Eileiterschwangerschaft

In seltenen Fällen wandert die befruchtete Eizelle nicht in die Gebärmutter, sondern nistet sich außerhalb ein, meist im Eileiter. Die Schwangerschaft kann dann nicht ausgetragen werden.

Jährlich werden rund 12.000 Frauen aufgrund einer Eileiterschwangerschaft im Krankenhaus behandelt. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von Eileiterschwangerschaften, die in einem sehr frühen Stadium unbemerkt enden. Der medizinische Begriff für das Einnisten einer befruchteten Eizelle außerhalb der Gebärmutter ist extrauterine oder ektope Schwangerschaft. Meist siedelt sich dabei die befruchtete Eizelle im Eileiter an, selten auch im Gebärmutterhals, am Eierstock oder in der Bauchhöhle.

Aus Platzmangel und weil er nicht ausreichend versorgt wird, kann sich der falsch eingenistete Embryo bald nicht mehr weiterentwickeln. Befindet er sich im Eileiter, besteht die Gefahr, dass der Eileiter einreißt. Dann kommt es zu einer inneren Blutung, die für die Mutter lebensbedrohlich werden kann. Wird eine Eileiterschwangerschaft erkannt, muss sie deshalb operativ oder medikamentös beendet werden. Durch eine sorgfältige Anamnese, das Beachten typischer Warnzeichen und verbesserte Diagnosemöglichkeiten mit Ultraschall werden Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter heute meist frühzeitig entdeckt und ärztlich behandelt.

Mögliche Ursachen

Der häufigste Grund für Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter ist eine Schädigung der Eileiter durch eine Infektion, etwa durch Chlamydien oder andere sexuell übertragbare Krankheitserreger. Auch eine Endometriose, eine frühere Sterilisation, eine Refertilisierung oder andere Operationen im Bauchraum können zu Vernarbungen und Verschlüssen führen, sodass sich die Eizelle nach dem Eisprung entweder im Eileiter festsetzt oder gar nicht erst in den Eileiter gelangt. So kommt es zu einer extrauterinen Schwangerschaft.

Ein leicht erhöhtes Risiko für eine extrauterine Schwangerschaft haben auch Frauen, die eine Spirale verwenden. Darüber hinaus treten Eileiterschwangerschaften nach Fruchtbarkeitsbehandlungen häufiger auf. Nicht immer lässt sich jedoch eine Ursache herausfinden.

Woran erkenne ich eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter?

Eileiterschwangerschaften zeigen sich zunächst wie andere Schwangerschaften auch: Die Regelblutung setzt aus, erste Schwangerschaftszeichen wie morgendliche Übelkeit, Ziehen im Unterleib und Brustspannen können auftreten, der Schwangerschaftstest fällt positiv aus.

Verschiedene Anzeichen können aber auf eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter hinweisen. Blutungen, stärkere, oft einseitige Unterbauchschmerzen und wiederholt relativ niedrige Werte des Schwangerschaftshormons ß-hCG können Warnzeichen sein. Ein weiterer und sehr wichtiger Hinweis liegt vor, wenn bei der Ultraschalluntersuchung kein Fruchtsack oder Embryo in der Gebärmutter zu sehen ist.

Hat eine Frau in der Frühschwangerschaft plötzlich starke Unterbauchschmerzen oder Blutungen, eine Kreislaufschwäche oder einen Kollaps, sollte sie umgehend ärztliche Hilfe suchen, den Notarzt rufen oder sich in eine Klinik begeben.

Behandlung: operativ, medikamentös, abwarten

Liegt eine extrauterine Schwangerschaft mit den typischen Anzeichen vor, wird in der Regel der falsch eingenistete Embryo operativ entfernt. Als Standardverfahren gilt die Bauchspiegelung (Laparoskopie). Dabei wird unter Vollnarkose unterhalb des Bauchnabels ein kleiner Schnitt gesetzt, um die Instrumente einführen zu können. Vor der Operation wird Kohlendioxidgas in die Bauchhöhle geleitet, um die Bauchdecke anzuheben und so mehr Platz zu schaffen. Danach wird ein dünner Metallstab mit einer winzigen Kamera eingeführt, deren Bilder auf einen Monitor übertragen werden. Unter Kamerabeobachtung wird dann die befruchtete Eizelle entfernt.

Wenn möglich, wird der betroffene Eileiter erhalten. Manchmal muss der Eileiter oder ein Teil von ihm entfernt werden, etwa wenn er stark geschädigt ist oder Komplikationen auftreten. Nach der Operation wird die Frau weiter auf das Schwangerschaftshormon ß-hCG getestet. Erst wenn es nicht mehr im Blut nachweisbar ist, besteht Sicherheit, dass die befruchtete Eizelle vollständig entfernt wurde.

Lässt sich bei der Bauchspiegelung die falsch eingenistete Eizelle nicht finden, kann eine medikamentöse Behandlung erfolgen, vorausgesetzt, alle Befunde weisen auf eine extrauterine Schwangerschaft hin und die Schwangere hat keine akuten Beschwerden. Ein Medikament, das in die Blutbahn oder in die Muskulatur gespritzt wird, zersetzt dann die befruchtete Eizelle, die vom Körper wieder aufgenommen wird. Auch bei dieser Therapieform finden laufend Kreislauf-, Ultraschall- und ß-hCG-Kontrollen statt. Die medikamentöse Therapie hat den Vorteil, dass sie in der Regel schonender für den Eileiter ist und daher weniger negative Folgen für eine spätere Schwangerschaft zu befürchten sind.

Ist der Befund noch nicht eindeutig und hat die Frau keine Beschwerden, kann in der Klinik unter ärztlicher Beobachtung möglicherweise abgewartet werden, ob sich die Schwangerschaft von selbst zurückbildet. Dabei werden sowohl Hormonbestimmungen und Ultraschall-Untersuchungen durchgeführt, als auch der Kreislauf der Schwangeren überwacht.

Kann ich danach wieder schwanger werden?

Mehr als die Hälfte aller Frauen, die eine extrauterine Schwangerschaft erlebt haben, bekommt noch ein Baby. Die Chance auf eine neue Schwangerschaft hängt im Einzelfall davon ab, ob und wie sehr der Eileiter geschädigt wurde und wie gut der zweite Eileiter funktioniert. Nach einer extrauterinen Schwangerschaft besteht ein höheres Risiko, dass es erneut zu einer Eileiterschwangerschaft kommt. Die nächste Schwangerschaft wird deshalb von Beginn an besonders sorgfältig überwacht.

Für manche Frauen ist eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter eine große seelische Belastung. Daher brauchen sie oft Zeit, um die überstandene Gefahr und den plötzlichen Verlust seelisch zu verarbeiten, bevor wieder Hoffnung und Mut zu einer neuen Schwangerschaft aufkeimen können.

 

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 10.05.2016
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