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Die ersten Tage nach der Geburt
Die ersten Tage nach einer Geburt können sehr unterschiedlich aussehen: Einige Mütter bleiben für ein paar Tage in der Klinik, andere möchten direkt mit dem Kind nach Hause oder haben es dort sogar geboren. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Klinik, Geburtshaus oder zuhause?
Wie eine Frau die ersten Tage nach der Geburt verbringt, hängt auch von der Wahl des Geburtsorts ab:
- Klinikgeburt bedeutet, dass Sie Ihr Kind in einer Klinik auf die Welt gebracht haben. Mutter und Kind sind ungefähr drei Tage dort (nach einem Kaiserschnitt auch länger). Sie sind entweder in einem normalen oder in einem Familienzimmer untergebracht. Die Untersuchungen von Mutter und Kind werden vor Ort durchgeführt.
- Ambulante Geburt heißt, dass die Geburt zwar in der Klinik stattgefunden hat, Sie mit Ihrem Kind aber nach wenigen Stunden nach Hause gehen. Dort kann eine Nachsorge-Hebamme unterstützen. Eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt muss für die Neugeborenen-Untersuchungen organisiert werden.
- Die Geburt im Geburtshaus ist in der Regel auch eine ambulante Geburt. Hier gehen Mutter und Kind ebenfalls nach einigen Stunden nach Hause.
- Bei einer Hausgeburt übernehmen wie bei einer ambulanten Geburt die Nachsorge-Hebamme und die Kinderärztin oder der Kinderarzt die Betreuung von Mutter und Kind.
Nach der Geburt: Worum muss ich mich kümmern?
In den Tagen nach einer Geburt ist es wichtig, dass Mutter und Kind zunächst täglich gesundheitlich betreut werden. Darüber hinaus gibt es organisatorische Dinge zu erledigen.
Direkt nach der Geburt:
- Mögliche Geburtsverletzungen der Mutter werden versorgt.
- Die Hebamme, die Ärztin oder der Arzt führen beim Neugeborenen die U1 durch. Dabei stellen sie fest, ob das Baby die Geburt gut überstanden hat und ob es Fehlbildungen oder Komplikationen gibt, die direkt behandelt werden müssen.
- Möchten Sie stillen, werden Sie dabei von Fachpersonen unterstützt und können direkt damit beginnen.
In den ersten Tagen danach:
- Die Hebamme oder das Pflegepersonal kontrollieren immer wieder, ob es Mutter und Kind gut geht.
- Hebamme oder Pflegepersonal beraten und unterstützen die Eltern bei der Pflege des Kindes, zum Beispiel beim Stillen oder Windeln wechseln.
- Weitere Neugeborenen-Untersuchungen finden statt, etwa die U2, das Screening auf Stoffwechselstörungen oder der Neugeborenen-Hörtest.
- Die Geburt des Kindes wird dem Standesamt gemeldet.
Wie sehen die ersten Tage in einer Klinik aus?
Jede Klinik ist etwas anders. Wie genau die Tage in der Klinik ablaufen, kann auch von äußeren Umständen abhängen – zum Beispiel davon, wie viel Betrieb herrscht.
Meistens ist die Mutter in einem Ein- oder Zweibettzimmer untergebracht. Viele Kliniken bieten auch Familienzimmer an. Dort kann die neue Familie gemeinsam die ersten Tage verbringen, manchmal auch mit einem Geschwisterkind. Familienzimmer müssen in der Regel privat bezahlt werden.
Sie können in den meisten Kliniken Ihren Tagesablauf weitgehend selbst bestimmen. Sie entscheiden also selbst, ob und wann Sie bei der Versorgung und beim Stillen des Babys Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Das Rooming-In ist heute sowohl tagsüber als auch nachts die Regel. Das heißt, dass das Kind bei der Mutter bleiben kann. Es hat dann sein eigenes Bett am Bett der Mutter. Oft gibt es zusätzlich ein Säuglingszimmer. Dort können Kinderkrankenpflegerinnen oder -pfleger den Säugling eine Weile versorgen, wenn die Mutter Ruhe braucht.
