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Alter, Lebensstil und Umwelt: Viele Faktoren beeinflussen die Fruchtbarkeit
Wenn die Schwangerschaft ausbleibt, hat das oft mehrere Gründe gleichzeitig. Alter, Lebensstil, Erkrankungen, Medikamente, Umwelteinflüsse und Genussmittel sind Faktoren, die mit der Fruchtbarkeit von Frauen und Männern zusammenhängen. Einige davon lassen sich beeinflussen, um die Chance auf ein Kind zu erhöhen.

Das Alter der Frau ist der wichtigste Einflussfaktor
Mit dem Älterwerden nimmt die Fruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern ab – bei Männern aber deutlich langsamer und später als bei Frauen.
Bei Frauen sind alle Eizellen bereits bei vor der Geburt im Körper angelegt. Die Eizellreserve sinkt bereits vor der Geburt und weiter kontinuierlich im Laufe des Lebens. Bereits mit 40 bis 44 Jahren sind etwa 30 % aller Frauen unfruchtbar.
Außerdem kommt es während der Eizellreifung häufiger zu Fehlern, wodurch die Eizellqualität abnimmt. Dadurch steigt unter anderem das Risiko für frühe Fehlgeburten in den ersten Tagen oder Wochen einer Schwangerschaft.
Bei Männern hingegen nimmt die Fruchtbarkeit meist erst mit 40 Jahren allmählich ab: Es werden weniger Spermien gebildet und die Befruchtungsfähigkeit der Spermien kann sinken. Auch bei Männern steigt mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit, dass das Erbgut der Spermien Fehler aufweist. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit für Fehlgeburten größer.
Rauchen verringert die Fruchtbarkeit deutlich
Wenn Sie rauchen, kann ein Rauchstopp bei unerfülltem Kinderwunsch einiges bewirken: Fachkreise schätzen, dass Nikotinkonsum bei 15 % der Paare die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch ist. Eine längere Wartezeit auf die Schwangerschaft ist ab etwa 15 Zigaretten pro Tag zu beobachten. Insbesondere wenn beide Partner rauchen, sind auch bei einer künstlichen Befruchtung die Erfolgschancen deutlich vermindert.
Alkohol- und Drogenkonsum
Ab welcher Menge Alkohol die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt ist, ist unbekannt. Hin und wieder mäßige Mengen an Alkohol zu trinken, hat wahrscheinlich keine größeren Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Dennoch ist Alkohol ein Zellgift, und übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich auf die Spermienqualität aus – bis hin zur Unfruchtbarkeit. Die gute Nachricht: Dieser Effekt lässt sich durch Abstinenz oder deutlich weniger Alkohol rückgängig machen.
Drogen wie Cannabis, Kokain und Opium können den Hormonhaushalt verändern und dadurch die Fruchtbarkeit verringern.
Insbesondere Männer, die Anabolika verwenden, stören ihren Hormonhaushalt nachhaltig: Die Hoden werden kleiner und die Spermienproduktion kann komplett zum Erliegen kommen. Nach Absetzen der Anabolika dauert es oft Monate, bis sich der Hormonhaushalt wieder normalisiert.
Wenn Sie eine Schwangerschaft planen, ist es also sinnvoll, den Konsum von Genussmitteln und Drogen zu überdenken – auch zum Schutz des Kindes, das Sie erwarten.
Allgemeinerkrankungen, Infektionen und Medikamente
Verschiedene Erkrankungen können die Fruchtbarkeit herabsetzen, indem sie den Hormonhaushalt oder Organfunktionen verändern. Beispiele dafür sind Bluthochdruck, Funktionsstörungen der Niere oder Leber, Stoffwechselerkrankungen oder Krebs. Das gilt auch für Medikamente, die regelmäßig genommen werden. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, inwieweit Ihre Erkrankung und die verschriebenen Arzneimittel Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben könnten. Häufig kommen dann andere Präparate in Frage. Setzen Sie aber keinesfalls eigenmächtig Medikamente ab.
Eine besondere Rolle spielt das Körpergewicht: Frauen mit Adipositas (starkem Übergewicht) haben aufgrund eines hormonellen Ungleichgewichts häufig Zyklusstörungen, die es schwieriger machen schwanger zu werden. Bei übergewichtigen Männern kann die Hodenfunktion gestört und dadurch die Spermienproduktion geringer sein. Bei Frauen mit Untergewicht kommt es vor, dass der Eisprung und die Monatsblutung ausbleiben. Nehmen stark über- oder untergewichtige Frauen und Männer ab oder zu, normalisiert sich der Hormonhaushalt häufig wieder und die Chancen auf eine Schwangerschaft steigen.
Chlamydien sind die häufigste sexuell übertragbare Infektion (STI) in Deutschland. Die bakterielle Infektion macht in mehr als der Hälfte der Fälle keine Beschwerden und bleibt somit häufig unbemerkt. Doch sowohl bei Frauen als auch bei Männern kann sie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Die Infektion ist mit Antibiotika gut behandelbar. Wichtig dabei ist, beide Partner zu behandeln. Kondome bieten einen guten Schutz vor Chlamydien.
Chlamydien-Infektionen gelten als häufigste Ursache für eine erworbene Unfruchtbarkeit bei Frauen, da eine unbehandelte Infektion zur Verklebung der Eileiter führen kann. Die gesetzlichen Krankenkassen bieten deshalb einen kostenlosen Urintest auf Chlamydien an, den Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal jährlich in Anspruch nehmen können.
Starke körperliche Belastungen
Leistungssport und schwere körperliche Arbeit können den Hormonhaushalt durcheinanderbringen. Wenn es bei Frauen durch intensives Training zu Zyklusstörungen kommt, kann es einen positiven Effekt haben, eine Zeit lang darauf zu verzichten.
Umweltfaktoren
Schadstoffe wie chemische Reinigungsmittel, Schwermetalle, Pestizide und Weichmacher können ebenfalls die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Hat man beruflich mit solchen Substanzen zu tun, kann gegebenenfalls ein Bluttest darüber Aufschluss geben, wie hoch die Belastung ist.
Gleitmittel
Einige Gleitmittel reduzieren die Befruchtungsfähigkeit von Spermien. Es gibt aber Produkte speziell für Paare mit Kinderwunsch, die die Befruchtungsfähigkeit der Spermien nicht beeinträchtigen.
Häufig überschätzt: Stress, Ernährung und Koffein
Wenn eine Schwangerschaft auf sich warten lässt, glauben viele Paare, dass es am Stress liegt. Stress hat aber nur dann einen nennenswerten negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit, wenn er zu ungesundem Verhalten führt oder das Sexualleben beeinträchtigt.
Klar widerlegt ist, dass die innere Einstellung unfruchtbar machen kann: Ängste, negative Einstellungen oder Bedenken in Bezug auf eine Schwangerschaft und ein Kind beeinflussen die Fruchtbarkeit sicher nicht.
Auch eine fruchtbarkeitssteigernde Ernährung gibt es nicht. Allgemein wird eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten empfohlen.
Kaffee und Tee sind in begrenzten Mengen ebenfalls unbedenklich. Ein Einfluss von Koffein auf die Fruchtbarkeit konnte bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden.
Einige Vitamine, Mineralien, Antioxidantien und weitere Nahrungsergänzungsmittel werden als fruchtbarkeitssteigernde Präparate für Männer und Frauen vermarktet. Die wenigen Studien dazu sind meist klein und deshalb von begrenzter Aussagekraft
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