Verletzungen durch die Geburt

Bei der Geburt werden der Beckenboden und die Scheide gedehnt und belastet. Nicht selten kommt es dadurch zu Blutergüssen, Abschürfungen oder kleinen Rissen. Diese heilen meist schnell und komplikationslos ab. Es kann aber auch zu größeren, teilweise nicht sichtbaren Verletzungen kommen.

Hämatome

Mutter direkt nach der Geburt mit ihrem Säugling
© BZgA/HN/Eichhöfer

Kommt es zu Blutungen in den Unterhautschichten der Venuslippen (Schamlippen), des Dammgewebes oder der Scheide, schwillt das Gewebe an und es bilden sich Blutergüsse (Hämatome) unter der Haut. In den ersten Tagen nach der Geburt kann es dadurch zu Schmerzen beim Sitzen und Laufen oder einem Druckgefühl in der Scheide kommen.

Zur Linderung der Schwellung und des Spannungsgefühls können Hämatome in den ersten 24 Stunden gekühlt werden, etwa mit einem Coolpack. Die Beschwerden lassen nach, wenn sich die Hämatome zurückbilden. Das kann mehrere Tage dauern.

Verletzungen an Scheide und Gebärmutterhals

Nicht selten kommt es bei der Geburt zu kleinen Einrissen oder Abschürfungen in der Scheide. Nur größere Risse müssen genäht werden. Weil das Gewebe der Scheide sehr gut und schnell heilt, verursachen Scheidenrisse kaum Beschwerden.

Rissverletzungen der kleinen Venuslippen sind meist so oberflächlich, dass sie nicht genäht werden müssen. In den ersten Tagen nach der Geburt kann es aber beim Wasserlassen brennen, wenn der Urin über die Wundflächen läuft. Um die Beschwerden zu lindern, können Sie während des Urinlassens Wasser über den Intimbereich laufen lassen. Dazu bereiten Sie sich ein Gefäß mit Ausguss vor, etwa einen Messbecher mit lauwarmem Wasser. Auf der Toilette lehnen Sie sich dann etwas nach hinten und gießen langsam und stetig, solange der Urin fließt. Nach einigen Tagen haben nur noch wenige Frauen Beschwerden.

Bei etwa einer von zweihundert Geburten kommt es zu einem Einriss am Gebärmutterhals (Zervixriss), der dann meist stärker blutet und genäht werden muss.

Dammriss

Die häufigste Verletzung durch die Geburt ist ein Dammriss. Dabei reißt das Gewebe zwischen dem hinteren Rand des Scheidenausgangs in Richtung Darmausgang ein. Je nach Ausdehnung des Risses werden vier Grade unterschieden: Ein Dammriss ersten Grades ist auf die Haut beschränkt, ein Dammriss zweiten Grades erstreckt sich auch auf darunterliegendes Muskelgewebe. Diese Risse sind relativ häufig (etwa bei jeder zweiten Geburt) und heilen meist ohne Probleme. Je nach Ausprägung kann eine Naht erforderlich sein.

Bei einem Dammriss dritten Grades erstreckt sich der Riss so weit in Richtung Darmausgang, dass auch Fasern des Schließmuskels betroffen sind, bis hin zu einer völligen Durchtrennung des äußeren und inneren Schließmuskels. Ein Dammriss vierten Grades betrifft den Schließmuskel und reicht bis zur Darmschleimhaut. Beide sind viel seltener als Risse ersten oder zweiten Grades: Von einem Dammriss dritten Grades sind ungefähr drei bis fünf von hundert Frauen betroffen. Ein Dammriss vierten Grades wird in Deutschland bei einer von tausend Geburten diagnostiziert. Für die Diagnose ist eine genaue Untersuchung von Damm, Schließmuskel und Enddarm erforderlich. Da eine Verletzung des Schließmuskels nicht immer gleich entdeckt wird, lässt sich nicht sagen, wie häufig diese Risse tatsächlich sind. Man weiß, dass das Risiko für höhergradige Dammrisse erhöht ist, wenn das Kind über 4000 Gramm wiegt, oder wenn die Geburt mit einer Saugglocke oder einer Zange beendet werden muss. 

Nach der Geburt von Kind und Mutterkuchen (Plazenta) werden Scheide und Damm der Mutter genau untersucht. Müssen Verletzungen genäht werden, wird das noch im Kreißsaal gemacht. Die Versorgung von Dammrissen ersten oder zweiten Grades kann auch eine Hebamme übernehmen, ein höhergradiger Dammriss wird fachärztlich versorgt. Zur Naht wird das Gebärbett kurzerhand zu einem gynäkologischen Stuhl umfunktioniert. So kann die Mutter mit dem Kind im Arm liegen bleiben und braucht nur ihre Beine in die Halteschalen zu legen. Wenn bei der Geburt keine Periduralanästhesie eingesetzt wurde, wird die Wundstelle örtlich betäubt. Von außen ist am Ende meist nur ein kleiner Strich zu sehen.

