Wann wird die Geburt eingeleitet?

Verstreicht der errechnete Termin, ohne dass „sich etwas tut“, wird oft eine Geburtseinleitung erwogen. Die Geburt wird dann künstlich in Gang gebracht, meist mit Medikamenten. Die Vor- und Nachteile sollten im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden.

Warum die Geburt einleiten?

© BZgA/HN/Eichhoefer
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Wenn der errechnete Geburtstermin verstreicht, ohne dass die Wehen einsetzen, raten viele Ärztinnen und Ärzte früher oder später zu einer Geburtseinleitung. Ob und wann genau das sinnvoll ist, wird in Fachkreisen seit einigen Jahren intensiv diskutiert. 

Als Grund für eine Geburtseinleitung bei Terminüberschreitung wird angeführt, dass das Kind vor möglichen Risiken geschützt werden soll. So kann es gegen Ende der Schwangerschaft vorkommen, dass die Plazenta nicht mehr optimal arbeitet und das Kind deshalb nicht mehr so gut versorgt wird. Nimmt das Baby weiter an Größe und Gewicht zu, kann auch das zu Problemen bei der Geburt führen.

Die aktuelle Studienlage lässt keine allgemeingültigen Aussagen zu, ob und wann die Geburt eingeleitet werden sollte, wenn der errechnete Termin überschritten ist. Viele Fachleute empfehlen aber, in der Regel ab einer Überschreitung des Geburtstermins um zwei Wochen die Geburt einzuleiten.

Ist eine Terminüberschreitung gefährlich?

Manche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass es nach Überschreiten des Geburtstermins prozentual etwas häufiger zu Totgeburten kommt. Dass die Terminüberschreitung die Ursache dafür ist, konnte aber bislang nicht nachgewiesen werden. Außerdem gibt es andere Studien, die keinen solchen Zusammenhang finden konnten. In der 42. Schwangerschaftswoche, also in der zweiten Woche nach dem errechneten Termin, sind Totgeburten aber glücklicherweise immer noch äußerst selten (in weniger als einem von 1000 Fällen).

Umstritten ist auch, ob eine Einleitung der Geburt mögliche Risiken für das Kind wirklich senken kann. Obwohl immer mehr Geburten eingeleitet werden, ist die Zahl der Totgeburten nicht zurückgegangen. Außerdem kann auch die Geburtseinleitung selbst negative Effekte haben und weitere Eingriffe mit entsprechenden Risiken nach sich ziehen.

Erwartungen und Erfahrungen von Frauen

Frauen, die „über dem Termin“ sind, berichten oft, wie zermürbend es ist, darauf zu warten, dass die Wehen endlich einsetzen. Einige machen sich auch Sorgen, etwas könnte nicht in Ordnung sein. Die Möglichkeit, die Geburt einzuleiten, kann dann sehr erleichternd sein.

Es verwundert deshalb nicht, dass viele Frauen positiv auf die Geburtseinleitung zurückblicken. Andererseits sagen auch viele Frauen, die eine Geburtseinleitung erlebt haben, sie würden sich bei einer späteren Schwangerschaft nicht noch einmal dafür entscheiden. Viele hätten sich außerdem mehr Unterstützung bei der Entscheidungsfindung gewünscht. Andere hatten das Gefühl, dass ihnen gar keine Wahl gelassen wurde. Oft hätten sie sich mehr Zeit gewünscht, um in Ruhe und gut informiert eine Entscheidung zu treffen.

Sich informieren, überlegen, entscheiden

Eine allgemeingültige Regel zum richtigen Vorgehen bei Terminüberschreitung gibt es nicht. Vielmehr gilt es, in jedem Einzelfall sorgfältig abzuwägen: Was ist in dieser speziellen Schwangerschaft und zum aktuellen Zeitpunkt der richtige Weg? Wie geht es dem Baby? Wie geht es der Schwangeren und was wünscht sie sich für die Geburt? 

Bitten Sie die Hebammen, Ärztinnen und Ärzte, Sie umfassend zu informieren und Ihre Fragen zu beantworten. Sprechen Sie in Ruhe mit ihnen über die verschiedenen Möglichkeiten (gut überwachtes Abwarten oder Einleitung der Geburt) und über unterschiedliche Methoden der Geburtseinleitung sowie deren Vor- und Nachteile. Und nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um in Ruhe Ihre Entscheidung zu treffen.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.12.2017