Wo ist der Kaiserschnitt besonders häufig?

Fast ein Drittel aller Kinder in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Die Kaiserschnittraten sind jedoch regional sehr unterschiedlich, sie reichen von etwa 17 bis über 50 Prozent der Geburten. Über die Gründe gibt es bisher nur Vermutungen.

Bild zeigt liegende Mutter nach dem Kaiserschnitt, mit ihrem Baby auf der Brust
© Corbis Images

Im Jahr 2013 kamen in Deutschland 31,8 Prozent aller Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Hinter dieser Zahl verbergen sich jedoch große regionale Unterschiede: Die Spanne zwischen einzelnen Landkreisen reicht von 17 bis 51 Prozent. Kreise mit hohen Kaiserschnittraten liegen überwiegend in Bayern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, während vor allem in den neuen Bundesländern Kreise mit niedrigen Raten zu finden sind.

Ergebnisse des „Faktenchecks Kaiserschnitt“

Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat ein wissenschaftliches Team die Ursachen für die regional unterschiedlich hohen Kaiserschnittraten untersucht. Nur bei zehn Prozent aller Kaiserschnitte lag ein zwingender medizinischer Grund für eine Schnittentbindung vor. Bei den restlichen 90 Prozent wäre grundsätzlich auch eine normale vaginale Geburt möglich.

Auch zeigte sich, dass in Kreisen mit hohen Raten die Schwangeren weder älter noch kränker oder stärker sozial belastet waren als in den Regionen mit niedrigen Raten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die regionalen Unterschiede eher mit unterschiedlichen Einschätzungen in den Kliniken zusammenhängen, wann ein Geburtsrisiko besteht.

Zu den Fällen, in denen es oft einen ärztlichen Spielraum für oder gegen einen Kaiserschnitt gibt, gehören die Beckenendlage eines Kindes, ein früherer Kaiserschnitt bei der Schwangeren, ein sehr großes Kind oder starkes Übergewicht der Mutter. Hier wird das Geburtsrisiko von den Kliniken häufig unterschiedlich hoch eingeschätzt, was  wahrscheinlich zu den verschiedenen Kaiserschnittraten in den Regionen führt.

Setzt sich die bestehende Praxis fort, geht das Forschungsteam davon aus, dass die Kaiserschnittzahlen in den kommenden Jahren weiter steigen. Zum einen, weil Kaiserschnittgeburten bei einer neuen Schwangerschaft häufig einen weiteren Kaiserschnitt nach sich ziehen. Zum anderen, weil die Erfahrung der Geburtshelferinnen und Geburtshelfer mit der Betreuung von natürlichen Geburten zwangsläufig abnimmt. So verstärkt jeder Kaiserschnitt den Trend zu mehr Kaiserschnitten.

Was tun?

Bei den Überlegungen, wie und wo das Kind zur Welt kommen soll, ist eine Möglichkeit, die Kaiserschnittraten der einzelnen Kliniken in der Region zu berücksichtigen. Die Zahlen können eine wichtige Zusatzinformation sein, sich für oder gegen einen bestimmten Geburtsort zu entscheiden.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 24.04.2015