Sex nach der Geburt

Nach der Geburt eines Kindes brauchen Paare meist eine Weile, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Darunter kann auch die gemeinsame Sexualität leiden.

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Erfahrungsgemäß dauert es einige Zeit, bis Frau und Mann sich nach der Geburt des Kindes als Liebespaar wieder neu finden. Sehr früh und unkompliziert zur Sexualität nach der Geburt zurückzukehren ist wohl eher die Ausnahme als die Regel.

Wer sich über Jahre hinweg körperlich gut verstanden hat, hat es meist leichter, auch die Veränderungen der Sexualität nach der Geburt eines Kindes zu bewältigen. Wenn sich durch das Kind das ganze Leben wandelt, braucht es meist seine Zeit, sich auch in der Sexualität neu und befriedigend zu finden.

Der Neubeginn braucht Zeit

Nicht nur während der Schwangerschaft, auch nach der Geburt des Kindes erlebt eine Frau enorme körperliche Veränderungen. Die Geburtswunden müssen verheilen, die Gebärmutter, die während der Schwangerschaft auf das 20-fache angewachsen war, muss sich zurückbilden. Der Hormonhaushalt verändert sich wieder und stellt sich auf die Produktion von Muttermilch ein.

Die Wunde in der Gebärmutter, die durch die Ablösung des Mutterkuchens entstanden ist, heilt langsam ab, was der sogenannte Wochenfluss anzeigt. Im Allgemeinen versiegt er nach etwa sechs Wochen; es kann auch etwas länger dauern. Bis der weibliche Körper alle Umstellungen nach der Geburt bewältigt hat, vergehen oft einige Monate.

Die ganz normale Lustlosigkeit

Nach den Anstrengungen der Geburt und in der Zeit der körperlichen und seelischen Umstellungen des Wochenbettes steht vielen Frauen zunächst einmal nicht der Sinn nach Sex. In der ersten Zeit kann der Geschlechtsverkehr schmerzhaft sein, oder die Angst vor Schmerzen führt dazu, dass keine Lust aufkommt. Auch können die Brüste – vor allem bei stillenden Frauen – empfindlich sein und die Brustwarzen keine Berührung vertragen.

Stillende Mütter berichten zudem häufig, dass ihr Bedürfnis nach körperlicher Nähe durch das Kind gewissermaßen abgedeckt wird und sie auch deshalb wenig sexuelle Lust spüren. Nicht selten fühlen sich Mütter in der ersten Zeit nach der Geburt in ihrem Körper auch noch nicht richtig wohl. Es dauert oft eine Weile, den veränderten Körper anzunehmen und sich wieder als sexuell attraktiv zu empfinden. Manchmal tragen auch die hormonellen Umstellungen zur Lustlosigkeit bei. 

Auch Väter brauchen oft eine gewisse Zeit, bis sich die sexuelle Lust wieder meldet. Unsicherheiten gegenüber dem veränderten Körper der Partnerin, der noch eine ganze Weile auf das Nähren des Säuglings eingestellt ist, Berührungsängste oder Sorgen, ob ihr der Geschlechtsverkehr Schmerzen bereitet, sind normal. Zudem können auch Väter durch die neue Lebenssituation seelisch so stark mitgenommen sein, dass sie vorübergehend die Lust am Sex verlieren. Oder sie sind, weil auch sie sich um das Neugeborene kümmern, einfach ebenso zu müde…

Einander zugewandt bleiben

Manchmal wird die Sexualität auch zum Austragungsort für andere Konflikte in der Partnerschaft. Ängste oder Selbstzweifel angesichts der neuen Verantwortung können dazu beitragen, dass Probleme in der Beziehung aufkommen. Gelegentlich fühlen Väter sich gegenüber dem Säugling an der Brust zurückgesetzt. Enttäuscht beobachten sie vielleicht, wie hingebungsvoll sich die Frau nicht ihnen, sondern dem Kind widmet. Einander zugewandt zu bleiben und über die eigenen Wünsche und Gefühle zu sprechen, fällt in solchen Situationen oft beiden Partnern schwer. Trotzdem sollte man versuchen, die gemeinsame Sexualität nicht aus den Augen zu verlieren.

Verhütung nach der Geburt

Wenn die Frau das Kind nicht stillt, kann ihre erste Menstruation schon kurz nach dem Ende des Wochenflusses wieder eintreten. Da der Eisprung rund 10 bis 14 Tage vor der Monatsblutung stattfindet, kann sie ab diesem Zeitpunkt wieder schwanger werden.

Stillt die Frau, bremst das milchbildende Hormon Prolaktin die Aktivität der Eierstöcke und wirkt damit hemmend auf den Eisprung. Solange sie ausschließlich und regelmäßig mindestens sechsmal am Tag stillt, nicht zufüttert und auch noch keine Monatsblutung hat, besteht ein hoher, aber dennoch nicht ganz sicherer Empfängnisschutz. Möchte die Frau sicher sein, dass sie nicht erneut schwanger wird, ist also ein geeignetes Verhütungsmittel nötig. 

Die gewöhnliche Antibabypille, die Östrogen und Gestagen enthält, kommt während der Stillzeit nicht infrage, weil Östrogen die Milchproduktion verringern kann. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Baby zu viele Hormone mit der Muttermilch aufnimmt. Anders ist es bei der sogenannten Minipille. Sie enthält als Hormon nur Gestagen, das für Säuglinge als unschädlich gilt. Deshalb wird sie umgangssprachlich manchmal auch als „Stillpille“ bezeichnet. Die Minipille muss täglich zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden.

Das einfachste Verhütungsmittel in den Monaten nach der Geburt eines Kindes ist das Kondom. Denn es bedeutet keinen Eingriff in den noch erholungsbedürftigen Körper der Frau und hat keine Auswirkungen auf die Muttermilch.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 05.10.2016