusammen mit ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt herauszufinden, woran es liegt. Männer kommen dagegen manchmal nicht auf den Gedanken oder sie scheuen sich, auch sich auf eine mögliche Ursache untersuchen zu lassen.
Die Gründe für den unerfüllten Kinderwunsch eines Paares liegen jedoch genauso häufig beim Mann wie bei der Frau, oft auch bei beiden gleichzeitig. Die Ursachen zuerst allein bei der Frau zu suchen und zu behandeln, reicht deshalb nicht aus. Da wegen des Alters die Zeit oft etwas drängt, geht so vielleicht wertvolle Zeit verloren.
Die Untersuchung findet im Allgemeinen bei einer Ärztin oder einem Arzt der Urologie oder der Andrologie statt. Die Andrologie befasst sich speziell mit den männlichen Fortpflanzungsfunktionen.
Der Samentest
Die Untersuchung einer Samenprobe (Samentest, Spermiogramm) kann Hinweise auf eine Fruchtbarkeitsstörung geben.
Nach einem Vorgespräch wird ein Termin für den Samentest vereinbart. Vor dem Test sollte der Mann drei bis fünf Tage keinen Samenerguss (Ejakulation) haben. Meist wird die Samenprobe durch Selbstbefriedigung (Masturbation) in einem abgeschiedenen Raum der Arztpraxis gewonnen.
Nach Absprache ist es vielleicht möglich, dies zu Hause zu tun. Zwischen Samenerguss und Untersuchung des Spermas darf aber nicht mehr als eine Stunde vergehen. Für den Transport des zu Hause bei Körpertemperatur gewonnenen Spermas muss ein Spezialbehältnis verwendet werden, das in der Arztpraxis oder einer Apotheke erhältlich ist. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die Spermienprobe verunreinigt wird. Beim Masturbieren darf kein herkömmliches Gleitmittel verwendet werden, da es die Beweglichkeit der Spermien vermindern kann.
Will oder kann ein Mann aus religiösen oder anderen Gründen nicht masturbieren, kann der Samen auch durch Geschlechtsverkehr gewonnen werden. Dazu sind latexfreie Spezialkondome aus der Apotheke notwendig, die keine spermienabtötenden Substanzen enthalten. Normale Kondome sind dafür ungeeignet.
Bei der Laboruntersuchung des Spermas wird die Anzahl der Spermien gezählt. Außerdem werden ihre Form, ihre Beweglichkeit, die biochemische Zusammensetzung der Samenflüssigkeit und weitere Eigenschaften geprüft. Die Zusammenstellung der Ergebnisse wird als Spermiogramm bezeichnet.
Finden sich im Spermiogramm auffällige Werte, wird der Test meist acht bis zwölf Wochen später wiederholt.
„Spermatests für zu Hause“ ermitteln nur, ob die Anzahl der Spermien eines Mannes über oder unter einem bestimmten Grenzwert liegt. Doch auch wenn die Anzahl der Spermien Normwerte erfüllt, erlaubt dies keine sichere Aussage über die Fruchtbarkeit des Mannes.
Weitergehende Untersuchungen
Sind die Spermienwerte auffällig, können weitere Untersuchungen nötig sein. Bei einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) über frühere oder bestehende Erkrankungen wird beispielsweise nach einer Mumpsinfektion oder einem Hodenhochstand in der Kindheit, früheren Entzündungen der Geschlechts- und Beckenorgane, Verletzungen und Leistenoperationen gefragt.
Weitere Themen sind Allgemeinerkrankungen wie starkes Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes. Gab es einen ungewöhnlichen Verlauf der körperlichen Entwicklung in der Pubertät, sind Erbkrankheiten in der Familie bekannt und dergleichen?
Erfragt werden auch laufende medikamentöse Behandlungen, die das Hormonsystem beeinflussen können. Der Konsum von Alkohol, Tabak, anabolen Steroiden und Drogen wie Cannabis kann zur Sprache kommen, ebenso wie Umweltbelastungen zu Hause oder am Arbeitsplatz.
Die medizinischen Untersuchungen erfolgen Schritt für Schritt. Sie werden nur durchgeführt, wenn sie notwendig sind:
- Körperliche Untersuchung: Dabei tastet die Ärztin oder der Arzt zum Beispiel die Hoden, Nebenhoden und Samenleiter ab und untersucht per Ultraschall gegebenenfalls auch die Prostata und die Harnwege.
- Ultraschall des Hodens und der Samenwege: Hierbei werden die Gewebestrukturen der Hoden und Nebenhoden betrachtet. Eine Rolle spielt beispielsweise die Hodengröße, die Hinweise auf eine Hormonstörung oder eine angeborene Entwicklungsstörung geben kann. Zusätzlich kann die Ärztin oder der Arzt mit dem Ultraschall das Gefäßsystem des Hodens untersuchen und auf diese Weise etwa eine Krampfader (Varikozele) feststellen. Eine Varikozele findet sich bei etwa jedem fünften Mann und kann eine Verminderung der Fruchtbarkeit mitverursachen. Auf Basis der Ergebnisse der Samen- und Hormonuntersuchung kann entschieden werden, ob die Behandlung einer Varikozele sinnvoll ist.
Hormonuntersuchungen: Mit einer Hormonuntersuchung lässt sich herausfinden, ob die hormonelle Steuerung der Hoden funktioniert. Die Untersuchung wird häufig durchgeführt, wenn in der Samenflüssigkeit nur sehr wenige befruchtungsfähige Spermien zu finden sind.
Die komplexen Hodenfunktionen – und damit auch die Produktion von Samenzellen – sind abhängig von der Bildung und Ausschüttung bestimmter Hormone. Dazu zählen vor allem das follikelstimulierende Hormon (FSH), Testosteron und das luteinisierende Hormon (LH). Eine erhöhte Konzentration des Hormons Prolaktin kann auf eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse hinweisen und die Bildung von FSH, Testosteron oder LH und somit auch die Hodenfunktion stören.
Bildet der Körper zu wenig von den Steuerungshormonen LH und FSH, muss die Ursache geklärt werden. Ein Hinweis auf eine Schädigung des Hodengewebes ist, wenn gleichzeitig LH und FSH erhöht sind oder FSH allein.
Genetische Untersuchung: Bei Männern mit weniger als 10 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat oder fehlenden Spermien kann mithilfe einer Blutprobe überprüft werden, ob vielleicht eine genetische Ursache vorliegt.
Bei allen genetischen Untersuchungen schreibt das Gendiagnostikgesetz vor, dass die Ärztin oder der Arzt über Wesen, Aussagekraft und Zweck der Untersuchung aufklärt und eine schriftliche Einwilligung des Patienten einholt.
- Gewebeprobe aus den Hoden (Hodenbiopsie): Finden sich im Samenerguss keine Spermien, kann anhand einer Gewebeprobe (Biopsie) geprüft werden, ob die Hoden grundsätzlich Spermien produzieren. Hierfür wird unter örtlicher Betäubung ein kleiner Schnitt am Hodensack gemacht und aus beiden Hoden ein wenig Gewebe entnommen. Werden Spermien gefunden, können die Proben mit den darin enthaltenen Spermien tiefgefroren werden (TESE, MESA), um sie für eine mögliche spätere künstliche Befruchtung nutzen zu können.
Bei bis zu 30 % der Fälle lässt sich durch die Untersuchungen keine genaue Ursache feststellen, was „idiopathische Infertilität“ genannt wird. Dann kommen eine In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Insemination als Behandlungsmethoden in Betracht.
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