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Sex nach der Geburt
Rein medizinisch ist Sex oft schon wenige Wochen nach einer Geburt wieder möglich. Dennoch gibt es viele Gründe, warum Frauen und Paare damit länger warten und sich erst vorsichtig an das Thema herantasten.

Ab wann ist Sex aus körperlicher Sicht unbedenklich?
Aus medizinischer Sicht ist Sex mit dem Einführen des Penis in die Vagina (Scheide) wieder möglich, sobald alle Geburtsverletzungen abgeheilt sind. Bei Dammrissen oder einer Kaiserschnitt-Naht dauert das ungefähr 3 Wochen. Einige Frauenärztinnen, Frauenärzte oder Hebammen raten dennoch dazu, das Ende des Wochenflusses oder eine Zeitspanne von rund 6 Wochen abzuwarten. Das entspricht in etwa der Dauer des Wochenbetts – also der Zeit, in der sich der Körper von der Schwangerschaft und der Geburt erholt.
Nicht jede Frau möchte so bald nach der Geburt wieder Sex haben. Das kann verschiedene Gründe haben. Oft haben Frauen zu diesem Zeitpunkt zum Beispiel trotz abgeheilter Geburtsverletzungen noch Schmerzen beim Sex. Oder es dauert, bis sich beide Eltern auf die neue Lebenssituation eingestellt haben und der Sex wieder wichtiger wird.
Welche körperlichen Beschwerden können nach der Geburt beim Sex auftreten?
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Frauen nach einer Geburt erst einmal Beschwerden beim Sex haben. Drei Monate nach einer Geburt ist das bei bis zu 83 Prozent der Frauen so. Fachleute sprechen dann von einer sexuellen Dysfunktion. Die häufigsten Beschwerden sind:
- Schmerzen beim Sex
- Brennen und Jucken der Vagina (Scheide)
- trockene Vagina auch bei sexueller Erregung
- Harninkontinenz, also Probleme, den Urin zurückzuhalten
Die Beschwerden bessern sich, je länger die Geburt zurückliegt. Das kann aber durchaus einige Zeit dauern: 6 Monate nach der Geburt berichten noch 64 % der Frauen von Problemen beim Sex.
Die wichtigsten Ursachen für die körperlichen Beschwerden beim Sex sind nicht vollständig abgeheilte Geburtsverletzungen und der veränderte Hormonhaushalt. Letzteres gilt besonders für Frauen, die stillen. Die Hormone sind der Grund dafür, dass die Schleimhaut der Vagina dünner wird. Außerdem bildet sich weniger vaginales Sekret – die Vagina ist also trockener und verletzlicher.
Nach der Geburt: weniger Lust auf Sex?
Sexuelle Dysfunktion kann auch heißen, dass eine Person nach der Geburt weniger Lust auf Sex hat. Dafür gibt es bei Frauen viele verschiedene Ursachen:
- Veränderungen im Hormonhaushalt, unter anderem durch die Hormonausschüttung beim Stillen.
- Erschöpfung und Depression: Manche Frauen sind durch die Geburt und die Versorgung des Neugeborenen schlicht zu müde für Sex. Auch eine Wochenbett-Depression kann der Grund sein, warum eine Frau kein Interesse an Sex hat.
- Negatives Körperbild: Einige Frauen fühlen sich nach einer Geburt weniger wohl in ihrem Körper und nehmen sich selbst als weniger attraktiv wahr.
- Beziehung zum Partner oder zur Partnerin: Die Lust auf Sex ist auch davon abhängig, wie sicher und unterstützt sich eine Frau von ihrem Partner oder ihrer Partnerin fühlt.
Auch Männer können nach der Geburt plötzlich weniger Lust auf Sex haben. Das kann unter anderem daran liegen, dass sie Sorge haben, ihrer Partnerin weh zu tun. Oder sie müssen sich erst in ihrer Vaterrolle zurechtfinden. Außerdem können die neue Verantwortung sowie Übermüdung Stressfaktoren sein.
Was lässt sich gegen Schwierigkeiten beim Sex tun?
Das veränderte Sexleben kann für das Paar belastend sein – zum Beispiel, wenn beide gern mehr Sex hätten, die Frau aber Schmerzen hat. Konflikte können entstehen, wenn der Partner oder die Partnerin mehr Lust auf Sex hat. Oft sind Paare einfach nicht darauf vorbereitet, wenn sich die gemeinsame Sexualität nach der Geburt nicht problemlos wieder einstellt. Das Wissen, dass das häufig ist und dass es anderen Paaren genauso geht, kann dann schon Druck aus der Situation nehmen.
Wichtig ist vor allem, dass Paare über ihre Sexualität und ihre Wünsche nach körperlicher Nähe miteinander reden. Weitere Möglichkeiten können sein:
- Die Hebamme, die Frauenärztin oder der Frauenarzt können dabei unterstützen, offene Fragen zu klären.
- Es gibt Hinweise, dass Beckenbodentraining körperliche Beschwerden beim Sex verringern kann.
- Gleitmittel können helfen, wenn die Vagina zu trocken ist. Sind einige Bereiche der Vagina empfindlicher als vor der Geburt, können auch veränderte Stellungen helfen.
- Stellt sich die Lust auf Sex auch nach längerer Zeit nicht ein, kann vielleicht eine Sexualtherapeutin oder ein Sexualtherapeut unterstützen.
Wenn beim Sex körperliche Beschwerden auftreten, sprechen Sie diese bei medizinischem Fachpersonal an. Professionelle Ansprechpersonen sind Ihre Hebamme, Ihre Gynäkologin oder Ihr Gynäkologe.
Ab wann ist Verhütung wieder nötig?
Sobald die Frau wieder einen Eisprung hat, kann sie auch schwanger werden. Das ist ungefähr 4 bis 6 Wochen nach der Geburt der Fall, bei voll stillenden Frauen auch später. Welche Verhütungsmethode die richtige ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Stillt die Frau, so dass die Verhütung auch für das Baby ungefährlich sein muss? Soll die Verhütung auch vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützen? Ausführliche Informationen finden Sie bei Verhütung nach der Geburt.
Stillen kann sowohl die Lust auf Sex als auch Beschwerden beim Sex beeinflussen. Das liegt daran, dass Stillen den Hormonhaushalt verändert. Die Spiegel von Östrogen, Progesteron und Androgen sind dann niedriger, der Spiegel von Prolaktin ist höher als sonst. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass die Vagina trockener, die Vaginalschleimhaut dünner und die Brust empfindlicher ist.
Bei einer vaginalen Geburt weitet sich die Vagina, danach wird sie aber schnell wieder straffer. Zum Zustand von vor der ersten Geburt findet sie aber nicht zurück. Es kann sein, dass Frauen die Vagina dann als zu weit empfinden. Fachleute bringen das vor allem mit Verletzungen des Beckenbodens in Zusammenhang. Wird ein bestimmter Muskel (Levator-Muskel) verletzt, wird der Beckenboden weniger gut gestützt. Dann kann es sein, dass trotz Beckenbodentraining die Vagina dauerhaft an Festigkeit verliert. Eine Standard-Therapie gibt es bisher nicht.
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