Vorteile Klinik
- Bei Fragen sind rund um die Uhr Hebammen, Ärztinnen, Ärzte, Stillberaterinnen sowie Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger ansprechbar.
- Es gibt eine tägliche ärztliche Visite.
- Kinderärztinnen und -ärzte führen die Neugeborenen-Untersuchungen durch, ohne dass Sie sich darum kümmern müssen.
- Durch die räumliche Trennung von zuhause kann es leichter fallen, sich von der Geburt zu erholen – gerade, wenn weitere Kinder im Haushalt leben und es Ihnen schwerfällt, alltägliche Arbeiten auch einmal liegen zu lassen.
- Die Anmeldung beim Standesamt wird von der Klinik übernommen, Sie müssen sich darum nicht selbst kümmern.
- Die feste Tagesstruktur in der Klinik kann Sicherheit und Orientierung geben.
Vorteile zuhause
- Sie können sich in Ihrer gewohnten Umgebung erholen und Ihr Kind in Ruhe kennenlernen.
- Sie können von einer Nachsorge-Hebamme Ihrer Wahl betreut werden und haben nicht mit wechselnden Fachkräften zu tun.
- Familie und Freundeskreis sind an keine Besuchszeiten gebunden und können Sie jederzeit besuchen und unterstützen, wenn Sie sich das wünschen.
- Die Tagesgestaltung ist flexibler. Zum Beispiel sind Sie nicht an Essenszeiten gebunden.
Wie sehen die ersten Tage zuhause aus?
Manche Frauen möchten die ersten Tage mit dem Neugeborenen lieber in der vertrauten Umgebung zu Hause verbringen. Das ist auch dann möglich, wenn die Geburt in einer Klinik stattgefunden hat.
Es gibt gesundheitliche Gründe, die gegen eine ambulante Geburt sprechen. Das kann zum Beispiel ein Kaiserschnitt sein. Dann sollten Mutter und Kind auf jeden Fall noch einige Tage in der Klinik bleiben.
Es ist sinnvoll, dass Mutter und Kind nach der Geburt noch einige Stunden im Geburtshaus oder in der Klinik bleiben. Die Hebamme, die Ärztin oder der Arzt können dann mögliche Geburtsverletzungen versorgen und sicherstellen, dass es Mutter und Kind gut geht.
Bei einer Hausgeburt übernimmt diese Betreuung die Hebamme, die die Geburt begleitet hat. Die Hebamme ist dafür ausgebildet, kleinere Geburtsverletzungen selbst zu versorgen. Wenn es dem Kind nicht gut geht, kann sie es versorgen und so die Zeit überbrücken, bis eine Ärztin oder ein Arzt eintrifft.
In den nächsten Tagen ist es wichtig, dass regelmäßig eine Nachsorge-Hebamme kommt. Die Hebamme hat die Gesundheit von Mutter und Neugeborenem im Blick und kann bei Fragen unterstützen (Näheres siehe Wochenbett-Betreuung durch die Hebamme).
Um die Neugeborenen-Untersuchungen müssen sich die Eltern zu Hause selbst kümmern. Das bedeutet, dass sie sich schon im Vorfeld eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt suchen müssen. Kinderarztpraxen sind oft überlastet, nicht jede Praxis nimmt noch neue Kinder auf. Werdende Eltern sollten also schon in der Schwangerschaft Kontakt aufnehmen. Dabei lässt sich auch erfragen, ob die Praxis Hausbesuche anbietet.
TIPP: Vorbereitung für die ersten Tage nach der Geburt
- Am besten nimmt sich der Vater oder die Co-Mutter einige Tage frei, um für Mutter und Kind da zu sein.
