Welche Aufgaben erfüllt der Beckenboden?

Der Beckenboden verschließt das Becken nach unten, stützt die inneren Organe und ermöglicht so unsere aufrechte Haltung. Er sorgt dafür, dass die Schließmuskeln von Blase und Darm funktionieren und trägt zu einer lustvollen Sexualität bei.

Weiblicher Rumpf in Jeans © Corbis Images
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Die Beckenbodenmuskulatur arbeitet sowohl mit den Bauch- und Rückenmuskeln als auch mit der Atemmuskulatur zusammen. Er erfüllt seine Aufgaben unwillkürlich, also ohne dass man sich dessen bewusst ist. Man kann seine Muskeln aber auch bewusst anspannen und wieder loslassen. Das bedeutet: Der Beckenboden lässt sich trainieren. Frauen können so dafür sorgen, dass er Belastungen wie einer Schwangerschaft standhält und ein Leben lang stabil bleibt.

Das flexible Zusammenspiel der Muskeln dient vielfältigen Aufgaben:

Beckenboden und Bauchmuskulatur

Die Beckenbodenmuskulatur arbeitet direkt mit der Bauchmuskulatur zusammen. Eine kräftige Bauchmuskulatur entlastet den Beckenboden bei seiner Haltearbeit und federt Druckbelastungen ab, wie sie zum Beispiel durch Niesen und Husten oder beim Springen entstehen.

Beckenboden und Rückenmuskulatur

Auch mit der Rückenmuskulatur ist der Beckenboden eng verbunden. Die kleinen und großen Rückenmuskeln stützen und bewegen die Wirbelsäule. Zusammen mit den Bauchmuskeln sorgen sie für den aufrechten Gang und halten das tragende Becken stabil. Die Spannung und Flexibilität der Rückenmuskeln beeinflussen die Arbeit des Beckenbodens unmittelbar.

Für ein stabiles Becken mit gut funktionierender Muskulatur sind neben der Rumpfmuskulatur auch die Beinmuskeln wichtig, außerdem die Stellung der Füße und Beine beim Gehen.

Beckenboden und Bauchraum

Der Beckenboden leistet eine lebenslange Haltearbeit: Er trägt die Organe im Inneren des Bauchraums. Zwischen den Organen liegen Räume mit Fett- und Bindegewebe, die Druckwellen abfangen können. Wenn die Bauch- und Rückenmuskeln den Bauchraum aufrecht halten, kann er eine Druckwelle besser abfangen als in gebeugtem Zustand. Dies entlastet auch den Beckenboden.

Beckenboden und Blase

Während sich Urin in der Blase sammelt, verschließt die Beckenbodenmuskulatur die Harnröhre. Damit sich die Blase entleeren kann, muss sich der Beckenboden entspannen. Nach der Entleerung nimmt die Spannung der Beckenbodenmuskulatur langsam wieder zu. Sie enthält Muskelfasern, die sehr schnell arbeiten. Solche Fasern halten die gefüllte Blase im Bereich der Harnröhre dicht, auch wenn sie zum Beispiel durch Niesen unter Druck gerät.

Beckenboden und Enddarm

Der Beckenboden stützt den Enddarm ab. Während sich der Stuhl im Enddarm sammelt, ist die Beckenbodenmuskulatur angespannt. Soll der Darm entleert werden, müssen die Muskeln gezielt loslassen können.

Beckenboden und Gebärmutter

Die obere Muskelschicht des Beckenbodens umschließt bei Frauen auch den Gebärmutterhals und die Scheide. Während der Schwangerschaft ist die Beckenbodenmuskulatur die wichtigste Stütze für die Gebärmutter und das Ungeborene. Bei der Geburt ist ihre Elastizität gefragt: Durch ihre Dehnfähigkeit trägt sie dazu bei, das Kind durch die Scheide nach draußen zu befördern. Trainierte und flexible Muskeln erleichtern die Geburt und schützen vor Verletzungen des Beckenbodengewebes.

Beckenboden und Sexualität

In der Sexualität spielt die Beckenbodenmuskulatur eine wichtige Rolle. Gut durchblutete, aktive Muskeln steigern die Empfindsamkeit. Bei der Frau regulieren die Beckenbodenmuskeln die Weite der Scheide. Durch bewusstes Anspannen und Lockerlassen lässt sie sich verengen oder entspannen, zum Beispiel während des Geschlechtsverkehrs. Beim Mann ist der Beckenboden besonders für das Zustandekommen und Halten einer Erektion wichtig.

Beim Orgasmus ziehen sich die Muskeln unwillkürlich in kurzen Abständen zusammen. Eine funktionierende Beckenbodenmuskulatur trägt dazu bei, dass diese rhythmischen Kontraktionen leichter ausgelöst werden.

Beckenboden und Atmung

Auch die Bewegung der Atemmuskulatur wirkt sich auf den Bauchraum und den Beckenboden aus. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Zwerchfell, das den Bauchraum nach oben zur Brusthöhle hin abschließt.

Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell, dabei entspannen sich die Bauchmuskeln. Dies ist auch am Beckenboden spürbar. Beim Ausatmen hebt sich das Zwerchfell, der Bauchraum wird wieder etwas enger, und die Beckenbodenmuskeln bewegen sich ein wenig in den Bauchraum hinauf.

Der Beckenboden hilft der Lunge, die Luft langsam abzugeben. Wenn der Beckenboden elastisch und gut geschult ist, unterstützt er die Muskulatur auch beim Sprechen und Singen.