Die Hausgeburt

Was noch in den 1950er Jahren selbstverständlich war, ist seit einigen Generationen eine Ausnahme: die Hausgeburt. Generell spricht nichts gegen eine Geburt zu Hause, wenn kein Risiko besteht und sie gut vorbereitet wird.

Säugling hält Hand von Elternteil © BZgA/HN/Eichhöfer
© BZgA/HN/Eichhöfer

Obwohl die Hausgeburt in den 1980er Jahren kurzzeitig eine Renaissance erlebt hat, ist es heute nur eine kleine Minderheit von Frauen, die sich entscheidet, ihr Kind zu Hause zur Welt zu bringen. Dabei ist oft der Wunsch ausschlaggebend, dass das Kind in der vertrauten Umgebung geboren wird.

Viele Frauen versprechen sich zu Hause eine entspanntere Atmosphäre und somit eine weniger anstrengende Geburt. Dazu gehört für sie, sich während der Wehen und der Geburt so bewegen zu können, wie sie möchten. Vielen ist es auch wichtig, sich nicht von dem Neugeborenen und der übrigen Familie trennen zu müssen.

Mögliche Risiken prüfen

Die betreuenden Ärztinnen, Ärzte und Hebammen prüfen sehr genau, ob die Hausgeburt für eine Schwangere möglich und geeignet ist. Können alle absehbaren Komplikationen ausgeschlossen werden, ist nichts gegen eine Geburt in den eigenen vier Wänden einzuwenden. Ein gutes Vertrauensverhältnis zu der Hebamme, die die werdende Mutter vor und während der Geburt betreut, ist dabei besonders wichtig.  

Zu den Gründen, die gegen eine Hausgeburt sprechen, zählt eine Risikoschwangerschaft, etwa weil die Schwangere Diabetes oder Bluthochdruck hat oder eine Mehrlingsschwangerschaft vorliegt. Auch bei absehbaren Komplikationen während der Geburt, beispielsweise wegen einer Beckenendlage, wird von einer Hausgeburt abgeraten.

Entscheidend ist nicht zuletzt die Frage, ob sich die Schwangere bei einer Hausgeburt wirklich sicher fühlt und davon überzeugt ist, auf die medizinische Betreuung in der Klinik verzichten zu können. Da die Sicherheit wesentlich von der Erfahrung der Hebamme abhängt, sollte sie besonders sorgfältig ausgewählt werden. Denn wenn – gleich aus welchem Grund – doch noch Unsicherheiten und Ängste bestehen, könnten sie den Geburtsverlauf ungünstig beeinflussen.

Gut vorbereiten

Statistiken haben gezeigt, dass es bei entsprechender Vorbereitung während einer Hausgeburt nur selten zu kritischen Situationen kommt, die nicht vor Ort in den Griff zu bekommen sind. Falls eine solche Situation eintreten sollte, ist es meist immer noch möglich, in die nächstgelegene Klinik zu fahren.

Da eine Verlegung in die Klinik nie ausgeschlossen werden kann und sollte, ist es ratsam, sich einige Tage vor dem errechneten Geburtstermin in einer Klinik anzumelden. Sie sollte in 20 Minuten mit dem Auto zu erreichen sein. Es ist nicht nur für einen Notfall wichtig, dass die Daten der werdenden Mutter dort schon vorliegen: Schließlich besteht auch die Möglichkeit, dass sie sich kurzfristig doch gegen eine Hausgeburt entscheidet.

Die Kosten für eine Hausgeburt werden ebenso wie die einer Klinikgeburt von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Für die Rufbereitschaft der Hebamme um den ausgerechneten Geburtstermin wird allerdings eine Pauschale fällig.

Schon vorher regeln: Hilfe nach der Geburt

Direkt nach der Entbindung und in den Wochen darauf werden Mutter und Kind weiter von der Hebamme betreut. Die Untersuchung gleich nach der Geburt (U1) kann die Hebamme machen, die U2 wird von einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt durchgeführt. Diese Untersuchung steht zwischen dem vierten und dem zehnten Lebenstag des Neugeborenen an, sodass hierfür rechtzeitig ein Termin vereinbart werden sollte.

Schon vor der Geburt kann geregelt werden, wer danach den Haushalt und die Versorgung der Geschwisterkinder übernimmt. Eine gute, realistische Arbeitsaufteilung ist wichtig, damit sich die Mutter in Ruhe von der Geburt erholen und auf das Neugeborene konzentrieren kann. Vielleicht schaffen es der Vater und die Familie mithilfe des Freundeskreises allein. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt auch die Krankenkasse für einen gewissen Zeitraum die Kosten einer Haushaltshilfe.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 21.02.2014