- Vielleicht gibt es noch weitere Personen, die unterstützen – vor allem, wenn Geschwisterkinder betreut werden müssen.
- Unter Umständen besteht Anspruch auf eine Haushaltshilfe.
- Der Kühlschrank sollte schon vor dem Geburtstermin gut gefüllt sein. Vielleicht ist es möglich, einige Mahlzeiten vorzukochen und einzufrieren.
- Am besten ist bereits alles Wichtige für Mutter und Kind eingekauft, zum Beispiel Binden für den Wochenfluss, Stilleinlagen oder Flaschen, Windeln und Pflegeutensilien für das Neugeborene.
Ja, Sie können spontan entscheiden, nach der Geburt lieber in der Klinik zu bleiben. Manchmal ist das auch aus medizinischer Sicht besser, etwa weil eine Geburt komplizierter verlaufen ist als gedacht. Es ist deshalb eine gute Idee, in jedem Fall eine Tasche mit dem Nötigsten mit in die Klinik zu nehmen – auch, wenn Sie eigentlich eine ambulante Geburt planen.
Bei kleineren Problemen ist die Hebamme die erste Ansprechpartnerin. Dazu gehören zum Beispiel Fragen zur Gewichtszunahme des Kindes, Probleme mit dem Nabel oder ein Schnupfen. Sie kann auch einschätzen, ob ein Besuch in der Kinderarztpraxis ratsam ist.
Es gibt Fälle, in denen Sie direkt zur Ärztin oder zum Arzt sollten, etwa bei Fieber, starkem Erbrechen oder Durchfall, starkem Husten oder wenn Ihr Baby teilnahmslos (apathisch) wirkt. Falls möglich, nehmen Sie Kontakt zu Ihrer Kinderarztpraxis auf. Begeben Sie sich direkt in die Notaufnahme einer Klinik, wenn die Kinderarztpraxis nicht erreichbar sein sollte oder dort kein Notfall-Termin möglich ist.
Bei lebensbedrohlichen Notfällen verständigen Sie den Rettungsdienst unter der Nummer 112. Dazu zählen zum Beispiel Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit, Atemnot oder schwere Verletzungen.
In der Klinik überprüft das Fachpersonal regelmäßig, wie es Ihnen nach der Geburt geht. Falls Sie direkt nach der Geburt nach Hause gehen möchten, übernimmt diese Aufgabe eine Nachsorge-Hebamme. In den ersten Tagen kann die Hebamme sogar zweimal täglich zu einem Hausbesuch kommen. Hebammen sind oft lange Zeit im Voraus ausgebucht, so dass Sie sich frühzeitig in der Schwangerschaft darum kümmern sollten. Stellt die Hebamme fest, dass es etwas nicht stimmt, muss eine Ärztin oder ein Arzt hinzugezogen werden. Viele Ärztinnen und Ärzte bieten allerdings keine Hausbesuche an und Sie müssen dafür in die Praxis oder Klinik gehen.
„Babyfreundlich“ ist ein Zertifikat, das auf einer weltweiten Initiative von WHO und Unicef basiert. Um das Zertifikat zu erhalten, müssen die Kliniken bestimmte Kriterien erfüllen, etwa das Bonding und Stillen unterstützen oder ihre Mitarbeitenden regelmäßig schulen. Wichtiger als ein Zertifikat ist aber, dass Sie sich selbst ein Bild von der Klinik machen. Am besten finden Sie für sich selbst heraus, ob Sie sich dort wohl fühlen. Die meisten Kliniken bieten zu diesem Zweck Führungen und Gespräche an.
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Stiefel, A., Brendel, K., Bauer, N., & Heinzl, S. (Hrsg.). (2020). Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf (6. aktualisierte und erweiterte Auflage). Thieme.
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Verein Babyfreundlich (BFH). (o. J.). Gemeinsam für Kinder und Eltern: Babyfreundlich. Die Initiative Babyfreundlich. Abgerufen 24. September 2025.