Zur Versorgung eines höhergradigen Dammrisses wird eine Allgemein- oder Regionalanästhesie empfohlen, auch hier werden die einzelnen Gewebe- und Hautschichten nacheinander genäht. Dies ist besonders wichtig, um die Funktion des Schließmuskels zu erhalten. Die Fäden müssen später nicht gezogen werden, sondern lösen sich in den kommenden Wochen von selbst auf. Die Nachbehandlung eines höhergradigen Dammrisses besteht vor allem aus Kühlung und einer vorbeugenden Antibiotika-Einnahme. Wichtig ist außerdem, für einen weichen Stuhlgang zu sorgen.

Größere Verletzungen werden oft von Blutergüssen (Hämatomen) begleitet, die meist mehr Beschwerden bereiten als die Wundnaht. Im Rahmen der Wochenbettbetreuung beobachtet und unterstützt die Hebamme die Wundheilung. Haben Sie anhaltende Schmerzen oder infiziert oder öffnet sich die Naht, suchen Sie in Absprache mit der Hebamme bitte eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt auf.

Wird der Dammriss gut versorgt, heilt er in der Regel in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Geburt gut ab. In dieser Zeit sind an einer Naht oft noch Schwellungen, ein Druckgefühl und leichte Schmerzen zu spüren. Auch danach kann die Naht beim Sex eine Weile noch spürbar sein. Manchmal kann es noch mehrere Monate lang zu Beschwerden und Schmerzen bei einigen sexuellen Praktiken kommen, etwa wenn die Naht noch empfindlich oder die Scheide trocken ist. Probieren Sie aus, was für Sie angenehm ist.

Überdehnungen

Bei der Geburt wird das Becken der Schwangeren weiter, weil sich die Verbindungen zwischen den einzelnen Beckenknochen dehnen. Eine Überbeanspruchung der Schambeinfuge (Symphyse) durch die Geburt, eine Symphysen-Lockerung, bildet sich in der Regel nach der Geburt von selbst zurück. In einzelnen Fällen kann ein fester Beckengürtel erleichternd sein, der von der Ärztin oder vom Arzt verschrieben und von der Krankenkasse erstattet werden kann. Ein Symphysen-Riss (Symphysen-Sprengung) ist äußerst selten.

Mögliche Folgen einer Geburt für den Beckenboden

Die Dehnung des Beckenbodens bei der Geburt kann im Wochenbett zu einem Gefühl der Weichheit der Scheide oder einem Druckgefühl nach unten führen. Auch kann eine Blasenschwäche auftreten. Im Rahmen der Rückbildungsvorgänge bessern sich diese Beschwerden in der Regel in den ersten Monaten nach der Geburt.

Eine Geburt kann aber auch zu einer langfristigen Beckenboden-Schwäche führen, die mit unfreiwilligem Urinabgang (Harninkontinenz), mangelnder Kontrolle über den Abgang von Blähungen oder Stuhlgang (Stuhlinkontinenz) und/oder einer Senkung von Organen wie etwa einer Blasen- oder Gebärmuttersenkung einhergehen kann. Nicht gut verheilte oder nicht erkannte höhergradige Dammrisse können auch zu Stuhlinkontinenz führen. Das Risiko für solche Probleme ist erhöht bei Frauen mit einer Körpergröße von weniger als 160 Zentimetern, die ein Kind mit einem Gewicht von mehr als 4000 Gramm geboren haben, vor allem bei vaginal-operativer Geburt (Saugglocken- oder Zangenentbindung). Weitere Risikofaktoren sind ein Alter über 35 Jahren, Übergewicht und eine familiäre Häufung von Beckenboden-Erkrankungen. 

Die erste und wichtigste Behandlung einer Beckenbodenschwäche besteht in der Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur. Durch gezieltes Beckenbodentraining lässt sich der Beckenboden nachhaltig stärken, sodass er sich kräftiger anfühlt und sich die Senkung von Organen und/oder die Inkontinenz bessern. Eine gute Anleitung zum Erlernen der Beckenbodenübungen ist sehr wichtig – speziell ausgebildete Hebammen oder physiotherapeutische Fachkräfte sind hierfür die richtigen Ansprechpersonen. 

Wenn Sie bemerken, dass sich der Beckenboden sehr weich anfühlt oder stark nach unten drückt, wenn Sie Schwierigkeiten haben, den Beckenboden anzuspannen, auch Monate nach der Geburt noch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder dauerhaft Probleme mit Inkontinenz haben: Sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt darüber. Das gilt auch für den Fall, dass diese Beschwerden erst einige Zeit – unter Umständen einige Monate – nach der Geburt auftreten. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie beraten, bei Bedarf eine physiotherapeutische Behandlung verordnen und Ihnen eventuell ein Beckenboden-Zentrum empfehlen. Beckenboden-Zentren sind auf die Diagnose und Behandlung solcher Beschwerden spezialisiert.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 13.12.2019