Kind und Karriere – geht das?

Beruflichen Anforderungen gerecht zu werden und trotzdem für die Familie da zu sein, ist für die meisten Männer eine große Herausforderung. Die Bedingungen sind nicht immer günstig, aber es gibt durchaus Möglichkeiten, sie zu beeinflussen.

© BZgA/HN/Eichhöfer
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Vatersein auf befriedigende Weise mit beruflichem Erfolg und ausreichendem Einkommen zu vereinbaren, ist nicht einfach. Männern stellt sich zunächst einmal die Frage, wie sie sich ihr Vatersein vorstellen: Wie viel Zeit will ich mit Kind und Familie verbringen? Wie viel Hausarbeit will und kann ich übernehmen? Wie wichtig ist mir der Erfolg im Beruf und wie viel berufliches Engagement ist dazu notwendig? Reicht das Einkommen? Steige ich vielleicht vorübergehend aus dem Beruf aus, um mich um Haushalt und Kinder zu kümmern?

Ein werdender Vater klärt diese Fragen in der Regel gemeinsam mit seiner Partnerin. Denn auch sie hat ihre Vorstellungen, wie sie Kind, Beruf und Haushalt vereinbaren möchte. Tritt sie im Beruf zurück? Will sie im gleichen Umfang erwerbstätig sein wie er, weniger oder mehr arbeiten?

Die Möglichkeiten der Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit reichen heute vom „Klassiker“, bei dem der Vater voll erwerbstätig ist und die Mutter beim Kind bleibt, über verschiedene Modelle geteilter Elternzeit bis hin zur Umkehrung der traditionellen Aufgabenteilung.

„Frag die Mama!“

Ein Vater, der morgens um sieben die Wohnung verlässt und abends nach sieben Uhr zurückkehrt, wird von seinen Kindern vermisst. Vielleicht wird er auch heiß begehrt, weil sie ihn kaum zu Gesicht bekommen. Wenn es aber darum geht, wo das Pflaster für das aufgeschlagene Knie zu finden ist, was das Kind zum Kindergeburtstag anziehen soll und wo die beste Freundin wohnt, wird er möglicherweise überfragt sein. „Frag die Mama!“, heißt es dann.

Väter, die sich vor allem auf die Erwerbsarbeit konzentrieren und erst nach Feierabend in die Kinderbetreuung einsteigen, erleben ihre Kinder wochentags oft nur müde und quengelig. Viele versuchen dann, am Wochenende mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Trotzdem bleibt ihr Verhältnis zu den Kindern weniger vertraut als das der Mütter, denn die großen und kleinen Freuden und Dramen im Alltag der Kinder kennen sie meist nur aus zweiter Hand. Nicht selten bedauern sie später, dass sie die ersten Jahre ihrer Kinder zu wenig miterlebt haben.

Gleiche Berufschancen und Familienkompetenzen

Die meisten Frauen mit minderjährigen Kindern sind deutlich weniger als 40 Stunden in der Woche erwerbstätig. Dagegen arbeiten Väter oft mehr als 40 Stunden in der Woche, nicht wenige sogar mehr als 50 Stunden. Die meisten Väter haben also eine Partnerin, die ihnen den Alltag mit Kindern und Haushalt weitgehend abnimmt. Dazu sind jedoch immer weniger Frauen bereit. Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren zu können, hat enorm an Bedeutung gewonnen. Zudem sind viele Familien auf ein zweites Einkommen angewiesen. Das zukunftsträchtigste Modell lautet daher: gleiche Berufschancen und gleiche Familienkompetenzen.

Auch einem voll erwerbstätigen Vater bleiben jede Menge Haus- und Erziehungsaufgaben. Eltern zu sein, ist ein 24-Stunden-Job bei einer Siebentagewoche. Dabei bedeuten gleiche Familienkompetenzen für einen Mann nicht unbedingt den gleichen Teil an Hausarbeit. Die Arbeitsteilung im Haushalt hängt auch davon ab, wer wie viel Erwerbsarbeit leistet.

