Dammschnitt

Der Dammschnitt (Episiotomie) ist ein häufiger geburtshilflicher Eingriff. Er wird bei fast einem Viertel aller vaginalen Geburten durchgeführt.

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Manchmal kommt es vor, dass das Kind gegen Ende der Geburt starke Stress-Signale zeigt und die Gefahr besteht, dass es zu wenig Sauerstoff bekommt. Dann kann ein Dammschnitt (Episiotomie) gemacht werden, um die Geburt zu beschleunigen. Es entscheidet sich also erst unmittelbar bei der Geburt, ob ein Dammschnitt erforderlich ist.

Ein Dammschnitt wird auch gesetzt, um Rissverletzungen am Damm, an den Venuslippen (Schamlippen) oder an der Klitoris vorzubeugen, vor allem bei einer Saugglocken- oder Zangengeburt. Allerdings weiß man heute, dass der Dammschnitt vor schweren Rissverletzungen (z. B. einem Weiterreißen bis zum Schließmuskel), Schmerzen des Dammes in den ersten Tagen nach der Geburt, späteren Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Urin- oder Stuhlinkontinenz keinen Schutz bietet. Im Gegenteil: Ein Dammriss heilt meist besser als ein vorbeugend gesetzter Dammschnitt, wie man aufgrund von Studien heute weiß. Deshalb wird der Dammschnitt viel seltener gemacht als noch vor zwanzig Jahren.

So wird der Dammschnitt durchgeführt: Wenn der kindliche Kopf schon sehr tief in der Scheide sitzt, also kurz bevor das Baby zur Welt kommt, führt die Hebamme oder die Ärztin bzw. der Arzt auf dem Höhepunkt einer Wehe mit einer speziellen Schere den Schnitt aus. Die meisten Frauen beschreiben keinen Schmerz, sondern ein plötzliches Gefühl der Entlastung nach einem zuvor sehr großen Spannungsgefühl. Deshalb ist in der Regel keine örtliche Betäubung erforderlich. Nach der Geburt wird der Schnitt in örtlicher Betäubung genäht. Vorher wird kontrolliert, ob der Schnitt bis zum Darm-Schließmuskel weitergerissen ist, denn dann muss auch der Schließmuskel sorgfältig genäht werden. Die Fäden müssen später nicht gezogen werden, sondern lösen sich von selbst auf. Ruhe und Schonung in der ersten Wochenbett-Zeit unterstützen die Wundheilung.

Eine regelmäßige Massage des Dammes am Ende der Schwangerschaft, eine aufrechte Geburtsposition und die Auflage von warmen Kompressen am Damm in der Austreibungsphase können helfen, Rissverletzungen und einen Dammschnitt zu vermeiden.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.12.2017