Beratung hilft

Pränataldiagnostik in Anspruch nehmen oder nicht? Was tun bei einem auffälligen Befund? Diese Fragen sind für werdende Eltern nicht leicht zu beantworten. Eine professionelle Beratung kann bei der Entscheidung helfen.

Beratung vor einer Untersuchung

Zwei Frauen führen ein Beratungsgespräch.
© BZgA | Espen Eichhöfer

Pränataldiagnostische Untersuchungen können weitreichende Folgen haben. Es ist deshalb sinnvoll, grundsätzlich zu überlegen, welche Untersuchungen Sie in Anspruch nehmen möchten und wie viele Informationen über den Gesundheitszustand des Kindes Sie haben wollen. Was ist, wenn eine Beeinträchtigung  festgestellt wird, dem Kind medizinisch aber nicht geholfen werden kann?

Frauen und Paare, die sich in diesen Fragen unsicher sind, können sich in einer Schwangerschaftsberatungsstelle ausführlich und kostenlos über die Vor- und Nachteile von pränataldiagnostischen Untersuchungen beraten lassen. Hier können sie klären, welche Hoffnungen und Befürchtungen sie mit den Tests verbinden, welche Informationen sie sich wünschen und was sie lieber nicht genau wissen möchten. Auch was ein auffälliger Befund für sie bedeuten könnte und ob sich mit dem Verzicht auf pränataldiagnostische Untersuchungen möglicherweise besser leben ließe, kann in der Beratung besprochen werden. 

Vor der Durchführung pränataldiagnostischer Untersuchungen sind Ärztinnen und Ärzte verpflichtet, die Schwangere oder das Paar medizinisch über die Art der Tests und ihre Aussagekraft und Risiken aufzuklären und mit ihnen mögliche Ergebnisse und die daraus folgenden Konsequenzen zu besprechen. In alle genetischen Untersuchungen muss die Schwangere schriftlich einwilligen. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, vor genetischen Untersuchungen darauf hinzuweisen, dass die Schwangere bzw. das Paar einen Anspruch auf kostenfreie psychosoziale Beratung in einer Schwangerschaftsberatungsstelle hat.  Bleibt der Nutzen einer Untersuchung unklar, kann jederzeit eine zweite ärztliche Meinung eingeholt werden.

Beratung während der Untersuchungen

Je nach Art der pränataldiagnostischen Untersuchung kann es bis zu zwei Wochen dauern, bis das Ergebnis vorliegt. Möglicherweise ist das Resultat nicht eindeutig und die Untersuchung muss wiederholt werden.  Die Zeit des Wartens auf das (endgültige) Ergebnis kann sehr belastend sein. Auch in diesem Fall kann eine begleitende psychosoziale Beratung in einer Beratungsstelle für die werdenden Eltern eine große Hilfe sein. Diese Beratung ist ebenfalls kostenfrei.

Beratung nach einem auffälligen Befund

Ergeben sich aus der vorgeburtlichen Diagnostik Hinweise auf eine Beeinträchtigung des Kindes , ist die Ärztin oder der Arzt verpflichtet, Sie über die medizinische Bedeutung des Untersuchungsergebnisses und seine Konsequenzen für das Leben des Kindes aufzuklären. Sie müssen auch über die Möglichkeiten vorgeburtlicher Therapien und die Lebensperspektive des Kindes informiert werden. Auf Ihren Wunsch hin können zu diesen Gesprächen auch spezialisierte Fachleute hinzugezogen werden, die sich mit der jeweiligen Krankheit oder Behinderung des Kindes auskennen. 

Sind Sie damit einverstanden, kann die Ärztin oder der Arzt den Kontakt zu einer Schwangerschaftsberatungsstelle herstellen. Darüber hinaus können Ihnen hilfreiche Kontaktadressen genannt werden, etwa zu Selbsthilfegruppen und Verbänden, die Erfahrung mit dem Alltag von Eltern kranker oder behinderter Kindern haben. Sie bestimmen, ob Sie Kontakt zu Schwangerschaftsberatungsstellen, Selbsthilfegruppen, Behindertenverbänden oder anderen Hilfsangeboten aufnehmen wollen oder nicht. Es besteht kein Beratungszwang.

Zusätzlich haben Sie als Schwangere oder Paar Anspruch auf verschiedene Unterstützungsangebote und finanzielle Hilfen. Die wichtigsten Informationen dazu enthält das „Informationsmaterial für Schwangere nach einem auffälligen Befund in der Pränataldiagnostik“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), das Sie von der Ärztin oder dem Arzt erhalten.

Nicht jede Schwangere, nicht jedes Paar fühlt sich fähig, für ein behindertes Kind zu sorgen. Nach der zwölften Schwangerschaftswoche nach Empfängnis (p.c.) darf eine Schwangerschaft nur nach medizinischer Indikation abgebrochen werden. Das bedeutet: Die Fortsetzung der Schwangerschaft gefährdet nach ärztlicher Einschätzung die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren schwerwiegend, und diese Gefährdung ist nicht auf eine andere zumutbare Weise abzuwenden. Nur dann ist ein Schwangerschaftsabbruch rechtlich zulässig.

Außerdem schreibt das Schwangerschaftskonfliktgesetz nach der Mitteilung der Diagnose eine dreitägige Bedenkzeit vor. Erst dann darf die schriftliche Indikation ausgestellt werden, die für den Abbruch nötig ist. Diese Zeit können die schwangere Frau und ihre Familie für eine unabhängige Beratung nutzen.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.07.2017