Die Geburtsphasen

Eine Geburt ist ein mehrere Stunden dauernder Prozess. Er wird üblicherweise in vier Phasen eingeteilt: die Eröffnungsphase, die Übergangsphase, die Austreibungsphase und die Nachgeburtsphase.

Wehenschreiber und Strickzeug
© BZgA/HN/Eichhöfer

Nach der Ankunft in der Klinik oder im Geburtshaus wird in der Regel zunächst festgestellt, wie weit die Geburt fortgeschritten ist. Die Hebamme empfängt die werdende Mutter im Kreißsaal, tastet die Lage des Kindes und prüft durch die innere Untersuchung, wie weit sich der Muttermund schon gedehnt hat. Die kindlichen Herztöne und die Wehentätigkeit werden mit dem CTG geprüft.

Ist die Geburt noch am Anfang, kann ein langer Spaziergang durch den Garten oder über die Flure dazu beitragen, die Wehen regelmäßig und kräftig werden zu lassen. Manchmal helfen auch ein heißes Bad, Massagen oder Treppensteigen. 

Die Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase ist die längste Phase der Geburt und dauert so lange, bis der Muttermund vollständig eröffnet ist. Bis dahin vergehen beim ersten Kind durchschnittlich acht bis 14 Stunden, bei weiteren Geburten im Durchschnitt nur sechs Stunden. Die Wehen werden in dieser Zeit immer stärker und länger, die Pausen dazwischen kürzer. Gegen Ende der Eröffnungsphase kommen die Wehen alle zwei bis drei Minuten und dauern etwa eine Minute an.

Mit jeder einzelnen Wehe geht die Geburt ein kleines Stück voran: Das Köpfchen des Kindes tritt allmählich in den knöchernen Beckenring ein. Es drückt von innen auf den Muttermund, der sich langsam bis auf etwa zehn Zentimeter öffnet.

Ist die Fruchtblase nicht schon vor Geburtsbeginn gesprungen, passiert dies meist während der Eröffnungsphase. Manchmal wird die Fruchtblase auch von der Hebamme mit einem kleinen Instrument geöffnet, wenn die Geburt ins Stocken gerät. Dies nennt man Fruchtblasensprengung (Amniotomie). Nachdem das Fruchtwasser abgegangen ist, drückt das Köpfchen direkt und ohne das Polster der gefüllten Fruchtblase von innen auf den Muttermund. Das führt meist zu kräftigeren Wehen und einer Beschleunigung des Geburtsverlaufs.

Kontrolluntersuchungen

In dieser Phase werden die Herztöne und der Muttermund in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Bei den Untersuchungen durch die Scheide tastet die Hebamme,

  • wie weit der Muttermund geöffnet ist,
  • ob er fest oder weich ist,
  • wie weit sich das Köpfchen vorwärts geschoben hat,
  • ob sich das Köpfchen richtig dreht.

Manchmal werden zusätzliche Untersuchungen wie Blutdruck-Kontrollen, Blutentnahmen und Fiebermessen notwendig. 

Früher übliche Hygienemaßnahmen wie

  • Einlauf,
  • Körperreinigung durch ein Vollbad oder eine Dusche, 
  • Kürzen oder Rasieren der Schamhaare oder 
  • Desinfektion der äußeren Geschlechtsorgane 

sind keine Routine mehr. Jede Frau kann frei entscheiden, ob und wann sie einen Einlauf wünscht und ob sie die Schamhaare rasiert haben möchte.

Erschöpfung und Schmerzen bewältigen

Es gibt bei fast jeder Geburt Momente, in denen eine werdende Mutter glaubt, nicht mehr weiterzukönnen. Diese Gefühle sind normal und bedeuten nicht, dass sie die Geburt nicht schafft. Entscheidend ist in diesen Augenblicken, sich nicht gegen die Wehen „aufzulehnen“ – auch wenn dies leichter gesagt ist als getan.

Wenn die Schmerzen sehr stark werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich Erleichterung zu verschaffen:

  • Wechsel der Körperhaltung, zum Beispiel Sitzen auf dem Gymnastikball, Liegen auf der Seite oder kurzes Umhergehen mit Unterstützung,
  • Entspannungs- und Atemübungen,
  • Entspannungshilfen wie ein Fußbad, eine Wärmflasche oder eine Massage von Rücken und Steißbein,
  • ein warmes Bad,
  • Akupunktur oder andere alternative Methoden zur Beruhigung und Schmerzlinderung,
  • entspannende und schmerzlindernde Medikamente, 
  • regionale Betäubungen: Peridural-Anästhesie (PDA) und Pudendus-Block.

Während der langen Zeit der Eröffnungsphase wird sehr viel Energie verbraucht. Manche Frauen müssen sich übergeben, weil die starken Kontraktionen der Wehen auch die Magennerven reizen können. Deshalb ist es wichtig, während der Geburt nichts schwer Verdauliches zu essen. Empfehlenswert sind kleine Snacks wie Schokolade, Müsliriegel, Traubenzucker oder auch Saft, weil sie den Magen nicht belasten und kurzfristig viel Energie liefern.

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 11.11.2010