Saugglocken- und Zangengeburt

Gerät die Geburt ins Stocken, obwohl sie schon sehr weit fortgeschritten ist, kann eine Saugglocke oder eine Geburtszange eingesetzt werden. Damit wird der Kopf des Kindes aus der Scheide gezogen.

Gründe für den Eingriff

Die Saugglockengeburt (Vakuum-Extraktion) und die Zangengeburt werden als vaginal-operative Eingriffe bezeichnet, obwohl keine wirkliche Operation stattfindet. Der Einsatz einer Saugglocke oder einer Geburtszange (Forceps) wird dann erwogen, wenn die Geburt schnell beendet werden soll, etwa weil

  • das Kind am Ende der Geburt auffällige Stressreaktionen zeigt,
  • die Mutter zu erschöpft zum Pressen ist oder Fieber bekommt,
  • oder sich die Austreibungsphase sehr lange hinzieht.

Alle vaginal-operativen Eingriffe werden von einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführt und bedürfen in der Regel der Aufklärung und Einwilligung der Gebärenden. Die Hebamme assistiert dabei und steht der werdenden Mutter zur Seite. Welche Methode eingesetzt wird, ist von Klinik zu Klinik unterschiedlich und hängt von der persönlichen Ausbildung und Erfahrung der Ärztin oder des Arztes ab.

Voraussetzungen für den Eingriff

© AdobeStock

Für eine Saugglocken- oder Zangengeburt muss der Muttermund vollständig geöffnet sein. Die Fruchtblase muss gesprungen und der kindliche Kopf tief in das Becken eingetreten sein. Zur Vorbereitung wird die Harnblase mit einem Katheter entleert, damit möglichst viel Platz im Becken ist. Die schnelle Beendigung der Geburt kann sehr schmerzhaft für die Gebärende sein. Wenn vorher keine PDA (Peridural-Anästhesie) gemacht wurde, kann der Beckenboden mit Spritzen betäubt werden (Pudendus-Block).

Saugglockengeburt (Vakuum-Extraktion)

Bei der Saugglockengeburt wird eine passende Saugglocke aus Silikon oder Metall auf den kindlichen Kopf aufgesetzt. Über ein elektronisches oder mechanisches Unterdrucksystem haftet sie am Köpfchen fest. Während der folgenden Wehen presst die Gebärende, und durch den gleichzeitigen Zug an der Saugglocke kommt das Baby rasch zur Welt. In der Regel ist ein Dammschnitt nötig, weil der Damm nicht so schnell nachgeben kann.

Sobald der kindliche Kopf geboren ist, wird die Saugglocke abgenommen. Der Körper des Kindes folgt dann wie bei einer normalen Entbindung.

Nach der Geburt sind am kindlichen Köpfchen eine kleine Schwellung und ein Abdruck der Saugglocke zu sehen. Beides verschwindet innerhalb weniger Tage. Sollte es am Köpfchen des Kindes zu einem Bluterguss kommen, bildet auch der sich in den folgenden Wochen zurück.

Eine Saugglocke wird bei rund 6 Prozent aller Geburten eingesetzt (Stand 2016).

Zangengeburt

Bei einer Zangengeburt umfasst die Ärztin oder der Arzt mit einer Geburtszange den kindlichen Kopf. Das Instrument besteht aus zwei löffelartig gebogenen Metallblättern, die nacheinander vorsichtig in die Scheide eingeführt und dann zusammengefügt werden. Mit der Zange kann das Köpfchen von einer Presswehe unterstützt aus der Scheide geholt werden. Weil die Zange zusätzlichen Platz in der Scheide beansprucht, wird meist ein Dammschnitt gemacht. Sobald der Kopf geboren ist, werden die Zangenlöffel weggenommen. Der Körper des Kindes folgt ohne Hilfe.

Bei einer Zangengeburt, die von einer Ärztin oder einem Arzt mit entsprechender Erfahrung durchgeführt wird, sind Komplikationen selten. Es kann zu leichten Rissverletzungen in der Scheide und am Damm kommen. Beim Kind kann der Druck der Metalllöffel zu Hautabschürfungen, einem Bluterguss am Köpfchen oder einer (meist) vorübergehenden Lähmung eines Gesichtsnervs führen.

Die Geburtszange wird nur noch bei 0,4 Prozent aller Geburten eingesetzt (Stand 2016).

Nach dem Eingriff

Nach einer Zangen- oder Saugglockengeburt kann die Mutter das Kind sofort im Arm halten und an die Brust legen. Die körperlichen Auswirkungen auf die Mutter und die Rückbildung im Wochenbett unterscheiden sich kaum von denen nach einer Geburt ohne Eingriff.

Einige Frauen haben jedoch zwiespältige Gefühle gegenüber der Geburt: Enttäuschung, dass nicht alles wie gewünscht verlaufen ist; Gefühle des Ausgeliefertseins während des Eingriffs; manchmal auch das Gefühl, „versagt“ zu haben, weil äußere Hilfe nötig war, um das Kind zur Welt zu bringen. Es kann hilfreich sein, mit der Ärztin, dem Arzt oder der Hebamme noch einmal den Verlauf der Geburt zu besprechen. Vielen Frauen hilft das Wissen, dass der Eingriff nötig war und es für das Kind besser war, schnell zur Welt zu kommen.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.12.2017