29. bis 40. Schwangerschaftswoche

Im letzten Schwangerschaftsdrittel entwickelt sich das Kind ohne spektakuläre äußere Veränderungen. Aber seine Organe reifen aus. Es legt kräftig an Gewicht zu, übt das Atmen und bereitet sich auf die Geburt vor.

Wie werden die Schwangerschaftswochen gezählt ?

Die letzten Wochen der Schwangerschaft sind eine Reifezeit. Die Organe, einschließlich der Lunge, reifen nun vollständig aus. Das Kind wäre jetzt außerhalb des Mutterleibs bedingt lebensfähig und hätte – mit medizinischer Hilfe – gute Chancen, sich normal zu entwickeln.

Um die Lungenentwicklung zu unterstützen, unternimmt das Kind erste Atemübungen: Es „atmet“ Fruchtwasser ein und aus. Dies führt manchmal zu einem Schluckauf, den Schwangere als leichtes Zucken im Bauch spüren können. Wenn die Beine dabei an den Bauch stoßen, wird immer wieder der Schreit- oder Kriechreflex ausgelöst: Das Kind stößt sich heftig ab. Häufig lassen sich deshalb kleine Beulen im ansonsten runden Bauch der werdenden Mutter erkennen.

Trainieren der Sinne

Ab etwa der 30. Woche reagiert das Kind auf Licht, das durch die Bauchdecke dringt. Manches spricht dafür, dass sich auch der Geschmackssinn schon im Mutterleib entwickelt. Denn das Kind kann bereits unmittelbar nach der Geburt auf unterschiedliche Geschmacksrichtungen reagieren: Es unterscheidet süß, salzig und bitter.

Bald ist das Gehör so weit entwickelt, dass das Kind Geräusche wahrnehmen kann. Zuerst ist das Gurgeln und Gluckern der mütterlichen Magen- und Darmgeräusche die bestimmende Geräuschkulisse. Später nimmt es auch immer mehr Laute von außerhalb des mütterlichen Körpers wahr.

Vermutlich kann das Kind auch schon im Mutterleib Schmerzen empfinden. Auf Druck von außen oder auf vorgeburtliche Untersuchungen reagiert es manchmal mit deutlich abwehrenden Bewegungen.

Legen sich warme Hände auf den Mutterbauch und bewegen sich langsam hin und her, kann es sein, dass das Kind ihnen folgt.

Vorentscheidung für die Startposition

In den letzten Wochen wird es eng im Bauch der Mutter. Die meisten Kinder (96 %) drehen sich jetzt mit dem Kopf ins mütterliche Becken, einige wenige kommen mit dem Po oder mit den Füßen voran auf die Welt. Ende des neunten Monats ist das Kind etwa 34 cm (etwa 45 cm SFL) lang und wiegt zwischen 2500 und 3000 g. Viel Bewegung ist nicht mehr möglich, eine erneute komplette Drehung wird immer unwahrscheinlicher. Nur sehr selten dreht sich das Kind in den letzten Stunden vor der Geburt noch einmal.

Wenn der Kopf des Kindes tiefer ins mütterliche Becken gerutscht ist, bekommt die Mutter wieder mehr Luft zum Atmen.

Gut auf das Leben vorbereitet

Im neunten Monat ist das Kind im Fall einer vorzeitigen Geburt ohne größere Komplikationen lebensfähig. Wesentlich dafür ist die „Aktivierung“ der Lunge. Im Lungengewebe des Fötus bildet sich jetzt die Substanz Surfactant. Sie sorgt dafür, dass sich die Lungenbläschen beim Neugeborenen voll entfalten und das Kind selbstständig atmen kann.

Allmählich glätten sich jetzt auch Haut und Gesichtszüge. Die Lanugo-Behaarung verliert sich, die Haut bekommt einen rosigen Schimmer. Die Fingernägel wachsen bis zu den Fingerkuppen.

Warten auf die Geburt

Wenn das Kind vollständig entwickelt und lebensfähig ist, beginnt die Zeit des Wartens auf die Geburt. Was genau den Geburtsprozess auslöst, ist nicht vollständig bekannt. Vermutlich findet eine Feinabstimmung zwischen der Reife des Kindes und den mütterlichen Hormonen statt. Dadurch ändert sich die Zusammensetzung der Hormone, die Wehen auslösenden Hormone gewinnen die Oberhand und setzen schließlich die Geburt in Gang.

Die meisten Kinder sind bei der Geburt zwischen 48 und 54 cm (SFL) groß und wiegen zwischen 2800 und 4000 g.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 12.05.2016
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