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11.05.2018

Weltgesundheitsorganisation kritisiert zu häufige medizinische Eingriffe bei Geburten

Geburtseinleitung, Dauer-CTG, Wehenmittel, Dammschnitt – die Zahl der medizinischen Maßnahmen zur Einleitung, Beschleunigung, Überwachung oder Beendigung der Geburt nimmt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den letzten zwei Jahrzehnten stetig zu. Maßnahmen, die oft unnötig seien, so die Kritik der WHO. Denn die meisten Geburten hätten gute Chancen, auch ohne diese Eingriffe normal zu verlaufen.

In einer neuen Richtlinie bewertet die WHO 56 geburtshilfliche Maßnahmen. Unter den nicht empfohlenen Maßnahmen findet sich so manches, was in vielen Kliniken hierzulande zur Routine gehört. So gilt die Kritik der WHO beispielweise dem immer häufigeren Einsatz von Wehenmitteln zur Geburtsbeschleunigung. Der Fortgang der Geburt könne von Frau zu Frau stark variieren und die Faustregel, dass sich der Muttermund nach Einsetzen der Wehen etwa einen Zentimeter pro Stunde öffnen sollte, sei für manche Frauen schlicht unrealistisch. Ein langsamerer Verlauf deute keineswegs zwingend auf Komplikationen hin.

Auch Maßnahmen wie beispielsweise ein routinemäßiger Einlauf, die Rasur der Schamhaare, eine kontinuierliche CTG-Aufzeichnung, die routinemäßige Gabe von Infusionen während der Geburt und von Wehenmitteln für Frauen mit Periduralanästhesie, ein routinemäßiger Dammschnitt oder die Ausübung von Druck auf den Bauch der Mutter zur Beschleunigung der Geburt (sog. „Kristellern“) werden nicht empfohlen. 

Wichtig seien stattdessen vor allem eine kontinuierliche Begleitung der Gebärenden, eine sich nach den Wünschen und Bedürfnissen der Schwangeren richtende Schmerzbehandlung, die Ermöglichung der freien Wahl der Geburtsposition, ungestörter Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Kind in der ersten Stunde nach der Geburt und ein möglichst frühzeitiges Anlegen nach der Geburt, um den Stillbeginn zu fördern. 

Quelle

WHO kritisiert zu häufigen Einsatz von Wehenmitteln bei Geburten, Ärzteblatt online vom 15. Februar 2018,
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/89258/WHO-kritisiert-zu-haeufigen-Einsatz-von-Wehenmitteln-bei-Geburten

Weitere Informationen:

World Health Organisation, WHO recommendations Intrapartum care for a positive childbirth experience, 2018,