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Chancen und Herausforderungen einer Kinderwunschbehandlung

Eine Kinderwunschbehandlung bietet die Chance auf ein eigenes Kind, wenn es auf natürlichem Weg nicht klappt. Doch es ist sinnvoll, sich vorher auch mit den damit verbundenen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Denn die Behandlung ist oft aufwändig und kann viele Lebensbereiche beeinflussen.

Paar liegt auf einer Decke

Chancen einer Kinderwunschbehandlung: Für jedes Paar individuell

Eine Kinderwunschbehandlung ist für manche Paare die einzige Chance, ein leibliches Kind zu bekommen. Sie bietet jedoch keine Garantie, denn die persönlichen Voraussetzungen beeinflussen die Chancen – etwa die Art der Fruchtbarkeitsstörung, die Dauer der ungewollten Kinderlosigkeit und auch das Alter. Bei der Beratung in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum werden die Ärztinnen und Ärzte dies individuell mit Ihnen besprechen.

Für eine Reihe von Verfahren sind die durchschnittlichen Erfolgsraten bekannt (Angaben dazu finden Sie bei den jeweiligen Behandlungsmethoden).

Beispielsweise nennt eine deutschlandweite Statistik folgende Ergebnisse für Paare, die eine In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) in Anspruch genommen haben: 

  • Beim ersten Behandlungszyklus wurden im Schnitt etwa 3 von 10 Frauen schwanger.
  • Nach 3 Versuchen waren 6 von 10 Frauen schwanger.
  • Bei mehr als 4 Versuchen waren es 7 von 10 Frauen.

Von diesen Schwangerschaften endeten etwa 30 % in einer Fehl- oder Totgeburt. 70 % der schwanger gewordenen Frauen nahmen ein gesundes Kind mit nach Hause (Lebendgeburtrate).

Herausforderungen während einer Kinderwunschbehandlung

Eine Kinderwunschbehandlung eröffnet neue Chancen. Doch sie kann auch Herausforderungen mit sich bringen, die ganz unterschiedliche Lebensbereiche betreffen. In Befragungen berichtet über die Hälfte der Menschen in Kinderwunschbehandlung, dass sie diese zunächst unterschätzt haben. Dazu zählen:

  • Einige Behandlungen sind zeitlich aufwändig: Es gibt viele Termine, die zum Teil genau eingehalten werden müssen. Dann braucht es eine gute Organisation und Terminabstimmungen, um die Kinderwunschbehandlung mit dem Beruf und dem Alltagsleben zu vereinen.
  • Auch wenn die Krankenkasse bei einigen Paaren für einen Teil der Kosten aufkommt, bringt eine Kinderwunschbehandlung unter Umständen hohe finanzielle Belastungen mit sich.
  • Die meisten Betroffenen berichten, dass es bei ihnen vorübergehend zu Problemen in der Beziehung gekommen ist.
  • Die Behandlung findet überwiegend am Körper der Frau statt, daher trägt sie den Großteil der physischen Belastungen.
  • Die emotionale Anspannung bis zum Nachweis der Schwangerschaft wird von den meisten Menschen als äußerst belastend empfunden. Hinzu kann die Enttäuschung kommen, wenn der Schwangerschaftstest negativ ist oder es nach einem positiven Schwangerschaftstest zu einer (sehr frühen) Fehlgeburt kommt.
  • Ob an den fruchtbaren Tagen, nach einer Hormonstimulation oder zur Gewinnung von Spermien: Während der Kinderwunschbehandlung muss zuweilen an bestimmten Zeitpunkten Sex stattfinden. Bis zu 60 % der Paare sagen, dass die Kinderwunschbehandlung ihre Sexualität belastet hat. Forschungsergebnisse zeigen aber: Bei fast allen Paaren legen sich die sexuellen Probleme mit der Zeit von allein wieder.

IVF: Was Geburtenraten bedeuten

1. Behandlungszyklus

19 Paare können sich über eine Geburt freuen von insgesamt 100 Paaren

2. Behandlungszyklus

15 Paare können sich über eine Geburt freuen von den verbliebenen 81 Paaren

3. Behandlungszyklus

13 Paare können sich über eine Geburt freuen von den verbliebenen 66 Paaren

Das Ergebnis

Von insgesamt 100 Paaren waren nach dem dritten IVF-Zyklus 47 Eltern, bei 53 Paaren hatte die Behandlung keinen Erfolg.

Was helfen kann

Unabhängig vom Ausgang der Kinderwunschbehandlung berichten einige Paare hinterher, dass die gemeinsame Bewältigung der anstrengenden Kinderwunschbehandlung ihre Partnerschaft gestärkt hat. Dafür sind verständnisvolle Gespräche und Offenheit für die eigenen Bedürfnisse und die Gefühle der Partnerin oder des Partners wichtig. Sonst kann die Beziehung unter einer länger andauernden Kinderwunschbehandlung leiden.

Es ist zudem wichtig, sich vor dem Beginn einer Kinderwunschbehandlung und auch zwischendurch gemeinsam die Fragen zu stellen: „Wie weit wollen wir gehen? Wie viele Versuche wollen wir machen?“ Denn möglicherweise beantwortet ein Paar diese Fragen nach dem ersten Behandlungszyklus anders als zu Beginn. Häufig erleben Paare die Situation auch unterschiedlich und sie müssen sich abstimmen. 

Der Beruf, Hobbys und andere Lebensziele können helfen, den Kinderwunsch in den Alltag zu integrieren und ihn zum Beispiel durch gemeinsame Aktivitäten auch mal auszublenden. Darüber hinaus bietet ein offener Umgang mit dem Thema die Chance auf Unterstützung von Familie oder Freundinnen und Freunden. 

Beratungsangebote

Immer mehr Kinderwunschzentren arbeiten mit Beratungsfachkräften zusammen. Eine professionelle Kinderwunschberatung kann dabei unterstützen, Antworten auf offene Fragen zu finden und belastende Gefühle besser zu verarbeiten. Im geschützten Rahmen der Beratung können zum Beispiel Probleme in der Partnerschaft, Gefühle und Erwartungen angesprochen werden. Eine Beratung kann auch helfen, Stress, Angst und Trauer im Rahmen eines unerfüllten Kinderwunsches zu bewältigen. Eine Beratungsstelle für psychosoziale Beratung finden Sie beim Informationsportal Kinderwunsch des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Mögliche Anlaufstellen in Ihrer Nähe finden Sie auch in unserer Beratungsstellen-Datenbank. Mit den Beraterinnen und Beratern können Sie vor einer möglichen Behandlung über eventuelle organische Ursachen von Unfruchtbarkeit, medizinische Behandlungen und individuelle Belastungen sprechen. Sie erhalten dort auch Informationen zu Psychotherapie-Angeboten, Gesprächsgruppen oder Pflegschaft und Adoption.

Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, mit anderen ungewollt kinderlosen Personen ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und neue Denkanstöße zu bekommen. 

Stand: 07.01.2026

Amrani, M. & Seufert, R. (2023). Gynäkologische Endokrinologie und Kinderwunschtherapie: Prinzipien und Praxis, 389–403. Springer.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e. V. (2020). AWMF-Leitlinie 016-003 „Psychosomatisch orientierte Diagnostik und Therapie bei Fertilitätsstörungen“

Deutsches IVF-Register e.V. (D·I·R)®. (2025) Sonderausgabe D·I·R Jahrbuch 2024 – Auszug. 

Wippermann, C. (2020). Ungewollte Kinderlosigkeit 2020. Leiden – Hemmungen – Lösungen. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.