Der Hebammenkreißsaal

Nicht wenige Schwangere möchten bei der Geburt ausschließlich von einer Hebamme betreut werden, fühlen sich im Krankenhaus aber sicherer als zu Hause. Für sie sind von Hebammen geleitete sogenannte Hebammenkreißsäle eine gute Alternative. Ärztliche Hilfe ist bei Bedarf sofort verfügbar.

In den letzten Jahrzehnten ist es zur Regel geworden, dass Geburten in Krankenhäusern und unter ärztlicher Leitung stattfinden. Dies gilt auch für Geburten von gesunden Schwangeren, die voraussichtlich normal verlaufen werden. Solange kein Risiko besteht, spricht jedoch nichts dagegen, dass eine werdende Mutter bei der Geburt ausschließlich von einer Hebamme begleitet wird.

Gute Alternative bei normalem Schwangerschaftsverlauf

Die meisten Frauen wünschen sich eine spontane, natürliche Geburt und hoffen, dass keine medizinischen Eingriffe nötig sind. Viele Schwangere möchten deshalb während der Geburt lieber durchgängig von einer Hebamme betreut werden, ohne auf die Sicherheit einer Klinik zu verzichten.

Hebamme erklärt einem Paar den Kreisaal
© BZgA/HN/Eichhöfer

Ihnen kommt das Modell „Hebammenkreißsaal“ entgegen. Im Hebammenkreißsaal betreuen erfahrene Hebammen eigenverantwortlich gesunde Schwangere. Ärztliche Hilfe wird nur hinzugezogen, wenn während der Geburt medizinische Probleme auftreten. Falls es zu Komplikationen kommt, die medizinische Maßnahmen nötig machen, kann jederzeit ärztliche Hilfe hinzugezogen werden, ohne dass die Gebärende in einen anderen Raum verlegt werden muss.

Hebammenkreißsäle gibt es mittlerweile in vielen größeren Kliniken, und das Angebot wird weiter ausgebaut. Ein Hebammenkreißsaal soll nicht den gewöhnlichen Kreißsaal unter ärztlicher Leitung ersetzen, sondern versteht sich als zusätzliches Angebot für Frauen mit normalem Schwangerschaftsverlauf.

Wenn eine Frau einem Hebammenkreißsaal gebären möchte und die Voraussetzungen – normale Schwangerschaft und kein absehbares Geburtsrisiko – durch Hebammen und ärztliches Personal sorgfältig geprüft wurden, steht der Geburt unter Hebammenleitung nichts im Wege. Ratsam ist, dass sich die Schwangere und die Kreißsaalhebammen schon in der Schwangerschaft kennenlernen und ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Modell in anderen europäischen Ländern bewährt

In Skandinavien, Österreich, der Schweiz und Großbritannien gibt es Hebammenkreißsäle schon länger als in Deutschland. Rund 90 Prozent der Kinder kommen hier zur Welt. Die meisten Frauen äußern sich zufrieden über ihr Geburtserlebnis. Sie haben insgesamt weniger Dammschnitte, Zangengeburten und künstliche Geburtseinleitungen, außerdem kommen weniger Schmerzmedikamente zum Einsatz. Darüber hinaus stillen die jungen Mütter häufiger und länger und haben seltener eine Wochenbettdepression. Grundlage der guten Ergebnisse ist die sorgfältige Risikoabwägung durch Ärztinnen, Ärzte und Hebammen vor der Geburt.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27.06.2019