Juckreiz

In der Schwangerschaft kommt Hautjucken sehr häufig vor, bei etwa zwei von zehn Schwangeren. Oft ist die Haut einfach nur trockener als sonst.

Manchmal sind auch innere Erkrankungen für das Hautjucken verantwortlich, die mit den hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft zusammenhängen. Deshalb ist es grundsätzlich sinnvoll, Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder eine Hebamme auf Juckreiz anzusprechen und die Ursache abklären zu lassen.

Trockene Haut

Zur Linderung von Beschwerden durch trockene Haut ist eine regelmäßige Pflege der Haut mit einer Fett- oder Feuchtigkeitsmilch hilfreich, die ein- bis zweimal täglich, zum Beispiel nach dem Baden oder Duschen, aufgetragen wird. Sie können Ihre gewohnte Hautpflege dafür verwenden. Spezielle (teure) Produkte für die Schwangerschaft bieten keinen nachgewiesenen Vorteil. Um die Haut nicht zusätzlich zu reizen, verwenden Sie am besten nur milde Seifen und Duschgels. Kleidung aus Baumwolle ist oft angenehmer auf der Haut als Wolle oder Kunstfaser.

Allergische Erkrankung

Oft liegt die Ursache für den Juckreiz in einer Neigung zu allergischen Erkrankungen (atopisches Ekzem / Neurodermitis). Bei den betroffenen Frauen kommt es zu abgegrenzten juckenden, trockenen Hautstellen, vor allem im Gesicht, an den Augenlidern, an der Brust, im Nacken sowie in den Ellenbeugen oder Kniekehlen. Manchmal treten die Symptome in der Schwangerschaft zum ersten Mal auf. Häufig hatten die betroffenen Frauen aber auch schon früher ein juckendes Ekzem. 

Bei Neurodermitis sollten Sie sich ärztlich beraten lassen. Ein passendes Basisprodukt zur Hautpflege täglich anzuwenden, ist wichtig und in manchen Fällen auch ausreichend. Bei starkem Juckreiz sind zusätzlich kortikoidhaltige Salben wirksam. Sie sind unschädlich für das Ungeborene. Diese Salben muss die Ärztin oder der Arzt verschreiben. Auch Lichttherapie mit ultraviolettem Licht ist möglich. Außerdem können nach ärztlicher Rücksprache Medikamente gegen allergische Reaktionen in der Haut, sogenannte Antihistaminika, eingenommen werden.

Ausschlag ausgehend von Schwangerschaftsstreifen

Bei Schwangeren, die Schwangerschaftsstreifen haben, kommt es in seltenen Fällen in den letzten Wochen der Schwangerschaft oder auch erst nach der Geburt zu einem nesselsuchtartigen Hautausschlag (polymorphe Schwangerschaftsdermatose, englisch „pruritic urticarial papules and plaques of pregnancy, PUPPP“). Meist beginnen die Streifen zu jucken. Anschließend bilden sich kleinere rote, juckende Flecken, die zu Papeln oder größeren Plaques zusammenfließen und sich innerhalb von Stunden auch auf Arme und Beine ausbreiten können.

Man nimmt an, dass die starke schwangerschaftsbedingte Dehnung der Kollagenfasern in der Haut zu einer Reaktion des Immunsystems führt. Behandelt werden die Beschwerden mit antiallergischen und/oder kortikoidhaltigen Cremes, manchmal auch mit UVB-Lichttherapie. Die Nesselsucht dauert meist vier bis sechs Wochen und klingt in den ersten Tagen nach der Geburt wieder ab. In der nächsten Schwangerschaft kann der Ausschlag erneut auftreten, doch meist nicht so stark wie beim ersten Mal.

Juckreiz aufgrund von Gallenstau

Ein plötzlich auftretender starker Juckreiz im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel kann auf eine Störung der Leber- oder Gallenfunktion hinweisen, bei der sich die Gallenflüssigkeit staut (Schwangerschafts-Cholestase). Diese Störung wird in Mitteleuropa bei einer von hundert Schwangeren beobachtet. Typisch ist, dass der Juckreiz an den Handflächen und Fußsohlen beginnt und sich dann auf den ganzen Körper ausbreitet. Der Juckreiz ist sehr stark, auch nachts. Auf der Haut ist kein Ausschlag zu sehen, sondern oft nur Kratzspuren. Manchmal färben sich zusätzlich die Bindehaut in den Augen sowie die Haut gelb. Auch dunkel gefärbter Urin und hell gefärbter Stuhl sind mögliche Anzeichen.

Wie es zu dem Gallenstau kommt, ist nicht genau geklärt. Möglicherweise ist die Neigung dazu auch erblich bedingt. Für den Juckreiz ist der Anstieg der Gallensäuren im Blut und deren Ablagerung in der Haut verantwortlich.

Für die Diagnose wird das Blut untersucht (Leberwerte). Bei einer Cholestase sind eine kontinuierliche ärztliche Behandlung und die Überwachung des Wohlergehens von Mutter und Kind sehr wichtig. Um den Juckreiz zu lindern und die Leberfunktion zu verbessern, stehen Medikamente zur Verfügung; dabei sind keine Auswirkungen auf das Kind zu befürchten. Bei stark ausgeprägten Symptomen oder wenn die kindliche Entwicklung aufgrund der Gallenprobleme gefährdet ist, kann erwogen werden, die Geburt vorzeitig einzuleiten. Der Gallenstau bildet sich in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt zurück. Allerdings kommt es häufig in der nächsten Schwangerschaft erneut zu einem Gallenstau.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.03.2019