Aufklärungspflicht über medizinische Eingriffe

Jeder medizinische Eingriff in den Körper bedarf der vorherigen Aufklärung und Einwilligung der behandelten Person. Dies gilt auch für Untersuchungen, Behandlungen oder vorbeugende Maßnahmen während oder nach der Geburt.

© BZgA/HN/Eichhöfer
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Damit die Mutter oder – bei Eingriffen am Kind – die Eltern entscheiden können, ob sie einer medizinischen Maßnahme zustimmen oder sie ablehnen möchten, müssen sie wissen, worum es geht.

Normalerweise stellen die behandelnde Ärztin, der Arzt oder die betreuende Hebamme hierzu ausreichende Informationen zur Verfügung. Soll das Neugeborene zum Beispiel Augentropfen zur Vorbeugung (Prophylaxe) einer Augenentzündung erhalten, wird den Eltern erklärt:

  • Die Art der Maßnahme: Verabreichen von Augentropfen
  • Das Ziel: Vorbeugen einer Augenentzündung
  • Mögliche Risiken: eine allergische Reaktion
  • Mögliche Behandlungsalternativen: abwarten und bei Bedarf behandeln
  • Individuell wichtige Faktoren, die für oder gegen die Behandlung sprechen (zum Beispiel Sicherheit der Diagnose und Erfolgsaussichten der Behandlung): Hat ein Scheidenabstrich ergeben, dass bei der Frau eine Chlamydieninfektion vorliegt, lässt sich mit dem Antibiotikum eine Infektion des Kindes wahrscheinlich vermeiden.

Mündliche oder schriftliche Zustimmung

Einem Eingriff kann mündlich oder schriftlich zugestimmt werden. Für eine Augentropfen-Behandlung im Kreißsaal reicht normalerweise das mündliche Einverständnis der Mutter, bei gemeinsamem Sorgerecht auch die des Vaters. Für operative Eingriffe ist in meisten Fällen eine Unterschrift unter ein Dokument nötig, das die Maßnahme ausführlich erklärt. Vor einem geplanten Kaiserschnitt oder einer Periduralanästhesie wird die Frau in der Regel gebeten, zu unterschreiben, dass sie über den Grund und die Risiken des Eingriffs aufgeklärt wurde.

Aufklärung über geburtshilfliche Eingriffe

Sobald sich vor oder während der Geburt abzeichnet, dass eine medizinische Maßnahme oder ein operativer Eingriff notwendig werden könnte, wird die Ärztin oder der Arzt mit der Frau beziehungsweise den werdenden Eltern über das weitere Vorgehen sprechen. Dabei werden die Vorteile und Risiken des Eingriffs erläutert und gegeneinander abgewogen.

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Wie viel Zeit zwischen der Aufklärung und der Zustimmung liegt und wie ausführlich das Informationsgespräch geführt werden kann, hängt von der Situation ab. Bei Eingriffen wie einem geplanten Kaiserschnitt muss mindestens ein Tag zwischen Aufklärung und Zustimmung liegen. Die Entscheidung über eine Periduralanästhesie für die Geburt muss dagegen schnell getroffen werden. Auch bei anderen Eingriffen wie zum Beispiel einem Dammschnitt, der kurzfristig nötig werden kann, bleibt wenig Zeit für eine Einwilligung.

Vorab-Information hilft bei schnellen Entscheidungen

Manchmal erfordert eine Situation so rasches Handeln, dass keine Zeit für eine ausführliche Aufklärung bleibt. In diesen Fällen wird während der notwendigen körperlichen Vorbereitung erklärt, was auf die Frau zukommt.

Um auch in einer hektischen Situation die richtige Entscheidung treffen zu können, kann es hilfreich sein, wenn ein Paar sich schon während der Schwangerschaft und in Ruhe über die möglichen Eingriffe und ihre Risiken informiert hat.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.01.2012