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Folsäure (Vitamin B9)
Folsäure (Vitamin B9) ist für eine gesunde Entwicklung des Ungeborenen besonders wichtig. Über die Ernährung lässt sich der erhöhte Folsäure-Bedarf in der frühen Schwangerschaft aber nur schwer decken. Planen Sie eine Schwangerschaft, sollten Sie nach Möglichkeit schon vorher Folsäure einnehmen.
Warum ist Folsäure in der Schwangerschaft wichtig?
Folsäure spielt eine wichtige Rolle bei der Zellteilung und dem Wachstum. Ein Folsäuremangel bei der Mutter erhöht das Risiko für Fehlentwicklungen des Kindes.
Folsäuremangel kann in der Frühschwangerschaft einen Neuralrohrdefekt beim Ungeborenen verursachen. Das ist eine Fehlbildung im Nervensystem. Das Ungeborene hat dann zum Beispiel einen „offenen Rücken“ (Spina bifida).
Lässt sich der erhöhte Folsäure-Bedarf über die Ernährung decken?
Frauen können ihren Folsäure-Bedarf in der Frühschwangerschaft meist nicht über die Ernährung decken. Das gilt auch, wenn sie vollwertig und abwechslungsreich essen. Viel Folat (die natürliche Form von Folsäure) enthalten zum Beispiel Spinat, Grünkohl, Feldsalat, Brokkoli, Hühnerei, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Tomaten und Orangen. Allerdings verlieren Lebensmittel durch Lagerung und Erhitzen viel Folat. Außerdem kann der Körper das Folat oft nicht vollständig verwerten. Deshalb wird die zusätzliche Einnahme von Folsäure empfohlen.
Damit der Körper das aufgenommene Folat besser verwerten kann, ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 nötig. Da Vitamin B12 jedoch nicht in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommt, müssen Vegetarierinnen und Veganerinnen auf eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung achten. Mehr Informationen finden Sie in den Texten „Vegetarische Ernährung“ und „Vegane Ernährung“.
Zusätzliche Einnahme von Folsäure
Frauen in der Frühschwangerschaft und Frauen, die schwanger werden möchten, sollten zusätzlich Folsäure einnehmen. Es dauert einige Wochen, bis durch die Einnahme die empfohlene Menge im Blut erreicht ist. Die Einnahme sollte deshalb am besten vier Wochen vor der Schwangerschaft beginnen und bis zum Ende des 1. Schwangerschaftsdrittels fortgesetzt werden. In diesem Fall werden 400 Mikrogramm täglich empfohlen.
Beginnt die Frau erst kurz vor oder in der Schwangerschaft mit der Einnahme, wird eine tägliche Dosis von 800 Mikrogramm empfohlen.
Ihre Hebamme, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen geeignete Produkte empfehlen. Folsäure kaufen Sie am besten als Medikament in der Apotheke und nicht als Nahrungsergänzungsmittel in einem Drogeriemarkt. Folsäure als Medikament wird strenger geprüft – etwa in Bezug auf die Zusammensetzung und die enthaltene Menge.
Halten Sie sich an die Dosierungsempfehlungen Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes. Eine Überdosierung bringt keinen Vorteil und kann manchmal sogar schaden.
In der Regel muss die Schwangere die Folsäure selbst bezahlen, manche Krankenkassen erstatten die Kosten aber. Fragen Sie hierzu am besten bei Ihrer Krankenkasse nach.
Es schadet nicht, Folsäure-Präparate nach dem 3. Schwangerschaftsmonat einzunehmen. Neuralrohrdefekten lässt sich damit dann aber nicht mehr vorbeugen.
Bundesinstitut für Risikobewertung. (2022). Schwanger werden? - Aber nicht ohne Folsäure!
Crider, K. S., Qi, Y. P., Yeung, L. F., Mai, C. T., Head Zauche, L., Wang, A., Daniels, K., & Williams, J. L. (2022). Folic Acid and the Prevention of Birth Defects: 30 Years of Opportunity and Controversies. Annual Review of Nutrition, 42(1), 423–452.
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Von Kaisenberg, C., Klaritsch, P., & Hösli-Krais, I. (Hrsg.). (2024). Die Geburtshilfe. Springer Berlin Heidelberg.