Möglichkeiten der Schmerzlinderung

Zur Linderung der Schmerzen während der Geburt stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Neben medikamentösen werden auch alternative Behandlungsmethoden angeboten.

Hebamme hilft einer Gebärenden bei den Schmerzen
© BZgA/HN/Eichhöfer

Zu wissen, dass es bei Bedarf möglich ist, starke Geburtsschmerzen wirksam zu lindern, kann beruhigen und die Angst vor der Geburt verringern. Während der Geburt sind es aber oft andere Dinge als Medikamente, die helfen, die Wehen gut zu bewältigen. Sehr wichtig ist vor allem eine verlässliche und Anteil nehmende Unterstützung durch die Hebamme, die Ärztin oder den Arzt, durch den Partner oder eine andere Begleitperson.

Schmerzlindernd und beruhigend können folgende nichtmedikamentöse Methoden wirken:

  • Wärme – ob als Wärmepackung oder Wannenbad
  • Entspannungs- und Atemübungen
  • Gehen und Bewegen, zum Beispiel das Becken kreisen lassen
  • Massagen
  • Druck auf den Kreuzbeinbereich gegen Rücken- und Muttermundsschmerzen
  • Ausprobieren verschiedener Körperpositionen, um die angenehmste Lage herauszufinden
  • ruhige und bewusste Atmung

Alternative Methoden

In der Geburtsbegleitung werden auch alternative Methoden zur Schmerzlinderung angeboten. Auch wenn die Wirkung der meisten Verfahren wissenschaftlich bisher nicht oder kaum belegt ist, können sie manchen Frauen helfen, sich zu entspannen und ihr Wohlbefinden zu verbessern.

Die Akupunktur wird manchmal schon im Rahmen der Geburtsvorbereitung im letzten Monat vor der Geburt eingesetzt, um Ängste vor der Geburt zu verringern. Akupunktur während der Geburt selbst kann möglicherweise eine Schmerzlinderung bewirken, schränkt aber die Bewegungsfreiheit ein und wird deshalb nur selten praktiziert.

Homöopathische Mittel werden unter anderem bei Wehenschmerzen, Unruhe, Angst, Niedergeschlagenheit und Wundschmerzen angeboten. Auch vor der Geburt ist eine homöopathische Behandlung durch entsprechend ausgebildete Hebammen, Ärztinnen oder Ärzte möglich.

Verfahren aus der Bachblüten- und Aromatherapie wirken auf manche Frauen entkrampfend und beruhigend. Bei der Aromatherapie werden ätherische Öle zum Beispiel aus Kamille, Lavendel oder Rosmarin in einer Duftlampe, zum Einatmen oder in Massageölen verwendet.

Medikamentöse Verfahren

Während einer Geburt können Situationen auftreten, in denen eine medikamentöse Behandlung nicht nur die Schmerzen lindern, sondern auch den Geburtsverlauf vereinfachen und helfen kann, Komplikationen zu vermeiden.

Zu Beginn der Eröffnungsphase werden häufig entkrampfende Mittel, sogenannte Spasmolytika wie zum Beispiel Buscopan, als Zäpfchen oder Injektion verabreicht. Sie entspannen den Muttermund und haben in der Regel keine Nebenwirkungen für das Kind.

Bei stärkeren Schmerzen wird häufig das Opiat Pethidin (Handelsname Dolantin) verwendet. Dieses Schmerzmittel dämpft in der Regel aber nicht nur die Schmerzempfindung, sondern auch das Bewusstsein der Mutter. Es macht auch das Kind schläfrig. Daher muss es sorgfältig dosiert und zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden.

Opiathaltige Schmerzmittel und das heute nur noch sehr selten verwendete Lachgas wirken auf das zentrale Nervensystem und auch auf das Kind. Dies ist bei örtlich betäubenden Medikamenten anders. Lokal wirkende Verfahren sind die Peridural-Anästhesie, die Spinalanästhesie und der Pudendus-Block.

Für den Pudendusblock spritzt die Ärztin oder der Arzt ein Betäubungsmittel in das Gewebe im Bereich des Sitzbeinhöckers. Dadurch wird der Dehnungsschmerz im Scheidenausgang und Bereich des Damms betäubt. Der Pudendus-Block wird vor allem in der Spätphase der Geburt und bei Frauen eingesetzt, bei denen keine Peridural-Anästhesie (PDA) gelegt wurde. Durch den späten Einsatz ist ein Übergang von Schmerzmitteln auf das Kind in der Regel ausgeschlossen. Wesentliche Nachteile sind nicht bekannt.

Die Periduralanästhesie (PDA)

Bei der Periduralanästhesie wie auch bei der Spinalanästhesie wird ein Medikament in den unteren Rücken gespritzt. Bei der PDA wird das Medikament über einen weichen Katheter verabreicht, der in den sogenannten Periduralraum zwischen Wirbel und Rückenmarkskanal geschoben wird. Das Medikament umspült den Rückenmarkskanal, in dem die Rückenmarksnerven verlaufen, und vermindert dadurch die Schmerzempfindung. Allerdings dauert es etwa 15 bis 20 Minuten, bis die Wirkung eintritt. Dafür kann später bei Bedarf leicht nachdosiert werden. Falls ein Kaiserschnitt erforderlich wird und genügend Zeit zur Verfügung steht, kann auch die hierfür erforderliche Dosis eingeleitet werden. Normalerweise wird eine PDA erst gelegt, wenn der Muttermund etwa fünf Zentimeter eröffnet ist.

Als ernsthafte Nebenwirkung kann zum Beispiel der Blutdruck plötzlich abfallen. Zur Vorbeugung wird meist zusätzlich ein Tropf in den Arm gelegt, um rasch ein Gegenmittel verabreichen zu können. Da die Betäubung auch die Blase lähmen kann, wird oft ein Blasenkatheter gelegt. Geburten mit PDA dauern im Durchschnitt etwas länger, als wenn der Unterleib nicht betäubt ist.

Ob und wie lange eine Frau nach einer PDA liegen bleiben muss, ist unter anderem von der Dosierung der PDA abhängig. Normalerweise sollte die Betäubung nach zwei Stunden wieder abklingen.

Die Spinalanästhesie

Bei der Spinalanästhesie wird die harte Rückenmarkshaut mit einer dünnen Kanüle durchstochen und das Schmerzmittel direkt in den Rückenmarkskanal gespritzt. Danach wird die Nadel sofort entfernt. Die betäubende Wirkung tritt bei dieser Methode sehr schnell ein. Sie empfiehlt sich in der Endphase einer Geburt, wenn keine PDA gelegt wurde oder falls ein sofortiger Kaiserschnitt notwendig wird. Im Gegensatz zum Kaiserschnitt unter Vollnarkose bleibt die Mutter bei einer Spinalanästhesie wach und kann ihr Kind gleich nach der Entbindung sehen und hören.

Durch den Einstich ins Rückenmark kann Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) austreten. Geht dabei viel Liquor verloren, kann das starke Kopfschmerzen auslösen. Mit der Entwicklung feiner Spinalnadeln scheint diese Nebenwirkung heute allerdings nicht mehr häufig aufzutreten.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.05.2015