Vorgeburtliche Therapien

Nur bei wenigen Erkrankungen kann das Kind schon vor der Geburt im Mutterleib behandelt werden. Eine Diagnose im Rahmen der Pränataldiagnostik kann – zum Beispiel bei einem Herzfehler – eine optimale Versorgung des Kindes nach der Geburt ermöglichen. Operationen im Mutterleib hingegen sind sehr selten.

Gute Vorbereitung

Hand mit Tablettenpackung
© BZgA/HN/Eichhöfer

Die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik haben sich in den vergangenen zehn Jahren rasant entwickelt. Viele Erkrankungen oder Behinderungen des Kindes lassen sich bereits während der Schwangerschaft feststellen, eine Behandlung noch im Mutterleib ist aber nur selten möglich.

Eine frühe Diagnose kann jedoch die Möglichkeit bieten, dass sich die Eltern sowie Ärztinnen und Ärzte gut auf die Geburt des Kindes und die erste Zeit danach vorbereiten können. Eltern können darüber aufgeklärt werden, welche Besonderheiten zu erwarten sind und wie das Kind nach der Geburt versorgt werden wird. Je nach Erkrankung oder Behinderung können die Eltern eine Geburtsklinik auswählen, die gut auf die besonderen Erfordernisse vorbereitet ist. So können für die Geburt und die Versorgung des Kindes beste Bedingungen geschaffen werden. Dies ist beispielsweise bei einer Mangelversorgung des Kindes, bei einem Herzfehler oder bei einem Bauchwandbruch wichtig.

Indirekte Therapie

Bei vorgeburtlichen Behandlungen wird unterschieden zwischen einer indirekten Therapie, das heißt der medikamentösen Behandlung des Ungeborenen über die Mutter, und einer direkten Therapie, bei der das Kind selbst über die Nabelschnur behandelt wird.

Bei der indirekten medikamentösen Therapie erhält die werdende Mutter Medikamente, die dann über die Nabelschnur in den Blutkreislauf des Kindes gelangen. Ist beispielsweise eine Frühgeburt zu erwarten, bekommt die Mutter Kortison, das beim Kind die Lungenreifung beschleunigt. Auch Herzrhythmus-Störungen des Kindes können behandelt werden, indem die Mutter Medikamente erhält.

Direkte Therapie

Zu den direkten Therapien zählt die Injektion von Medikamenten oder die Transfusion von Blut direkt in die Nabelschnur. Diese Therapieform wird angewandt, wenn beim Kind eine Störung der Blutbildung oder eine Blutarmut (Anämie) drohen, wie das etwa bei einer Rhesus-Unverträglichkeit oder einer Ringelröteln-Infektion der Mutter der Fall ist. Auch das Risiko einer kindlichen Hirnblutung kann durch rechtzeitige Bluttransfusionen gesenkt werden.

Vorgeburtliche Operationen

Die Chirurgie im Mutterleib – die sogenannte Fetalchirurgie – befindet sich derzeit noch in einem experimentellen Stadium und ist nur in wenigen darauf spezialisierten Zentren möglich. Das Risiko ist hoch, dass durch den Eingriff Wehen ausgelöst werden und es zu einer Frühgeburt kommt. Deshalb werden Operationen im Mutterleib nur in Ausnahmefällen durchgeführt.

Bei einigen Fehlentwicklungen der Lunge, des Zwerchfells, des Herzens oder der Harnröhre und bei besonderen Störungen der Blutverteilung in der Plazenta bei eineiigen Zwillingen kann ein operativer Eingriff möglich sein. Größere Operationen an Organen oder auch die Behandlung eines Neuralrohr-Defektes (offener Rücken, Spina bifida) sind dagegen nur selten möglich.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.11.2017