Induzierte Laktation (Stillen ohne Geburt)
Stillen ist auch ohne vorangegangene Schwangerschaft möglich. Mit Hilfe der induzierten Laktation haben auch Adoptiv- oder Co-Mütter die Option, ihrem Kind die Brust zu geben. Das induzierte Stillen kann aber durchaus mit Aufwand und Nebenwirkungen verbunden sein.
Wie funktioniert die induzierte Laktation?
Induzierte Laktation bedeutet, dass die Brust durch Hormone und Stimulation auch ohne Schwangerschaft Milch produziert. Wie das am besten gelingt, ist allerdings noch nicht gut erforscht. Das Vorgehen richtet sich also bisher rein nach gesammeltem Erfahrungswissen. Es gibt bislang keine aussagekräftigen Studien dazu, ob die Behandlung zum Erfolg führt und welche Nebenwirkungen psychisch und physisch auftreten können. Wenn die induzierte Laktation für Sie eine Option ist, lassen Sie sich am besten von einer Fachperson beraten und begleiten, die darin geschult ist. Das kann eine Hebamme sein, eine Stillberatung, eine Ärztin oder ein Arzt.
In der Praxis wird oft das Goldman-Farb-Protokoll angewendet, das 3 Phasen unterscheidet:
Phase 1: Eine Schwangerschaft wird simuliert – im besten Fall über die gleiche Zeit, die auch eine Schwangerschaft dauern würde. Das gelingt durch die dauerhafte Einnahme der Pille. Außerdem wird die Brust regelmäßig stimuliert. Hinzu kommt ein Medikament, das die Freisetzung des Stillhormons Prolaktin fördert (häufig Domperidon).
Phase 2: Die Schwangerschaftshormone werden ungefähr 6 bis 8 Wochen vor dem Geburtstermin abgesetzt. Gleichzeitig wird regelmäßig Milch abgepumpt, um die Milchbildung zu fördern.
Phase 3: Das Kind wird regelmäßig gestillt. Es kann sein, dass zusätzliches Abpumpen nötig ist, damit sich mehr Milch bildet. Möglicherweise reicht die Milch aber trotzdem nicht und es muss Fertignahrung zugefüttert werden.
Domperidon ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und kann viele Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen. Es steht zum Beispiel im Verdacht, Herz-Rhythmus-Störungen zu begünstigen. Lassen Sie sich also von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über gesundheitliche Risiken aufklären und wägen Sie die Vorteile und Risiken gut gegeneinander ab. Auch die verschreibungspflichtigen Hormonpräparate können Nebenwirkungen haben.
Gibt es auch Nachteile?
Das induzierte Stillen ist mit viel Aufwand verbunden und kann Stress verursachen. Das gilt vor allem, wenn es mit dem Stillen nicht so gut klappt wie gewünscht. Elterlicher Stress kann sich negativ auf das Kind auswirken, so dass Vorteile und Nachteile gut überlegt werden sollten. Außerdem können die eingenommenen Medikamente Nebenwirkungen verursachen. Wenn 2 Personen gleichzeitig stillen, müssen die Zuständigkeiten abgesprochen werden. Wahrscheinlich ist es dann auch schwierig, dass beide ausreichend Milch bilden.
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