Den Alltag des Kindes erleben

Kinder wünschen sich vor allem, dass ihre Eltern Zeit mit ihnen verbringen. Der Nachwuchs will außerdem in den Kindergarten gebracht werden, in die Schule, zur Ärztin oder zum Arzt, zum Sportverein oder Musikunterricht. Erst die aktive Teilnahme am Lebensalltag des Kindes macht es Vätern möglich, in Familienangelegenheiten souverän handeln zu können und auch Ansprechpartner des Kindergartens oder der Schule zu sein. Vor allem bedeutet es, Zeuge und Begleiter der Entwicklung des eigenen Kindes sein zu können.

Kind oder Karriere?

Männer haben vielfach die höher dotierten Jobs. Sie machen meist auch mehr Überstunden als Frauen. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wurden 2010 in Deutschland insgesamt rund 1,25 Milliarden bezahlte Überstunden geleistet. 15 Prozent der erwerbstätigen Männer arbeiteten in dem Jahr mehr als 48 Stunden pro Woche im Vergleich zu 4 Prozent der Frauen. Schränkt der Vater seine Erwerbsarbeit ein, sind die finanziellen Einbußen für die Familie oft größer, als wenn die Frau ihre Arbeitszeit reduziert.

Zudem sind die arbeitsrechtlichen Möglichkeiten beschränkt, sich gegen Überstunden zur Wehr zu setzen, wenn der Arbeitgeber sie für betrieblich notwendig hält. Wenn Männer Elternzeit beantragen oder eine Teilzeitstelle wünschen, reagieren Vorgesetzte nicht unbedingt begeistert. Ein engagierter Vater zu sein, kann der Karriere schaden. Aber: Das ist keinesfalls immer so.

Die Zeiten ändern sich

Zum einen bieten immer mehr Betriebe familienfreundliche Arbeitsbedingungen an, denn sie haben verstanden, dass ihnen dies auch wirtschaftliche Vorteile bringen kann. In vielen Fällen kann der Betriebs- oder Personalrat in Sachen Elternzeit und vaterfreundliche Arbeitszeiten unterstützen.

Zum anderen ist die besonders zeitintensive Kleinkindzeit überschaubar. In den ersten drei Jahren müssen Eltern wesentlich mehr für ihre Kinder da sein als später, wenn die Kleinen in den Kindergarten und danach in die Schule gehen. Kinder zu haben, lässt sich also durchaus mit einer langfristig angelegten beruflichen Karriere verbinden.

Ob es einem Vater gelingt, Kind und Karriere zu verbinden, hängt entscheidend davon ab, wie wichtig ihm die Zeit mit seiner Familie ist. Wer auf eine Arbeit setzt, die grundsätzlich 50 oder 60 Wochenstunden außer Haus erfordert, kann seinen Kindern kaum ein erreichbarer Vater sein.

„Du hast es gut!“

Eltern von kleinen Kindern fühlen sich oft gestresst und überfordert. Da bleibt es kaum aus, dass Frau und Mann sich bei der klassischen Rollenverteilung gegenseitig vorhalten, der andere habe jeweils den besseren Part erwischt: Der Mann fühlt sich vom Job, die Frau von den Kindern vereinnahmt. „Du hast es gut, du kannst zur Arbeit gehen!“ steht dann dem „Du hast es gut, du kannst zu Hause bleiben!“ entgegen.

Tatsächlich ist die Zeit mit Säuglingen und Kleinkindern oft fordernder und weniger selbstbestimmt als der Berufsalltag. Manche Väter sind deshalb auch so ehrlich, zuzugeben, dass sie gelegentlich aus dem kreativen Chaos der Familie in den vergleichsweise berechenbaren Job flüchten – zum Teil häufiger, als es Vorgesetzte verlangen. Gelingt es Eltern jedoch, Familien- und Berufszeiten so aufzuteilen, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, kann die Elternschaft für beide Partner ein befriedigendes Miteinander werden.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 24.08.2011